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Foodwatch stellt neue Studie vor:Gigantische Werbebudgets der Zucker-Industrie

Das Perfide: Mit den Lebensmitteln, die Kinder auf Dauer dick und dann krank machen, ist eine Umsatzrendite von 15 bis 18 Prozent und mehr drin. Die Analysten von JP Morgan haben 2006 berechnet, dass dies deutlich über den Renditemöglichkeiten etwa bei Obst liegt.

Foodwatch

So profitabel sind die Sektionen der Lebensmittelbranche - zum Vergrößern der Grafik klicken.

(Foto: Foodwatch)

Das schlägt sich direkt in den Ausgaben für Werbung nieder. In Anzeigen für Obst und Gemüse wurden 2011 deutschlandweit 7,3 Millionen Euro investiert. In die Werbung für stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel mehr als 780 Millionen Euro, davon 700 Millionen Euro für Süßwaren und Schokolade.

Die Industrie führt eine Werbeschlacht, bei der vor allem die Kinder die Verlierer sind. Wenn Spieler der Fußball-Nationalmannschaft Nutella essen, will es der Kicker-Nachwuchs auch. Wenn der Spongebob-Schwammkopf von der Frühstücksflocken-Packung grinst, wird eben gejammert, bis der entnervte Papa die Packung in den Einkaufswagen fliegen lässt.

Die coole Capri-Sonne: Zucker und Aromen statt Saft

Foodwatch präsentierte in Berlin ein besonderes Negativ-Beispiel dafür, wie die Industrie ihre Werbeköder auslegt: Capri-Sonne. Das ist ein Getränk, das mit Fruchtsaft kaum noch etwas zu tun hat. Enthalten sind vor allem Wasser, Zucker und Aromen, die mit Früchten so viel zu tun haben wie die Sonnenbank mit einem Südseestrand.

In ihrer Werbebotschaft vermittelt der Hersteller der Capri-Sonne, die Sisi-Werke GmbH in Heidelberg, es gebe einen Zusammenhang zwischen Abenteuer und dem Zuckerwasser. Skateboarden, Reiten, das neueste Smartphone: Alles, was irgendwie cool ist, wird mit der Marke in Verbindung gebracht. Auf dass es cool sei, Capri-Sonne zu trinken.

Ergänzend werden an Lehrer und Schüler Broschüren über gesunde Ernährung verteilt und sogenannte Capri-Camps zum gleichen Thema angeboten. So wird leicht überspielt, dass Capri-Sonne alles andere als ein gesundes, ausgewogenes Lebensmittel ist. Jede selbstgemixte Apfelschorle ist besser und obendrein wesentlich günstiger. Die Sisi-Werke gehören zum Unternehmen Wild. Dessen Kerngeschäft: die Herstellung von Aromen.

Andere Unternehmen wie Coca-Cola oder Kellogg's beteiligen sich an Bewegungskampagnen, etwa der sogenannten "Plattform Ernährung und Bewegung" für Kinder. Scheinverantwortung nennt Foodwatch das. Alle Produkte von Kellogg's, die Foodwatch getestet hat, finden sich im roten Bereich der Lebensmittelpyramide wieder. Dass Cola Kinder nicht schlank macht ist, sollte auch klar sein. Nähmen die Hersteller ihre Verantwortung ernst, sie könnten auf ihre Produkte Warnhinweise drucken: "Nicht verzehren! Lebensgefahr!"

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