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Ernährung:Fleisch-Alternativen haben die bessere Ökobilanz

Pflanzliche Burger-Patties wie auf dem Bild schneiden in der Untersuchung deutlich besser ab als das Original aus Fleisch - und sie sehen dabei auch noch täuschend echt aus.

(Foto: Richard Drew/AP)

Eine Untersuchung vergleicht, wie sich pflanzliche Produkte und echtes Fleisch auf die Umwelt auswirken. Besonders schlecht schneidet Rindfleisch ab.

Von Frida Preuß

Die Ökobilanz eines Rinderhacksteaks ist bis zu 15-mal schlechter als die eines alternativen pflanzlichen Produkts aus Erbsen- oder Sojaprotein. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Wirtschaftsprüfers PwC im Auftrag der Schweizer Investmentgesellschaft Blue Horizon. Das junge Unternehmen ist an diversen Herstellern für Fleischersatz-Produkte beteiligt.

Die Autoren haben Rinder- und Schweinehackfleisch sowie Hähnchenbrust und Ei in Hinblick auf Emissionen, Flächennutzung und Wasserverbrauch jeweils mit mehreren pflanzlichen Alternativen verglichen. Alle untersuchten Ersatzprodukte stammen von Firmen, in die Blue Horizon investiert hat. Für die Bewertung der tierischen Erzeugnisse bezieht PwC sich auf verschiedene bereits bestehende Studien; Basis waren Daten aus den USA, Europa, China und Brasilien. Die Wirtschaftsprüfer erstellten für alle Produkte eine Ökobilanz und gaben der Umweltbelastung einen ökonomischen Wert. Das Ergebnis ist eindeutig: Fleisch und Eier schnitten deutlich schlechter ab als ihre Pendants auf Pflanzenbasis.

Beim Rindfleisch berechnete PwC die Kosten pro Kilogramm bei konventionell gezüchtetem Fleisch mit 7,26 Dollar, die untersuchte pflanzliche Alternative kam im Gegensatz auf nur 0,48 Dollar. Hauptgrund: Ein einziges Tier stößt im Laufe seines Lebens große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Methan aus. Zudem benötigt die Rinderzucht viel Platz. In Brasilien werden dafür unter anderem große Flächen des Amazonasgebietes abgeholzt - das fließt negativ in die Bilanz ein.

Den zweiten Platz in Sachen Umweltbelastung vergibt PwC an die Hähnchenbrust. Zwar ist Geflügel eigentlich etwas weniger umweltschädlich als Schweinefleisch, eine einzelne Hähnchenbrust jedoch verbraucht 5,5-mal so viele Ressourcen wie die pflanzliche Alternative, zeigt die Studie. Hackfleisch vom Schwein hingegen verursacht demnach eine 3,4-mal höhere Umweltbelastung als das entsprechende Ersatzprodukt. Selbst bei Eiern ist der ökologische Fußabdruck mehr als drei Mal so groß wie bei einem nachgeahmten Produkt auf Basis von Mungbohnen. Hinzu kommen große regionale Unterschiede: Ein chinesisches Ei hat eine mehr als doppelt so hohe Belastung wie ein Ei aus Europa, weil Landwirte dort bei der Hühnerhaltung mehr Emissionen verursachen und mehr Wasser verbrauchen. Da China den globalen Eier-Markt dominiert, fallen solche regionalen Unterschiede stark ins Gewicht.

Faktoren wie Biodiversität, Tierwohl und Belastungen durch Antibiotika fehlen

PwC attestiert vor allem der Bio-Landwirtschaft eine schlechte Umweltbilanz. Das ist allerdings vor allem auf eine längere Lebensdauer der Tiere und damit höhere Emissionen sowie auf einen größeren Bedarf an Fläche zurückzuführen. Auch hier ist die geografische Lage wichtig: Die konventionelle Schweinezucht in China hat eine 20 Prozent höhere Umweltbelastung als eine ökologische Haltung in Europa. Faktoren wie Biodiversität, Tierwohl und Belastungen durch Antibiotika beziehen die Studienautoren jedoch nicht ein.

Der weitaus größte Teil der veganen Burger, Würstchen und Steaks besteht bisher aus Sojaprotein. Björn Witte, Managing Partner bei Blue Horizon, sagt: "Soja ist gerade erst der Anfang, es wird jetzt nach und nach immer mehr Alternativen geben." In zehn Jahren halte er einen Marktanteil der Alternativprodukte von fünf bis zehn Prozent für realistisch. Weil der Fleischkonsum in Deutschland seit Jahren aber kaum zurückgeht, ist der Zukunftsforscher Tobias Jetzke von Institut für Innovation und Technik etwas zurückhaltender: "Pflanzliche Alternativen spielen zwar eine Rolle, im Vergleich zu Fleischprodukten jedoch bisher nur eine sehr kleine." Jetzke ist Co-Autor einer Fleischersatz-Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. In seinen Untersuchungen waren Sojaprodukte im Hinblick auf Treibhausgase sogar bis zu 27-mal umweltfreundlicher als ein vergleichbares Stück Fleisch.

© SZ
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