Flugverkehr  Unglücksflieger belastet Tui

Der Reisekonzern leidet unter dem Ausfall der Boeing "737 MAX" und fürchtet einen Gewinnrückgang um bis zu 25 Prozent. Die Maschine darf wegen mehrerer Zwischenfälle und zwei Abstürzen nicht eingesetzt werden.

Von Angelika Slavik, Hannover

Der Reisekonzern Tui stellt sich auf Konsequenzen durch den Ausfall des Flugzeugmodells 737 Max ein. Der Flieger des Herstellers Boing darf nach zwei Abstürzen und mehreren Zwischenfällen derzeit nicht eingesetzt werden. Wenn im Laufe dieses Monats nicht sicher sei, dass die 737 Max bis Mitte Juli wieder fliegen dürfe, werde das Betriebsergebnis verglichen mit dem Vorjahr voraussichtlich um ein Viertel sinken, teilte der Konzern mit. Durch längere Verträge über Ersatzflugzeuge entstehe dann eine Belastung von 300 Millionen Euro. Schon jetzt werde es eine Einmalbelastung von 200 Millionen Euro geben, sagte der Konzernchef Fritz Joussen. Das drücke den Gewinn auf Jahressicht um 17 Prozent auf etwa 1,4 Milliarden Euro. Bisher sei nicht absehbar, wann die Flugzeuge wieder fliegen dürften.

Tui hatte insgesamt 72 Exemplare 737 Max bei Boeing bestellt. 15 davon waren schon im Einsatz, bis zum Sommer sollten acht weitere eingesetzt werden. Ende März 2019 hatte Joussen noch verkündet, am Auftrag grundsätzlich festhalten zu wollen. Jetzt ließ er die Frage nach einer Stornierung offen.

Insgesamt waren die Zahlen von Tui im ersten Halbjahr schwach - das lag vor allem an der gesunkenen Nachfrage nach Reisen nach Spanien. Die Preise dort waren in den vergangenen Jahren bei boomender Nachfrage stark gestiegen, da viele Urlauber die Türkei aus Sorge über Anschläge und politische Unruhen mieden. Jetzt kehrt sich der Trend um - Spanien werde vielen Verbrauchern zu teuer. Zudem sinken offenbar die Bedenken in Bezug auf Urlaub in der Türkei. Reisen dorthin bringen Tui allerdings weniger Rendite als jene nach Spanien, der Trend ist aus Sicht des Konzerns also ungünstig für die Bilanz. Auch der EU-Austritt Großbritanniens, der einen schwachen Pfund-Kurs zur Folge hat, wirkt sich ungünstig aus. Für die Zahlen des ersten Halbjahres ebenfalls schlecht: der Trend zu immer späteren Reisebuchungen.

Von Oktober bis März wird in der Branche fast immer Verlust erwirtschaftet, mit 300 Millionen Euro fiel der bei Tui aber diesmal besonders heftig aus. Im Jahr zuvor waren es noch 170 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz des weltweit führenden Reiseanbieters stieg um 1,7 Prozent auf 6,68 Milliarden Euro. Gewinn warfen nur die eigenen Hotels und Kreuzfahrten ab.