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Flugzeugbau:Boeing-Chef muss Macht abgeben

Schon seit sieben Monaten müssen die 737-Max-Jets des Konzerns am Boden bleiben. Nun hat das Unternehmen Dennis Muilenburg als Leiter des Verwaltungsrates abgesetzt.

Nach außen hin gab Dennis Muilenburg wieder einmal den Vollprofi. Er unterstütze die Entscheidung des Boeing-Verwaltungsrates "vollkommen". Das gesamte Boeing-Management sei wie ein Laserstrahl fokussiert, die 737 Max wieder in die Luft zu bringen und die Verpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen.

Der Verwaltungsrat hatte entschieden, den Boeing-Chef teilweise zu entmachten. Seine Rolle als Chairman, also als Leiter des Verwaltungsrates, übernimmt David Calhoun, im Hauptberuf Vorstand beim Finanzinvestor Blackstone. Muilenburg wird aber weiter als Chief Executive Officer und President das Tagesgeschäft bei Boeing lenken. Der Verwaltungsrat werde eine "aktive Rolle" bei der Überwachung des Vorstandes spielen, kündigte Calhoun schon einmal an. Ein neu zu benennendes Mitglied des Gremiums soll sich speziell um das Thema Sicherheit kümmern.

Mit dem Schritt zieht Boeing die ersten personellen Konsequenzen aus dem Desaster rund um die beiden Abstürze der 737 Max, bei denen im Oktober 2018 und März 2019 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Boeing hatte eine fehlerhafte Steuersoftware entwickelt, die bei den Unglücken die entscheidende Rolle gespielt hat. Zuletzt hatten Analysen der Flugunfalluntersuchungsbehörde NTSB und ein gemeinsamer Bericht internationaler Experten sowohl Boeing als auch die amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) massiv kritisiert: Boeing habe versucht, möglichst schnell eine neue Version der 737 auf den Markt zu bringen und dabei schwerwiegende Fehler begangen, die FAA habe die Aufsicht vernachlässigt.

Die Frage ist nun, ob der 55-jährige Muilenburg nun längerfristig als Vorstandschef weiterarbeiten darf, oder ob die Degradierung nur der erste Schritt war, ihn an der Spitze des Luftfahrtkonzerns ganz abzulösen. Schon lange wird in der Branche spekuliert, dass Muilenburg nur noch so lange seinen Job behalten darf, bis die 737 Max wieder fliegen darf. Würde Boeing früher einen Nachfolger berufen, bestünde die Gefahr, dass dieser selbst durch die Krise beschädigt würde. Wer für den Job in Frage käme, ist allerdings unklar. Vielleicht ist Calhoun selbst ein Kandidat - er war früher Leiter der Flugsparte von General Electric und ist damit im Verwaltungsrat derjenige mit der größten Erfahrung in der Branche.