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Fleischproduktion in Deutschland:Umweltprobleme und Forderungen von Tierschützern

Welche Folgen hat Massentierhaltung für die Umwelt?

  • Hoher Wasserverbrauch: Ein Mastschwein verbraucht fast eine Million Liter Trinkwasser. Nicht, weil es so durstig ist, der Großteil wird dazu gebraucht, sein Futter anzubauen. Sollte der Fleischkonsum weiter so rasant wachsen, dann würde sich dem Worldwatch Institut zufolge der Wasserbedarf für Tierfutter bis zur Jahrhundertmitte verdoppeln.
  • Anbauflächen für Futter: Die Tiere werden meist mit Soja gefüttert, das zum größten Teil aus Südamerika importiert wird. Vor allem wegen des gestiegenen Fleischkonsums hat sich die Sojaproduktion seit 1960 verzehnfacht, drei Viertel davon sind gentechnisch verändert. Die Anbauflächen sind auf das Vierfache angestiegen, nach Angaben der Tropenwaldstiftung Oroverde mussten dafür allein in Brasilien bereits 21 Millionen Hektar Regenwald weichen.
  • Verschmutzung des Grundwassers mit Nitrat: Grundwasserproben zeigen, dass die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser von 50 Milligramm pro Liter besonders oft in Regionen mit hoher Viehdichte überschritten werden. 36 Prozent der Messstellen bundesweit wiesen deutlich bis stark erhöhte Nitratwerte auf. Nitrat gilt als krebserregend.
  • Wohin mit der Gülle? Große Betriebe haben meist Gülleüberschuss und nicht so viele Felder, auf denen sie diese ausbringen könnten. So entsteht häufig Überdüngung, große Mengen von Stickstoff lagern sich im Boden an und lassen Tier- und Pflanzenarten sterben, die an stickstoffärmere Umgebungen angepasst sind.
  • Klimawandel: Methan entsteht in den Mägen von Wiederkäuern und ist als Klimagas etwa 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Die Landwirtschaft ist aktuell mit mehr als 54 Prozent die größte Emissionsquelle für Methan in Deutschland, das ist fast ausschließlich auf die Rinderhaltung zurückzuführen.

Wer engagiert sich in Deutschland gegen Massentierhaltung?

Es gibt so viele Organisationen und Bürgerinitiativen, dass man schnell den Überblick verliert. Der Deutsche Tierschutzbund ist Dachverband von mehr als 700 örtlichen Tierschutzorganisationen und 16 Landesverbänden. Einen Überblick über die Verbände mit Suchfunktion nach Organisationen in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Viele Organisationen und Verbände gehören deutschlandweiten Netzwerken wie "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" oder "Allianz für Tiere in der Landwirtschaft" an, die insbesondere Massentierhaltung bekämpfen. Auch bei internationalen Tier- und Umweltschutzorganisationen wie Peta oder Greenpeace steht Massentierhaltung auf der Themenliste.

Bevor Sie einen Verein unterstützen, sollten Sie prüfen, ob er transparent macht, wofür er wie viel Spendengeld einsetzt. Ende 2013 hat die Stiftung Warentest 44 Organisationen geprüft - nur sechs von ihnen bescheinigte sie eine wirtschaftliche, transparente und solide organisierte Arbeitsweise.

Was könnte man ändern?

Die Forderungen der Tierschutzorganisationen ähneln sich: Die Haltungsbedingungen in der Landwirtschaft sollen tiergerecht werden. Angemessene Gruppengrößen, ausreichend Bewegungsmöglichkeiten und Tageslicht in den Ställen sind dabei zentrale Punkte. Ein gesetzliches Verbot von Eingriffen wie dem Schwanzkupieren fordert beispielsweise ProVieh. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist diesen Schritt kürzlich gegangen und setzte Ende Februar ein solches Verbot durch.

Bisher müssen Hersteller - außer bei Hühnereiern - nicht kennzeichnen, wie und unter welchen Bedingungen Fleisch oder Milch produziert wurden. Bei den Eiern zeigt dies jedoch Wirkung: Seit die Hersteller kennzeichnen müssen, wie die Legehennen gehalten wurden, gingen die Käufe von Eiern aus Käfighaltung stark zurück. Allein seit 2010 haben sie sich mehr als halbiert. Seit 2013 gibt es für Hühner- und Schweinefleisch eine freiwillige Kennzeichnung nach Richtlinien des Deutschen Tierschutzbunds.

Grundsätzlich kann auch ein bewussterer Konsum zur Verbesserung beitragen. Für ein halbes Kilogramm Hackfleisch muss man in Discountern kaum mehr als drei Euro hinblättern. Wer Fleisch zu solchen Preisen kaufen wolle, müsse sich darüber im Klaren sein, dass dieses nur in Massentierhaltung erzeugt werden konnte, schrieb ein Landwirt aus Baden-Württemberg an Süddeutsche.de.

Mehr zum Thema Fleischkonsum und Einkauf lesen Sie im Laufe dieser Woche und in diesem SZ-Ratgeber.

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