Autoindustrie:Elektroauto-Firma Fisker ist insolvent

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Der Ocean bleibt das einzige Modell der Autofirma Fisker. (Foto: imago images/Xinhua)

Es fand sich kein neuer Investor für das Start-up, die Produktion in Österreich stand bereits seit März still. Fisker ist der nächste gescheiterte Tesla-Konkurrent.

Von Christina Kunkel

Es ist die zweite große Pleite für Henrik Fisker: Erneut ist ein Start-up des früheren Autodesigners insolvent, diesmal trifft es die Firma, die seinen Nachnamen trägt. Seit Wochen gab es Gerüchte über das Aus für Fisker, am Montagabend beantragte das Unternehmen im Bundesstaat Delaware ein Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts.

Als großen Tesla-Herausforderer wollte Henrik Fisker seine Marke positionieren, warb besonders mit der Nachhaltigkeit seines elektrischen SUVs namens „Ocean“, den es seit vergangenem Jahr zu kaufen gab. Gefertigt wurde das Modell in Österreich bei Magna, doch es kam immer wieder zu Problemen. Fisker musste seine Produktionszahlen immer weiter nach unten korrigieren, im März stellte Magna die Produktion ganz ein. Die Bilanz war verheerend: Im vergangenen Jahr baute Fisker nur rund 10 200 Fahrzeuge und lieferte 4929 davon an die Kunden aus. Geplant war eigentlich das Vierfache. Auch für Magna war der Auftrag von Fisker ein Verlustgeschäft: In seiner Jahresbilanz wies der Zulieferer 316 Millionen Dollar an Restrukturierungskosten und Abschreibungen aus, die aus dem Fisker-Debakel resultierten. Hunderte Mitarbeiter bei Magna verloren ihren Job.

Doch die Produktion war nicht die einzige Baustelle bei Fisker. Auch die Software der Fahrzeuge verursachte immer wieder Probleme, ein bekannter US-Autotester sagte in einem Video, der Fisker Ocean sei das schlechteste Auto, das er je gefahren sei. Zudem hatte Fisker zunächst auf einen Direktvertrieb ohne Händler gesetzt. Das kam vor allem bei deutschen Kunden nicht gut an, die sich traditionell für Verkauf und Service einen Ansprechpartner in ihrer Nähe wünschen.

Weil die Einnahmen durch Autoverkäufe hinter den Erwartungen zurückblieben, ging dem Start-up Anfang des Jahres langsam das Geld aus. Ende Februar warnte Fisker, dass ohne frisches Geld die Existenz der Firma gefährdet sei. Die letzte Hoffnung waren Verhandlungen mit einem großen Autobauer, laut Insidern soll es sich um Nissan gehandelt haben. Doch im März scheiterten die Gespräche, der Aktienkurs fiel ins Bodenlose, die New Yorker Börse setzte den Handel mit den Fisker-Papieren aus. Die Insolvenz war spätestens von diesem Zeitpunkt an für viele Experten nur noch eine Frage der Zeit.

Der 60-jährige Henrik Fisker war bereits 2013 mit einem E-Auto-Start-up gescheitert, zuvor hatte er unter anderem bei BMW und Aston Martin als Autodesigner gearbeitet.

Damit reiht sich Fisker in die Riege erfolgloser E-Auto-Start-ups ein. In Deutschland erwischte es zuletzt Ego Mobile aus Aachen. 2015 gegründet vom Hochschulprofessor Günther Schuh, um günstige E-Autos in Deutschland zu bauen, ist die Firma nun zum zweiten Mal insolvent. Bei der ersten Pleite 2020 hatten noch private Investoren den Weiterbetrieb gesichert, doch jetzt scheint das Aus für die E-Autos aus Aachen endgültig zu sein. Immerhin hatte es Ego anders als viele Start-ups zumindest in die Serienproduktion geschafft. Projekte wie das Solar-Auto von Sono Motors scheiterten dagegen bereits, bevor das erste Serienfahrzeug gebaut wurde.

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Überhaupt sind die Zeiten für junge E-Auto-Unternehmen gerade schwierig. In Europa und den USA stockt die Nachfrage nach Elektroautos, in China kämpfen Dutzende Start-ups mit Dumpingpreisen um Marktanteile. Experten erwarten, dass auch dort viele Unternehmen in ein oder zwei Jahren nicht mehr existieren werden.

Auch Tesla machte zuletzt weniger Gewinn, doch anders als etwa die US-Konkurrenten Rivian oder Lucid ist das Unternehmen von Elon Musk immer noch profitabel. Rivian, an dem unter anderem Amazon beteiligt ist, machte allein in den vergangenen zwei Jahren pro Quartal zwischen 1,3 und 1,8 Milliarden US-Dollar Verlust. Doch anders als bei Fisker scheinen die Geldgeber den Glauben an den Erfolg des Unternehmens, das vor allem E-Pick-ups und Lieferwagen herstellt, noch nicht verloren zu haben.

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