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Firmenweihnachtsfeier:Digitale Gans

Mit Kollegen anstoßen zu Weihnachten - das wird dieses Jahr nichts.

(Foto: Alasdair Elmes/Unsplash)

Festessen, Ansprache und Spaß mit den Kollegen: Wie lässt sich während einer Pandemie die eigentlich schönste Zeit des Jahres feiern?

Von Felicitas Wilke, München

Die Gans bringen Max Jensen und sein Team jetzt nicht mehr in die Firma, sondern zu den Mitarbeitern ins Home-Office. Der Gründer betreibt in der Hauptstadt den Cateringservice "Berlin Cuisine", normalerweise beliefert er Unternehmen mit Essen und Trinken und stellt Personal, Tische und Stühle - nicht nur, aber auch in der Vorweihnachtszeit, wenn viele Betriebe ihre Belegschaft zur Weihnachtsfeier einladen. Doch in diesem Jahr ist alles anders, Jensen versendet jetzt "Christmas-Boxen". Je nach Budget der Firma bekommen die Beschäftigten mal gebrannte Mandeln nach Hause, mal eine Gans.

Keine Feier im Restaurant, kein gemeinsames Rotweintrinken: In diesem Jahr wird die Weihnachtsfeier vor allem eines: zwangsläufig diszipliniert. Einige Unternehmen versuchen deshalb, die vielleicht schönste berufliche Veranstaltung des Jahres ins Digitale zu retten.

Eine Firmenweihnachtsfeier ist mehr als ein Festtagsessen nebst Spätburgunder. Sie ist eine Festivität, um die sich Mythen ranken, mit ausgelassener Stimmung und tiefen, manchmal beschwipsten, Gesprächen. "Die Weihnachtsfeier ist eine Gelegenheit, um vom Arbeitgeber auch als Mensch gesehen zu werden, fernab der Funktion", sagt Hannah Schade, Psychologin am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund. Insbesondere dann, wenn die Feier mit einer Aktivität verknüpft wird, etwa auf der Bowlingbahn, erlebt man die Chefin oder den Kollegen möglicherweise ganz anders als sonst. "Lädt die Firma ein, und hält die Führungskraft eine kleine Ansprache, fühlt sich die Belegschaft bestenfalls auch noch wertgeschätzt und startet motiviert in ein produktives neues Jahr."

Mit dem Ausflug auf die Bowlingbahn wird es in diesem Jahr nichts. Bei Microsoft Deutschland fällt die Mottoparty aus, die der Techkonzern sonst jedes Jahr in München feiert. "Dass wir uns diesmal von dem Gedanken verabschieden müssen, war uns allerspätestens im Sommer klar", sagt Bianca Bauer. Sie verantwortet die interne Kommunikation bei Microsoft und damit auch das Fest zum Jahresende. Also plant sie bereits seit September eine etwas andere Weihnachtsfeier. Am 18. Dezember lädt der Konzern seine Beschäftigten zu einem virtuellen Weihnachtstag ein, mit einer kurzen Ansprache der Chefin, mit Yoga-Sessions, Backkursen und Spielen. Dazu kommen per Post weihnachtliche Snacks und Glühwein sowie 500 Euro steuerfreier Bonus aufs Konto. In virtuellen Räumen können sich die Mitarbeiter zum Plaudern treffen.

Auch andere Unternehmen denken in die Richtung, insbesondere Start-ups werden kreativ: Das Legaltech-Unternehmen Flightright lädt zum virtuellen Lockdown-Bingo und zum weihnachtlichen Kostümwettbewerb, bei der Plattform Beautyself wichtelt die Belegschaft auf Distanz, und beim Start-up Stickerstars versuchen die Mitarbeiter zu erraten, welcher Kollege auf vorher eingereichten Kinderfotos in jungen Jahren zu sehen ist.

"Eine gemeinsame Aktivität bei der Weihnachtsfeier lässt sich durchaus in den virtuellen Raum übertragen", sagt Psychologin Schade. Inzwischen bieten spezialisierte Anbieter beispielsweise Escape-Spiele an, bei denen die Kollegen in einem virtuellen Raum gefangen sind und gemeinsam Aufgaben lösen müssen, um zu entkommen. Teambuilding anno 2020.

Bei anderen Unternehmen ersetzen virtuelle Kochkurse und Wein- oder Käseverkostungen die klassische Weihnachtsfeier. Solche Events bietet auch Max Jensen von "Berlin Cuisine" an. "Es ist einfach unterhaltsam, dem Chef dabei zuzuschauen, wie er die Gans tranchiert", sagt Jensen. Und es tue gut, am Ende eines Jahres, das für viele Unternehmen und Mitarbeiter vor allem eins bedeutet hat: Stress. Ist da überhaupt jeder Firma nach Feiern zumute? "Ich merke schon, dass diejenigen Unternehmen mehr Geld ausgeben, die in der Krise besser weggekommen sind", sagt Jensen. Er verrät: "Die Software- und die E-Commerce-Branche lassen es krachen." Vor dem Bildschirm natürlich.

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