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Flugzeughersteller:Boeing stoppt den Bau von Passagierjets

Boeing 787 Dreamliner

Produktion der Boeing 787 Dreamliner in Everett bei Seattle: Das Werk ist dicht, zunächst bis Ende des Monats.

(Foto: Gail Hanusar/dpa)

Auch bei Airbus stockt die Fertigung wegen des Virus. Die Aussichten sind schlecht.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Flugzeughersteller Boeing und Airbus kämpfen in der Corona-Krise mit massiven Problemen, die Produktion aufrechtzuerhalten. Airbus fertigt in einigen seiner Werke vorerst keine Teile mehr und stoppte die Endmontagelinien Montréal (Kanada) und Mobile (USA). Boeing kündigte an, bis auf Weiteres die Produktion von zivilen Flugzeugen ganz auszusetzen. Von Mitte der Woche an wird das Werk in Charleston (USA) bis Ende des Monats geschlossen. Dort werden Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 787 montiert. Die Boeing-Werke in Everett, Renton und Moses Lake (alle im US-Bundesstaat Washington) sind bereits geschlossen. Nur noch unbedingt nötige Arbeiten sollen weitergehen, Verwaltungsmitarbeiter werden ins Home-Office geschickt.

Airbus hat hingegen bislang nur Teile der Produktion gestoppt. Kontinuität sei das oberste Ziel, erklärte das Unternehmen. Allerdings werden derzeit keine Maschinen der Baureihe A220 mehr montiert, die normalerweise in den Werken Mobile und Montréal gefertigt werden. An den deutschen Standorten Bremen und Stade ist die Teilefertigung gestoppt - in Bremen bis Ende April, in Stade zunächst bis 11. April. Bremen ist vor allem für Landeklappen zuständig, in Stade entstehen unter anderem Seitenleitwerke. Die Endmontage in Hamburg-Finkenwerder läuft derzeit weiter. Airbus hatte bereits in den letzten Wochen die Produktion in anderen Werken teilweise ausgesetzt, vor allem in Spanien und Frankreich, auch um neue Arbeitsprozesse einzuführen, wodurch die Mitarbeiter einem geringeren Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Zugleich wurden die Lagerbestände teilweise stark erhöht.

Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass Airbus und Boeing gezwungen sein werden, die Produktion in den kommenden Jahren stark zu reduzieren, womöglich um die Hälfte. Die Bank UBS sieht in Europa den Schnellzugverkehr nach der Corona-Krise im massiven Aufschwung, den Luftverkehr hingegen in einer Stagnation. Aufgrund der drohenden Rezession, der schwierigen Finanzlage der Fluggesellschaften und zurückgehender Passagierzahlen, rechnet Agency Partners damit, dass Airbus monatlich nur 28 Maschinen der A320neo-Familie ausliefern wird; geplant waren zuletzt 63 sowie 67 im Jahr 2022. Auch bei den Langstreckenmustern A330neo und A350 wird sich die Produktionsrate zunächst etwa halbieren, wodurch die beiden Programme in die roten Zahlen rutschen. Nur die kleinere A220-Serie wird höhere Raten erreichen, aber auch unter den ursprünglichen Erwartungen bleiben.

Die Aktien der beiden Flugzeughersteller entwickelten sich am Dienstag unterschiedlich. Während Airbus im M-Dax um sieben Prozent anstiegen, fiel die Boeing-Aktie in New York um 3,7 Prozent.

© SZ vom 08.04.2020
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