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Flugzeughersteller:Boeing kippt Deal mit Embraer

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Boeing wollte eigentlich die Zivilsparte von Embraer übernehmen, um bei kleineren Maschinen mit Airbus konkurrieren zu können.

(Foto: David Becker/Reuters)

Der US-Konzern sagt die bereits beschlossene Übernahme der Zivilsparte des brasilianischen Flugzeugherstellers wieder ab.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat die geplante Übernahme der Zivilflugzeugsparte des brasilianischen Herstellers Embraer abgesagt. Boeing teilte am Wochenende mit, man habe sich zu dem Schritt entschieden, weil Embraer auch nach langen Verhandlungen nicht alle Bedingungen für die Transaktion erfüllt habe. Embraer beschuldigt Boeing, einen Vorwand für den Ausstieg gesucht zu haben, und will Schadenersatz fordern.

Boeing und Embraer hatten 2018 bekannt gegeben, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, an dem der US-Konzern 80 Prozent halten und in das die Embraer-Zivilsparte einfließen sollte. Die Unternehmen reagierten damit auf den Konkurrenten Airbus, der zuvor das C-Serie-Programm des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier übernommen und damit sein Angebot bei den kleineren Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen mit zwischen gut 100 und 150 Sitzen verstärkt hatte.

Die Europäische Kommission hatte als einzige das Boeing Brasil Commercial genannte Joint Venture noch nicht wettbewerbsrechtlich genehmigt, zuletzt stand als Frist ein Termin im Juni im Raum. Boeing war aber nach der Einigung immer mehr unter Druck geraten. Die Krise rund um die seit März 2019 mit einem Flugverbot versehenen 737 MAX kostete den Konzern bislang rund 20 Milliarden Dollar. Nachdem sich das Coronavirus weltweit verbreitet hat und der Luftverkehr zusammengebrochen ist, befindet sich auch Boeing in Verhandlungen über Staatshilfen. Es gilt für den Konzern als politisch unmöglich, gleichzeitig von der Regierung gestützt zu werden und den Kaufpreis von mehr als 4,2 Milliarden Dollar nach Brasilien zu überweisen, zumal Boeing gleichzeitig wohl viele Tausend Jobs streichen wird.

Embraer hatte von Ende Dezember bis Ende Januar die Produktion stillgelegt, um die Zivilsparte aus dem Konzern herauszulösen und die IT-Systeme zu migrieren. Nun steht das Unternehmen vor einer völlig unklaren Zukunft. Embraer hatte sich dazu entschlossen, die Sparte an Boeing zu verkaufen, weil das Management es sich nicht zugetraut hat, gegen Airbus und Boeing zu konkurrieren. Genau das muss Embraer nun aber tun. Gewinner bei der Trennung ist nun Airbus, denn sowohl Boeing als auch Embraer sind nun noch weiter geschwächt - keiner von beiden kann nun eine Produktreihe anbieten, die mit der von Airbus vergleichbar ist.

© SZ vom 27.04.2020
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