Flugzeugbauer:Gewerkschaft erhöht Druck auf Airbus

Flugzeugbauer: Airbus-Produktion in Hamburg-Finkenwerder: Der Konzern hat den Bau von Rumpfstrukturen wieder zum absoluten Kerngeschäft erklärt.

Airbus-Produktion in Hamburg-Finkenwerder: Der Konzern hat den Bau von Rumpfstrukturen wieder zum absoluten Kerngeschäft erklärt.

(Foto: M. Lindner/oh)

Die IG Metall fordert wegen des Konzernumbaus für die Mitarbeiter Garantien.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die IG Metall erhöht in der Auseinandersetzung um den Umbau des Luftfahrtkonzerns Airbus den Druck auf das Unternehmen. Die Gewerkschaft fordert vor dem Beginn von Tarifverhandlungen einen Sozialtarifvertrag, der die von ihr befürchteten Folgen abfedern soll. Sollte sich das Management nicht deutlich bewegen, will die IG Metall auch kurzfristig Warnstreiks organisieren.

Airbus hatte im Frühjahr angekündigt, die Tochtergesellschaft Premium Aerotec mit Teilen der bei Airbus direkt angesiedelten Werke zu bündeln und in eine neue Firma zu überführen, die Strukturbauteile für die Flugzeuge herstellt. Die Kleinteilefertigung, in der rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll in ein separates Unternehmen ausgegliedert und verkauft werden. Die IG Metall hat nicht alle Pläne grundsätzlich abgelehnt, will aber Garantien für die Arbeit an künftigen Flugzeugmodellen. "Wir haben keine akzeptablen Vorschläge bekommen", so Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Die Gewerkschaft fordert in dem Sozialtarifvertrag Abfindungen in Höhe von 25 000 Euro plus drei Monatsgehälter für diejenigen, deren Arbeitsplätze verloren gehen, Weiterbildungsprogramme über zwei Jahre und einen Härtefallfonds. Die Vereinbarung soll eine Laufzeit von zwölf Jahren haben.

Airbus hat den Bau von Rumpfstrukturen wieder zum absoluten Kerngeschäft erklärt und deswegen auch die einstigen Verkaufspläne für Premium Aerotec und die französische Stelia Aerospace endgültig verworfen. Allerdings kämpft vor allem der deutsche Ableger mit hohen Kosten und produziert Kleinteile, die anderswo billiger zu bekommen wären. Das Management argumentiert, der Umbau sei nötig, weil bei künftigen Flugzeuggenerationen der Rumpf eine noch wichtigere Rolle spiele, und weil so die Kosten transparenter gemacht werden könnten.

Airbus-Gesamtbetriebsratschef Holger Junge glaubt, der neuralgische Punkt sei es, ausreichend Arbeitspakete für die nächste Flugzeuggeneration zu sichern. Er rechnet dabei mit einer Entscheidung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren und einem neuen Modell im Jahr 2030. Airbus selbst peilt erst 2035 an.

Der Konflikt trifft das Unternehmen zur Unzeit. Denn mittlerweile fährt Airbus die Produktion der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge wieder hoch. Schon im vierten Quartal sollen 44 Maschinen pro Monat ausgeliefert werden, Anfang 2023 gar 63. Die A320neo-Baureihe ist derzeit die einzige profitable Serie unter den Airbus-Zivilflugzeugen, Warnstreiks hier hätten massive wirtschaftliche Folgen. Für Finanzvorstand Dominik Asam ist deswegen klar: "Wir brauchen eine einvernehmliche Lösung."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB