Fluggesellschaft Wie das Ende von Alitalia deutsche Fluggäste treffen könnte

Die Fluggesellschaft Alitalia steht vor dem Aus. Ein neuer Rettungsplan scheiterte an der Zustimmung der Angestellten.

(Foto: AP)
  • Die italienische Fluggesellschaft Alitalia steht vor der Insolvenz. Die Mitarbeiter stimmten gegen einen Rettungsplan.
  • Ginge die Airline pleite, wären Tausende Flugverbindungen betroffen. Das könnte auch Probleme für deutsche Reisende bedeuten.
Von Jens Flottau

Der italienischen Fluggesellschaft Alitalia droht das Ende - und kommt es so weit, könnte das auch deutschen Fluggästen Ärger bereiten. In einem Referendum stimmte die Mehrheit der Mitarbeiter gegen einen Kompromiss zur Rettung der Fluglinie, die seit Jahren in der Krise steckt. Im Vorfeld hatte Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni gesagt, falls der Plan scheitere, könne Alitalia nicht überleben.

Geht Alitalia nun tatsächlich pleite, stünden für die Kunden mit direkten Buchungen die Chancen schlecht, ihr Geld zurückzuerhalten. Denn der Flugpreis ist immer bei der Buchung fällig, die liegt aber oft Wochen oder Monate vor dem eigentlichen Flug. Die Passagiere gehören damit im Fall einer Insolvenz zwar zur Gruppe der Gläubiger, doch erfahrungsgemäß ist das Geld weg und sie müssen sich auch um alternative Flüge kümmern und diese extra bezahlen. Denn anders als bei Pauschalreisen sind für reine Flugbuchungen keine Reisesicherungsscheine vorgeschrieben, die Kunden vor diesem Risiko schützen sollen.

Besonders kompliziert ist die Lage bei Gemeinschaftsflügen, dem sogenannten Code-Sharing. Alitalia kooperiert hier zum Beispiel mit der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin. Haben Passagiere einen Flug bei Air Berlin gebucht, der dann von Alitalia durchgeführt werden sollte, so haben sie Ansprüche gegenüber Air Berlin. In diesem Fall müsste Air Berlin den Flugpreis erstatten. Die eigenen Forderungen müsste das Unternehmen dann in einem möglichen Insolvenzverfahren gegenüber Alitalia geltend machen.

Auch strategisch wäre das Aus von Alitalia für Air Berlin schmerzhaft, denn die beiden Airlines waren gerade dabei, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen und das Angebot auf den Strecken zwischen Deutschland und Italien auszuweiten. Im April 2016 kündigten sie an, 1400 Gemeinschaftsflüge pro Woche auf 91 Strecken anbieten zu wollen. 750 wöchentliche Flüge sollten zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien durchgeführt werden. Zwischenzeitlich hat sich Air Berlin aber aus einigen Märkten zurückgezogen, so dass die tatsächliche Zahl der Flüge wohl deutlich geringer ist.

Airlines verschwinden nur selten ganz

Es kommt allerdings äußerst selten vor, dass eine große europäische Fluggesellschaft komplett vom Markt verschwindet. Meistens werden zumindest Teile von anderen übernommen. Falls aber doch, dann halten sich erfahrungsgemäß die Auswirkungen für die Passagiere längerfristig in engen Grenzen, denn die Konkurrenz versucht in der Regel schnell, die entstandenen Lücken zu füllen.

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Zuletzt war dies 2012 in Ungarn und Spanien zu beobachten. Damals gingen im Januar und Februar innerhalb weniger Wochen mit Malev und Spanair zwei Fluggesellschaften pleite und stellten den Betrieb ein. Die ungarische Regierung befürchtete damals, dass das Land vom Luftverkehr abgehängt werden würde. Doch schon nach kurzer Zeit hatte sich das Gegenteil als richtig erwiesen: Vor allem Billigfluggesellschaften wie Wizz Air und Ryanair nutzten die Gunst der Stunde und bauten ihr Angebot stark aus. Heute ist mit Wizz Air weiterhin eine ungarische Airline Marktführer in Budapest.

Die Konkurrenz lauert schon

Spanair verschwand vom Markt, nachdem Übernahmeverhandlungen mit Qatar Airways in letzter Sekunde gescheitert waren. Heute ist die Lücke an der Hauptbasis in Barcelona längst gefüllt: die Billigfluglinie Vueling hat dort ein enges Streckennetz aufgebaut, hinzu kommen immer neue Langstrecken unter anderem von Level, dem neuen Billig-Ableger der International Airlines Group (IAG).

Das mögliche Ende von Alitalia zu kompensieren dürfte angesichts der Größe der Flotte zwar eine Weile dauern. Doch Konkurrenten wie Ryanair, die in Italien schon ein enorm dichtes Flugnetz aufgebaut hat, warten nur darauf, ihre Kapazitäten zu erweitern.

Der Fall Alitalia verdeutlicht - genauso wie die Dauerkrise von Air Berlin -, dass das Europa-Engagement von Etihad Airways gescheitert ist. Etihad hatte 49 Prozent der Alitalia-Anteile übernommen und auf eine schnelle Sanierung sowie Wachstum gehofft. Das Gegenteil ist indes eingetreten. In Abu Dhabi haben die Milliardengräber Alitalia und Air Berlin bereits für einschneidende Veränderungen gesorgt: Etihad-Chef James Hogan hat seinen Abschied ankündigen müssen. Am Montag trat auch noch der für die Beteiligungen zuständige Manager Bruno Matheu zurück.

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