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Fleischindustrie:So viel Wurst essen die Deutschen

Von der Aalrauchmettwurst bis zur Zerbster Zwiebelwurst: Deutschland ist Wurstland. Fakten zum Konsum.

Von Nakissa Salavati

Zur Wurst, das weiß der Fleischer-Verband beinahe lyrisch auszudrücken, hat der Deutsche ein enges Verhältnis: "Es besteht eine starke emotionale Bindung der Bevölkerung in den Regionen zu ihren traditionellen Fleischerzeugnissen", heißt es im aktuellen Geschäftsbericht. Zu Recht, man denke nur an den identitätsstiftenden Schwarzwälder Schinken oder das Nürnberger Rostbratwürstchen. Aber vor allem hat der Durchschnittsdeutsche ein physisches Verhältnis zur Wurst: Er isst sie sehr gerne. Die wichtigsten Fakten zum deutschen Verzehr.

  • Etwa 2,4 Millionen Tonnen Fleischerzeugnisse, also etwa Schinken, Speck oder Wurst, wurden 2014 in Deutschland verbraucht, das sind pro Kopf 29,5 Kilogramm im Jahr und etwa 81 Gramm am Tag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bereits ein täglicher Verzehr von 50 Gramm das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent erhöht.
  • Zur Einordnung: Eine Wurst- oder Schinkenscheibe hat, je nach Sorte und Dicke, grob geschätzt 20 Gramm Gewicht. Durchschnittlich essen die Deutschen also mindestens vier Scheiben täglich.
  • Brühwürste machen laut Fleischer-Verband etwa ein Drittel aller Fleischerzeugnisse aus, die die Deutschen verzehren - diese Beliebtheit sei "einmalig in Europa", schreibt der Verband. Brühwürste sind etwa Lyoner, Schinkenwürste, Bierschinken oder Leberkäs. Auch Würstchen wie Wiener oder Bockwürste zählen dazu. Alle Zahlen zum Verzehr, wie sie etwa die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) oder auch der Fleischer-Verband verwenden, basieren auf Angaben der Verbraucher. Nach der Brühwurst ist die Rohwurst, also etwa Salami oder Mett, die zweitbeliebteste Sorte. Davon wurden aufs Jahr gerechnet pro Kopf 5,2 Kilo verspeist. Wann welche Wurst wie heißen darf und was sie dann enthält, listet das Bundeslandwirtschaftsministerium in Leitsätzen auf.
  • Die Deutschen essen etwa genauso viel Frischfleisch wie weiterverarbeitetes Fleisch: 2014 belief sich der Konsum insgesamt nach Berechnung der GfK auf 60,3 Kilogramm pro Kopf und geht tendenziell zurück. Der Fleischer-Verband schätzt, dass bis zu einem Drittel davon nicht verzehrt werden, sondern im Müll landen.
  • Frauen essen etwa halb so viel Fleisch und Fleischerzeugnisse wie Männer, hat das Max-Rubner-Institut herausgefunden. Schätzungsweise verzehren Männer auch doppelt so viel Wurst wie Frauen.
  • In Deutschland ist die Wurst ein Kulturgut: geschätzt 1500 unterschiedliche Sorten gibt es hierzulande. Ein Standardwerk der Fleischhersteller, "Die Fabrikation feiner Fleisch -und Wurstwaren" listet von der Aalrauchmettwurst bis zur Zerbster Zwiebelwurst die wichtigsten 500 regionalen Rezepturen auf - Spezialrezepte kleiner deutscher Ortschaften nicht eingeschlossen.
  • Die Hülle der Wurst ist in Deutschland meistens natürlich: Für mehr als die Hälfte werde Naturdarm verwendet, heißt es vom Zentralverband für Naturdarm in Hamburg. Alternativen sind Kunst- oder Textildärme.
  • Den Großteil, etwa 66 Prozent der Fleischerzeugnisse, kaufen die Deutschen abgepackt, berechnet der Fleischer-Verband auf Basis von GfK-Zahlen. An der Theke werden nur noch etwa 29 Prozent verkauft.
© SZ/hgn/dd

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