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Firmennamen:Friseure heißen "Haarem" und "Hairgott"

Ein neuer Name will gut überlegt sein. "Man hat nur einen Versuch, denn im laufenden Betrieb kann man den Namen nur schwer wieder ändern", sagt Kubens. Auf Gründer-Plattformen finden sich Tipps: Der Name sollte einfach zu merken und leicht auszusprechen sein, er sollte keine Abkürzung sein, er sollte signalisieren, worum es bei dem Geschäft geht, idealerweise lässt er Bilder im Kopf entstehen ("Meiers Schusterei").

Eine Branche, die schon länger besonders kreativ mit Namen umgeht, ist das Friseurhandwerk. Früher hießen die Läden noch "Friseursalon Ingrid Mittl" oder "Herrenfriseur Franz-Xaver Feicht". Doch auf einmal, etwa um die Jahrhundertwende, fing es mit Wortspielen wie "Hairgott", "Haireinspaziert" oder "Haarmonie" an. Inzwischen gibt es sie massenhaft.

Die Kreationen zeigen häufig aber auch, wie man es nicht machen sollte. Der Stuttgarter Linguist Fabian Bross hat im Selbstverlag ein Buch mit dem Titel "Friseurnamen from hell" herausgegeben. Es steckt voller negativer Beispiele. Manche Namen gehen um Haaresbreite am Zweck des Unternehmens vorbei ("Sahaara Concept", "HerzSchnittMacher,"), andere sind an den Haaren herbeigezogen ("Pasha's Haare'm", "HairCooles"), wieder andere einfach nur haarsträubend. So gibt es einen Friseur namens "Haarsalat & Hexenwerk". "Da hab ich das Gefühl, die machen mir meine Haare kaputt", sagt Bross. Ein anderes Beispiel für einen misslungenen Namen ist "Kaiserschnitt" - es lässt an eine blutige Geburt denken.

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Wenn Bross im Ausland ist, staunt er darüber, dass Friseure dort weiterhin "Peluqueria" oder "Coiffeur" heißen. "Offenbar sind skurrile Friseurnamen ein rein deutsches Phänomen", sagt er. In letzter Zeit beobachtet er aber, dass der Trend etwas zurückgeht. Dafür greift er auf andere Gewerbe über. Das Tattoo-Studio nennt sich "Haut Couture", der Lackierer "Good Lack", der Schuhladen "Schuh-verlässig".

Kreativität beim Namen findet Bross gut, doch von Wortspielen rät er Firmen generell ab. "Als Kunde möchte man sich bei einem Unternehmen aufgehoben fühlen", sagt er. Wenn es schon seinen Namen verballhorne, entstehe der Eindruck, dass es das eigene Geschäft nicht ernst nimmt. In Halle gibt es einen Haarsalon, der sich "wächst ja wieder" nennt.

Dass es auch anders geht, zeigt eine Friseurkette in Norddeutschland, die "Friseur Ohne Namen (FON.)" heißt. "Uns gibt es schon seit 1994", sagt Inhaber André Schereika. Man habe sich damals schwer getan, einen Namen zu finden. Auf die Idee sei man gekommen, weil Dokumente im Microsoft-Word-Programm, denen man keinen Namen gegeben hatte, automatisch "ohne Namen" hießen. Heute wirkt es wie ein ironischer Kommentar zur Invasion von Friseurnamen aus der Hölle.

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