Autoindustrie:Benebelt von Benzin

Ford will im Marketing eine gute Nase beweisen.

Von Christina Kunkel

Entwöhnung ist schwer, das wissen nicht nur Raucher. Selbst ohne körperlichen Entzug hat man manchmal einfach keine Lust, das Bekannte loszulassen. Erst recht, wenn der Abschied nicht ganz freiwillig ist. So wie bei den Autos, die bald nur noch mit Strom statt mit Diesel fahren sollen. Nicht jeder findet das auf Anhieb super. Doch wie kann man Petrolheads den Umstieg in die bleifreie Zukunft erleichtern? Das treibt auch die Marketingmenschen der Autokonzerne um.

Der US-Autobauer Ford hat Verbrenner-Fahrer gefragt, was sie am meisten vermissen würden, wenn sie ihren Wagen mit Strom betreiben sollten. Solche Umfragen geben Marketingabteilungen gerne in Auftrag, bei ihnen darf dann gerne etwas herauskommen, das man spektakulär verkünden kann - sie sind also mit Skepsis zu genießen. Bei Ford kam laut Mitteilung des Unternehmens heraus: Die Menschen würden den guten alten Benzin-Geruch vermissen. Jeder Fünfte habe angegeben, ihm würde beim Umstieg auf ein Elektroauto der Gestank, ach nein: der Duft von Sprit am meisten abgehen. In den Antworten auf die vom Unternehmen gestellte Frage war der Duft von Benzin offenbar beliebter als die Gerüche von Wein, Käse und neuen Büchern.

Die Marketingleute bei Ford haben nach den Umfrage-Experten dann Duft-Experten gefunden, die ein Parfüm gemischt haben. Es riecht nach Benzin und - in Anlehnung an den Mustang als Wappentier - auch ein bisschen nach Pferd. Kaufen kann man die Kreation, die auf dem Goodwood Festival of Speed vorgestellt wurde, dem Mekka für Krawallbüchsen-Liebhaber, wohl niemals.

Doch der Mensch hat ja nicht nur eine Nase, liebe Autokonzerne, er hat auch Ohren. Und in der Vor-E-Welt gab es da manchmal ganz schön was drauf. Besonders die Sportwagenfans müssen vielleicht etwas sanfter von ihren röhrenden Motoren entwöhnt werden. Beim Porsche Taycan kann man ein "Electric Sound System" dazukaufen. Per Knopfdruck gibt es sowohl für die Insassen als auch für die Menschen am Straßenrand ein bisschen akustische Aufmerksamkeit - schließlich will manch einer in seinem Porsche ja nicht nur gesehen, sondern auch gehört werden. Es ist nicht gewagt, zu prognostizieren, dass Liebhaber von Sechszylinder-Boxermotoren von einer Mischung aus E-Maschinen-Surren und einem etwas heiseren Grollen wohl nicht nachhaltig beeindruckt sein werden.

Die Verbrennerzeit kann auch ungewollt im E-Auto weiterexistieren, hat letztens der Audi E-Tron bewiesen. In den ersten Modellen wies das Navigationssystem den Fahrer permanent darauf hin, wie weit es zur nächsten Tankstelle ist. Dabei schafft man das auch ohne Navi: immer der Nase nach.

© SZ
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