Formel 1: Dietrich Mateschitz:Im Namen der Dose

Lesezeit: 5 min

Sebastian Vettel verdankt seinen WM-Titel vor allem Dietrich Mateschitz. Der Österreicher ist Multimilliardär und Herr über das Red-Bull-Imperium - und befindet sich in einem interessanten Wettstreit mit Arnold Schwarzenegger.

Johannes Aumüller

Seit 1992 arbeitet Kai Ebel als Formel-1-Boxenreporter für den Fernsehsender RTL, und in diesen 18 Jahren hat Kai Ebel drei Dinge bewiesen.

MATESCHITZ

Eigenwilliger Finanzier: Dieter Mateschitz ist einer der Männer hinter Sebastian Vettels WM-Erfolg.

(Foto: AP)

Dass es einen Journalisten gibt, der sich noch mehr als Waldemar Hartmann heranwanzt. Dass es in der stets auf Schick und Glamour bedachten Formel-1-Welt auch mit merkwürdiger Kleiderwahl klappen kann. Und dass er am Rande eines Rennens jeden, aber wirklich jeden vors Mikro bekommt.

Doch der Tag, an dem sich Sebastian Vettel sensationell den WM-Titel in der Formel 1 sicherte, brachte auch für Kai Ebel ein selten gekanntes Glücksgefühl - ein Interview mit Dietrich Mateschitz.

Normalerweise gibt sich der 66-jährige Besitzer des Vettel-Rennstalls und Multimilliardär (geschätztes Vermögen laut Forbes: vier Milliarden Dollar) an der Strecke ziemlich zurückhaltend. "Sie werden mich sicher nicht mit Funkgerät, Headset und Stoppuhr an der Boxenmauer sehen", hatte er zu seinem Einstieg in die Königsklasse des Motorsports gesagt - und sich in den Folgejahren daran gehalten. Interviews geben bei Red Bull die Fahrer und der Teamchef, aber nicht der Besitzer.

Doch an diesem Sonntag des Triumphs stand der Boxenreporter neben Mateschitz und rang ihm ein paar Sätze zum Sieg seines Fahrers ab. "Es ist wunderschön, damit haben wir nicht mehr gerechnet. Es ist einfach gewaltig. Am Schluss haben wir vielleicht mehr Glück als Verstand gehabt, aber es passt schon", sagte Mateschitz - ehe er den nun bittenden Kollegen Ebels in alter Interviewverweigerungshaltung zuschnauzte: "Jetzt lasst mich ziehen."

Es wirkt ein wenig paradox. Da ist ein Unternehmen wie Red Bull, das so sportlich, hip und wegen seines Preises auch ein wenig elitär daherkommt - und das die erfolgreichste Energydrink-Marke weltweit ist. Und andererseits gibt sich der Chef so zurückhaltend wie der Eigentümer der örtlichen Familientischlerei in Posemuckel.

Doch die Leisetreterei passt zu Mateschitz. Er gibt sich nicht nur an der Rennstrecke, sondern auch privat zugeknöpft. Er ist ein erklärter Ehegegner, hat aus einer früheren Beziehung einen Sohn im Teenie-Alter und eine Leidenschaft für Extremsportarten, für schnelle Autos und Flugzeuge - das war's.

Die Reise nach Thailand

In Klatschblättern will er seinen Namen nicht lesen. Zur Not würde Mateschitz die Hochglanzmagazine wohl eher kaufen. "Vielleicht lässt sich dadurch am besten verhindern, dass ich darin auftauche", sagte er einmal in einem Interview mit dem Spiegel.

Der Journalist Michael Nikbakhsh berichtete vor einigen Jahren in einem österreichischen Magazin (Titel: "Wie Mateschitz unerwünschte Biografien verhindert"), wie er sich vergebens um ein Porträt des Unternehmers bemühte. Eine seiner Anekdoten: Als er den Gemeindesekretär von Mateschitz' steirischem Heimatort gefragt habe, wo der zur Schule gegangen sein, habe er zur Antwort erhalten: "Ich darf in Absprache mit Herrn Mateschitz keine Auskunft erteilen."

Viel mehr Auskunft gibt es hingegen über die Entstehung von Österreichs bekanntester Weltmarke. 1982 arbeitete Mateschitz nach einem Studium an der Hochschule für Welthandel und diversen Marketingjobs gerade beim Zahnpastahersteller Blendax in Mainz. Auf einer Geschäftsreise in Asien unterwegs lernte er den Aufputschgetränkemarkt kennen - unter anderem den thailändischen Unternehmer Chaleo Yoovidhya, der ein Getränk namens Krating Daeng verkaufte, einen billigen Energy-Drink mit viel Koffein und Taurin.

Österreichs Mäzen

Mateschitz gehört zu den Menschen, die in einem schnellen Moment eine ziemlich wegweisende Entscheidung treffen - und sich meist darüber freuen dürfen, dass sich diese Entscheidung als richtig erweist.

1982 in Thailand war gab es so einen Moment: Mateschitz war vom Produkt des thailändischen Unternehmers Chaleo Yoovidhya überzeugt, es fehlte nur noch ein Name. Da übersetzte er einfach den Begriff Krating Daeng ins Englische und modifizierte ihn nur insofern, als dass er für das in Mitteleuropa relativ unbekannte Rind Gaur lieber ein geflügelteres Vieh nahm - Red Bull war geboren.

Sofort ließ Mateschitz Blendax Blendax sein und erwarb die internationalen Lizenzrechte für den Namen Red Bull. 1984 gründete er die Red Bull GmbH, an der er 49 Prozent hält, 1987 kam die erste Dose auf den Markt. Bald darauf erreichte Red Bull Wachstumsraten zwischen 100 und 200 Prozent pro Jahr. Verleiht Flügel.

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