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Flugverkehr:Maskenpflicht auf engem Raum

Das Fliegen soll bald wieder möglich sein, ohne dass die Passagiere gesundheitlich Schaden nehmen. Was die Branche für den Neustart plant - und wovon sie lieber Abstand nimmt.

Es ist gerade einmal ein paar Tage her, da hat die Lufthansa ihren Flugplan noch einmal ausgedünnt. Von München aus gibt es ab 4. Mai nur noch sechs innerdeutsche Flüge täglich, sonst nichts. Von Frankfurt sind es immerhin 15 Langstreckenflüge pro Woche und noch 36 täglich zu den wichtigsten Zielen in Deutschland und Europa. Normalerweise ist das Programm in einer Stunde erledigt, aber in der Corona-Krise ist der Luftverkehr praktisch in sich zusammengebrochen.

Die Branche allerdings plant mittlerweile im Detail, wie der Neustart aussehen soll. Die International Air Transport Association (IATA) organisiert Video-Konferenzen mit den wichtigsten Behörden, um herauszufinden, wie die Anforderungen sein werden. Der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) arbeiten an einem Konzept, das Luftverkehr wieder möglich machen soll.

Sitzplätze freilassen? In wirtschaftlicher Hinsicht keine gute Idee, heißt es in der Branche

In Zeiten des Coronavirus heißt das vor allem: gesundheitlich unbedenklich. Daher erhebt die Branche die zentrale Forderung, das Tragen von Schutzmasken während des ganzen Fluges für die Passagiere zur Pflicht zu machen. Man soll sie wohl nur kurz abnehmen dürfen, um ein Schluck Wasser zu trinken oder, auf Langstreckenflügen, etwas zu essen. Hingegen will die Branche von der derzeit üblichen Praxis abrücken, Sitzplätze frei zu lassen, um den Abstand zwischen den Passagieren zu vergrößern. Auf diese Weise könne man die erwartete Menge von Passagieren nicht befördern, wenn die Nachfrage wieder anziehe, und wirtschaftlich sei es auch nicht, so heißt es.

Lufthansa lässt derzeit bei Flügen aus Deutschland heraus immer den Mittelsitz frei - angesichts der geringen Auslastung auf den wenigen noch bestehenden Verbindungen ist das auch kein größeres Problem. Nur auf den mittlerweile beendeten sogenannten Rückkehrerflügen wurden alle Sitze gefüllt, damit möglichst viele Passagiere auf möglichst wenigen Flügen transportiert werden konnten.

Die Branche betont in ihrem Papier, dass das Risiko, sich über die Kabinenluft anzustecken, gering sei. Partikelfilter würden sie von Staub, Viren, Bakterien und Pilzen reinigen, in der Regel wird die Kabinenluft alle zwei Minuten komplett ausgetauscht. Schon bei der Buchung müssen die Passagiere aber künftig bestätigen, dass sie gesund sind. Am Flughafen sollen sie, wie im Alltag auch, genügend Abstand halten - beim Einsteigen soll das Personal das überwachen. Neue Absperrungen an den Gates sollen ebenfalls installiert werden.

© SZ vom 21.04.2020

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