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Fluggesellschaften:Lufthansa prüft Einstieg bei TAP Portugal

Für Lufthansa ist es ein Dilemma: Einerseits kann es sich das Unternehmen nicht leisten, dass Konkurrenten weiter expandieren. Gleichzeitig ist TAP Portugal ein Sanierungsfall.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Lufthansa und United Airlines erwägen nach Informationen aus Unternehmenskreisen ernsthaft, die Fluggesellschaft TAP Portugal zu übernehmen. Die Verhandlungen mit den aktuellen Eigentümern des Star-Alliance-Mitglieds sind den Informationen zufolge noch nicht in der Endphase, daher könne sich das Verfahren noch ziehen. Lufthansa will den Vorgang nicht kommentieren.

An TAP Portugal sind derzeit der portugiesische Staat mit 50 Prozent sowie der amerikanische Airline-Unternehmen David Neeleman mit 45 Prozent beteiligt - den Mitarbeitern gehören fünf Prozent des Unternehmens. Neeleman, der unter anderem die Fluggesellschaften Jet Blue Airways (USA) und Azul (Brasilien) gegründet hat, ist mit seinem TAP-Investment nie glücklich geworden und möchte die Anteile so schnell wie möglich verkaufen. Auch der Staat hat bereits mehrfach vergeblich versucht, die Fluggesellschaft zu privatisieren.

Dass TAP jetzt auf den Markt kommt, bringt Lufthansa in ein Dilemma. Strategisch kann sie sich es kaum leisten, den Allianzpartner an die aggressiv expandierende Delta Air Lines zu verlieren, die gemeinsam mit Air France-KLM einsteigen könnte. Auf den Langstrecken zwischen Europa und Lateinamerika hat Lufthansas Star Alliance zuletzt deutlich verloren: Ihr einstiger Partner TAM Brasil fusionierte erst mit LAN Airlines und wechselte dann ins Oneworld-Lager von American und British Airways. Zuletzt stieg Air France-KLM-Teileigner Delta mit 20 Prozent auch bei Latam ein. Als Reaktion übernahm die British-Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) die spanische Fluglinie Air Europa, die ebenfalls ein dichtes Streckennetz über den Südatlantik betreibt. IAG kommt mit Air Europa auf einen Marktanteil von 26 Prozent, Air France-KLM und Latam halten 27 Prozent, Lufhansa und TAP kommen zusammen auf 17 Prozent, die Lufthansa-Gruppe alleine nur auf neun Prozent.

Das Dilemma aber besteht darin, dass TAP ein Sanierungsfall ist. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte die Fluggesellschaft bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro einen Netto-Verlust von knapp 100 Millionen Euro. TAP hat im Wesentlichen zwei Spezialitäten: Sie verbindet Portugal mit Europa, sieht sich dort aber starkem Wettbewerb durch die Billigfluggesellschaften ausgesetzt. Darüber hinaus ist sie sehr stark in Brasilien vertreten. TAP betreibt eine Flotte von 106 Maschinen, darunter 27 Langstreckenflugzeuge. Im Brasilien-Geschäft steht sie im Wettbewerb unter anderem mit der viel größeren Latam Airlines. Lufthansa hat mit dem Einstieg bei Fluggesellschaften vergleichbarer Größe wie Austrian und Brussels Airlines keine guten Erfahrungen gemacht: Beide haben es trotz der Zugehörigkeit zu einem großen Konzern nicht geschafft, dauerhaft profitabel zu fliegen. Allerdings könnte am Ende das strategische Argument gewinnen, denn mit Sorge betrachtet man in Frankfurt, wie etwa Delta und Qatar Airways immer mehr internationale Beteiligungen anhäufen.

© SZ vom 26.02.2020
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