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Formel E:Das große Umlenken

2016 2017 FIA Formula E Championship Round 10 New York City ePrix Brooklyn New York USA Sund
(Foto: Sam Bloxham/Imago)

Auch Porsche rast in die drei Jahre junge Rennserie für elektrisch betriebene Fahrzeuge - wie Audi, BMW und Mercedes. 2019 soll das Manöver abgeschlossen sein.

Angesichts solcher Bilder werden sogar die Formel-1-Manager in ihren bunten Team-Shirts blass: Ein Auto-Rennen mitten durch New York City, mit der Freiheitsstatue und den Wolkenkratzern von Manhattan im Hintergrund. Das kann bisher nur die Formel E bieten, eine drei Jahre junge Rennserie für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Die Formel E ist zwar noch weitgehend unbekannt, aber sie wird immer wichtiger und entzieht dem traditionellen Rennzirkus mit seinen Verbrenner-Motoren eine Attraktion nach der anderen. Nun wechselt auch Porsche mit seinem Werksteam vom 24-Stunden-Rennen in Le Mans in die Formel E.

Der Abschied von Le Mans soll schon bald erfolgen, und 2019 wird der erste Formel E-Start sein, bestätigen mit dem Thema befasste Porsche-Mitarbeiter. Damit ist der Sportwagenbauer der vierte deutsche Autohersteller in der Formel E, zuvor hatten schon Audi, BMW und Mercedes ihren Einstieg angekündigt. Daimler zieht sich 2018 zudem von den Deutschen Tourenwagen-Masters zurück. Zwei große Namen ziehen ihre dreistelligen Millionen-Etats aus traditionsreichen Benziner-Rennen ab und stecken das Geld lieber in eine viel kleinere Elektro-Serie. Das große Umlenken in der Auto-Industrie vom Verbrenner zum Stromer läuft.

Schon immer hatte der Motorsport wegweisenden Charakter für die Branche, die Rennen hatten für die Autobauer zwei Funktionen: Werbe-Schaufenster und Entwicklungslabor. Technische Innovationen wie der Turbolader wurden auf den Rennstrecken eingeführt, heute rollen sie auch durch die Zone 30. Genau deshalb streben die Hersteller in die Formel E: Sie wollen dort lernen, ihre E-Serienfahrzeuge schneller und effizienter zu machen - und sie wollen etwas tun für ihr Image als innovatives und nachhaltiges Unternehmen.

Die Formel E kann zwar keine röhrenden Boliden bieten, sondern nur surrende Elektromotoren. Aber das ist auch ihr Vorteil: Ihre Flitzer rasen über Innenstadt-Straßen. Neben New York fuhren sie zuletzt durch Paris, Hongkong, Marrakesch, Buenos Aires und Berlin. Und bald könnte die Formel E in München ankommen - auf der Theresienwiese. Die Stadt München bestätigt erste Gespräche. Monaco-Feeling in München statt steriler Pisten auf der grünen Wiese. Es gibt sogar Leute, die prophezeien, dass die Formel E langfristig die Formel 1 überrunden wird. In der Formel E tummeln sich bereits etliche internationale Autohersteller und auch jede Menge Prominenz: Hollywood-Schauspieler Leonardo di Caprio und Milliardär Richard Branson besitzen Teams.

© SZ vom 28.07.2017

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