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Fondsverwalter:Aktienbank vor dem Verkauf

Käufer des Augsburger Geldhauses soll der britische Dienstleister FNZ sein. Ihm gehört bereits Ebase in Aschheim.

Von Herbert Fromme, Köln

Der Landwirtschaftliche Versicherungsverein (LVM) in Münster hat nach Angaben aus Unternehmenskreisen einen Käufer für seine Tochter Augsburger Aktienbank (AAB) gefunden. Der Versicherer sei sich einig mit dem britischen Finanzkonzern FNZ, dem bereits die European Bank for Financial Services (Ebase) in Aschheim bei München gehört, hieß es.

Ebase, einst eine Tochter der Commerzbank, ist seit 2019 Teil der FNZ-Gruppe. Keine der beteiligten Gesellschaften wollte dazu Stellung nehmen. Bei FNZ und Ebase hieß es, es handele sich um ein "Gerücht", das man nicht kommentiere.

AAB und Ebase haben beide kein Filialnetz und kaum Endkunden. Sie sind vor allem als Dienstleister für Finanzvertriebe, Vermögensverwalter, Versicherer und Banken tätig. Diese Kunden können Fonds über sie beziehen sowie Depots und Portfolien verwalten lassen. Zusammengeschlossen hätten sie in Deutschland eine deutlich größere Marktpräsenz, was sich auf Preise und Kosten auswirken würde.

Gerade bei der AAB wären sehr hohe hohe Investitionen in die ältliche IT-Struktur des Unternehmens notwendig, wenn die Bank nicht verkauft würde.

Mit dem Kauf expandiert FNZ in Deutschland kräftig. Die Firma stammt aus Neuseeland und ist jetzt in Großbritannien beheimatet. Das Unternehmen bietet als Dienstleister IT-Plattformen und die technische Vermögensverwaltung für Dritte an.

Kunden sind vor allem Lebensversicherer, Banken und kleine Vermögensverwalter. Das für Kunden verwaltete Vermögen beträgt rund 400 Milliarden Pfund. FNZ beschäftigt weltweit 2500 Mitarbeiter. Der Londoner Konzern arbeitet ebenfalls nicht für Endkunden, sondern strikt nach dem Prinzip Business to Business (B to B oder B2B) für Finanzdienstleister.

FNZ ist in den vergangenen Jahren mit einer Reihe wichtiger Übernahmen gewachsen. Konzernchef Adrian Durham will "zum Marktführer bei der Bereitstellung von digitaler B2B-Vermögensverwaltungstechnologie für Finanzinstitute und deren Kunden weltweit werden".

Dazu würde die Übernahme der Augsburger Aktienbank passen. Zur Zeit verwahrt die AAB, die eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro hat, Wertpapiere für 13 Milliarden Euro. Sie hat rund 380 Mitarbeiter. Außerdem ist die Bank über Tochtergesellschaften im Leasing und in anderen Dienstleistungen aktiv.

Den Briten dürfte es vor allem um die Kundenbeziehungen der AAB gehen

2002 hatte der LVM, bundesweit einer der größten Kfz-Versicherer, die AAB von der Allianz gekauft. Mit der Übernahme wollte der Versicherer damals seine Position in der Altersvorsorge und der Vermögensverwaltung stärken. Doch inzwischen haben die Münsteraner die Lust an dem Geschäft verloren: Die Bank macht Verluste und benötigt Geld für Investitionen. Für den Verkauf von Fonds über die eigenen Vertreter braucht der LVM keine Bank.

Ebase ist im Kerngeschäft bislang einer der wichtigsten Konkurrenten der Augsburger Aktienbank. Das verwaltete Kundenvermögen beträgt 34 Milliarden Euro, das Unternehmen hat rund 300 Mitarbeiter. Ebase wurde 2002 gegründet und 2018 von der Commerzbank für 154 Millionen Euro an FNZ verkauft. Der Kauf wurde 2019 wirksam. Chef ist der bei Online-Banken sehr erfahrene Manager Kai Friedrich, den FNZ gerade als Nachfolger von Rudolf Geyer zu Ebase geholt hat. Geyer war 17 Jahre lang Chef in Aschheim.

Bei der AAB-Übernahme dürfte es den Briten vor allem um die Kundenbeziehungen der AAB gehen. Die IT können sie kaum gebrauchen. Wahrscheinlich wird sich FNZ auf einen Standort in Deutschland konzentrieren, bei der Mitarbeiterzahl dürfte es spürbare Einschnitte geben.

Die Verwaltung von Fonds über Dienstleister und die Nutzung externer IT-Plattformen - wenn möglich unter eigenem Namen - wird für die Finanzbranche immer wichtiger. Die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass die Unternehmen Kosten senken müssen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Da lohnt sich die eigene Verwaltung immer seltener, Dienstleister wie FNZ bringen klare Marktvorteile.

Für die fast 60 Jahre alte AAB dürfte der Verkauf das Ende als eigenständiges Institut bedeuten. Die AAB war bislang stolz auf ein gutes Betriebsklima mit kurzen Wegen und flachen Hierarchien.

Negativ war zwar bei vielen Mitarbeitern aufgefallen, dass die Bank wenig in die Technik investierte. Aber der Vorstand galt als verlässlich, vor allem Bankchef Lothar Behrens hatte einen sehr guten Ruf. Seitdem die SZ erstmals über die Verkaufspläne des Eigners LVM berichtete, ist die Stimmung allerdings im Keller.

© SZ vom 09.06.2020
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