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Fleischatlas:Weniger Lust auf Fleisch

Vegetarische Alternativen zu Fleisch

Viele junge Menschen greifen mittlerweile lieber zum Veggieburger aus Fleischersatz als zum Rindfleisch-Burger.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Die 15- bis 29-Jährigen ernähren sich deutlich häufiger vegan oder vegetarisch. Dahinter steckt oft der Wunsch, Klima, Umwelt und Tiere zu schützen.

Von Silvia Liebrich

Immer mehr junge Menschen verzichten Klima und Tieren zuliebe auf Fleisch und andere tierische Produkte. Das zeigt eine repräsentative Umfrage in der neuen Ausgabe des Fleischatlas, der alle zwei Jahre von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der deutschen Ausgabe des Magazins Le Monde Diplomatique herausgegeben wird. Das gilt vor allem für die Generation der 15- bis 29-Jährigen: Hier ernähren sich lauft Umfrage 10,4 Prozent vegetarisch, 2,3 Prozent vegan. Zusammen verzichten damit knapp 13 Prozent dieser Generation auf Fleisch. Den Angaben zufolge sind das gut doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung. Vor zehn Jahren bekannten sich noch 4,3 Prozent dieser Altersgruppe zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung.

Die Umfrage zeigt laut ihren Machern auch einen klaren Zusammenhang zwischen politischen Einstellungen und dem, was auf den Tisch kommt. Die Bewegung "Fridays for Future" und ihr Umfeld seien zu einem wichtigen Treiber für einen pflanzlich dominierten Ernährungsstil geworden, sagt BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz. Rund ein Drittel derjenigen, die sich vegetarisch oder vegan ernährten, hätten erst im vergangenen Jahr auf fleischfrei umgestellt. "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass gerade junge Menschen bereit sind, ihr Verhalten zu ändern", sagt Wenz.

Bei den Veganern sehen sich laut Umfrage 75 Prozent als Teil der Klimaschutzbewegung, unter Vegetariern sind das fast 50 Prozent. Bei Fleischessern trifft dies nur auf 15 Prozent zu. Wer fleischlose Kost bevorzugt, engagiert sich zudem deutlich häufiger gegen Lebensmittelverschwendung und für Tierschutz und lehnt die Bedingungen in Schlachthöfen und Ställen ab. Für viele der Befragten sei das Thema Fleischkonsum ein stark politisches Thema, und keine private "Geschmacksfrage" mehr, sagt Wenz.

Gefragt wurden die Teilnehmer der Untersuchung auch danach, wie gut sie sich über den Zusammenhang von Fleisch und Klima informiert fühlen. "Junge Menschen fühlen sich über diesen Zusammenhang eher schlecht informiert", sagt Wenz. In der Schule werde das Thema offensichtlich kaum behandelt. "Das muss sich dringend ändern", fordert sie.

"Fleischkonsum ist keine Stadt-Land-Frage"

Die Daten zeigen auch, dass sich überwiegend Frauen - hier liegt der Anteil bei 70 Prozent - fleischfrei ernähren. Unterschiedliches Verhalten zwischen Stadt- und Landbewohnern wurde in den Befragungen dagegen nicht festgestellt. "Fleischkonsum ist keine Stadt-Land-Frage - und auch kein Ost-West- oder Nord-Süd-Thema", sagt die Agrarexpertin.

Der hohe Fleischkonsum in Industrieländern wie Deutschland oder den USA gilt als einer der wesentlichen Gründe für die voranschreitende Klimaerwärmung. Während der Konsum dort auf hohem Niveau verharrt, wächst zudem der Fleischhunger in China und anderen Ländern weiter kräftig, und es werden mehr Tiere gemästet. Laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) trug die Viehhaltung 2013 knapp 15 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. In Deutschland hat sich der Fleischverzehr in den vergangen 30 Jahren leicht verringert, um sieben Prozent - was an der wachsenden Zahl der Flexitarier liegen könnte, die zeitweise bewusst auf Fleisch verzichten. Ihr Anteil bei jungen Menschen liegt inzwischen bei etwa 25 Prozent.

Klimaexperten empfehlen, dass jeder Mensch im Schnitt nur bis zu 15 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr essen sollte. Derzeit verzehrt jeder Bundesbürger viermal so viel, also 60 Kilogramm. Auch aus Sicht von Ernährungswissenschaftlern ist das zu viel, sie empfehlen aus gesundheitlichen Gründen maximal halb so viel.

© SZ/vit
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