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Forstwirtschaft - Braunschweig:In Niedersachsens Wäldern sterben die Buchen

Göttingen (dpa/lni) - Als Folge der Trockenheit sterben in Niedersachsens Wäldern nicht nur viele vom Borkenkäfer befallene Fichten, sondern auch immer mehr Buchen. Betroffen sei vor allem das südliche Niedersachsen, berichteten die Landesforsten am Freitag. Dort werfen die absterbenden Buchen vielfach schon jetzt ihr Laub ab. Die rasante Entwicklung versetzte die Förster in Sorge, sagte Landesforsten-Vizepräsident Klaus Jänich. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen geht davon aus, dass bereits 10 bis 15 Prozent der Buchen betroffen sind.

Auslöser des Baumsterbens sei das Dürrejahr 2018, dessen Folgen sich bei den Buchen mit Zeitverzögerung zeigten, meinte Landesforsten-Vize Jänich. "Die Buche braucht Luftfeuchte und ausreichende Niederschläge", erklärte auch Ralf-Volker Nagel von der Forstlichen Versuchsanstalt. "Wegen der Trockenheit sind vielfach die Bodenwasserspeicher nicht aufgefüllt. Dieser Wassermangel schädigt die Buchen und deren Wurzelwerk."

Die Bäume könnten nicht mehr genügend Feinwurzeln nachbilden, die für die Wasserversorgung erforderlich seien, sagte Nagel. Betroffen seien vor allem Buchen auf sogenannten flachgrundigen Standorten, die vergleichsweise wenig Wasser speichern können. Als Beispiel nannte Nagel die Muschelkalkböden im südlichen Niedersachsen.

Zusätzlich sei die Rinde vieler Buchen durch Sonnenbrand aufgerissen, sagte Forst-Vizepräsident Jänich. Dies mache die Rinde zur Eintrittspforte für Holz zersetzende Pilze. Auch der Befall durch Insekten setzte den Buchen zu.

Viele Waldbäume seien durch die vom Klimawandel hervorgerufenen Witterungs-Extreme der vergangenen Jahre massiv beeinflusst, sagte die Leiterin des Fachbereichs Wald im Nationalpark Harz, Sabine Bauling. Sie nannte Hitze, Trockenheit, Starkregen, Stürme und intensive Sonneneinstrahlung über Monate.

Unter den Buchen litten vor allem die älteren Bäume, sagte Bauling. Sie hätten mit Schädlingen wie dem Buchenspringrüssler und zunehmend auch mit dem Kleinen Buchenborkenkäfer zu kämpfen. Dieser befalle besonders nach Trockenjahren selbst vitale Bäume. "Die Buchen, die jetzt schon komplett braune Blätter haben, sind dauerhaft kaputt", fürchtet Wald-Experte Nagel. "Bei weniger geschädigten Bäumen hoffen wir, dass es eine Regeneration gibt."

Für Waldbesucher und Forstarbeiter sei die Lage mittlerweile gefährlich, sagte Forst-Vizepräsident Jänich. "Auch bei schönstem Wetter brechen ohne Vorwarnung abgestorbene Äste oder ganze Kronenteile ab, sogar wenn diese noch grünes Laub tragen." Wo die Gefahr zu groß ist, müsse der Zugang zu Waldgebieten gesperrt werden.

Bei den Landesforsten geht man nicht davon aus, dass es sich beim aktuellen Buchensterben um ein einmaliges Phänomen handelt. Denn: "Lange Dürrephasen, wie wir sie künftig häufiger erwarten müssen, machen dem gesamten Ökosystem Wald zu schaffen", sagte Jänig. Und: "Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung von Insekten und Pilzerkrankungen." Waldexperte Nagel wird noch deutlicher: "Der deutsche Buchenwald ist wegen des Klimawandels zumindest auf schlecht mit Wasser versorgten Standorten gefährdet."