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Finck kauft Recht an der Marke Degussa:Recycling der edlen Sorte

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Die Milliardärsfamilie Finck steigt in den Handel mit Gold ein: Sie hat den Namen des traditionsreichen Edelmetall-Händlers Degussa erworben und will das Geschäft wiederbeleben. Das hilft der Marke: Die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt hatte in den letzten Jahren ihren Glanz verloren.

Simone Boehringer

Geld zieht Geld an, heißt es. Das gilt offenbar auch für Gold. Inmitten der Münchner Innenstadt feiert gerade eine der traditionsreichsten Edelmetallmarken ihr Comeback: die 1873 gegründete Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, kurz Degussa.

Vor zehn Jahren waren die Edelmetallaktivitäten des ehemaligen Dax-Konzerns ausgegliedert und später dem belgischen Umicore-Konzern einverleibt worden. Statt Degussa stand seither meist Umicore oder ebender Name der größten Konkurrenz im Edelmetallgeschäft, Heraeus, auf den Gold- und Silberbarren im Handel. Der Name Degussa hat in den vergangenen Jahren nur mehr ganz fachfremd in dem neuen Spezialchemiekonglomerat Evonik Degussa weiter Verwendung gefunden.

Die Milliardärsfamilie von Finck sicherte sich den alten Markennamen und will damit nun das ursprüngliche Goldhandelsgeschäft wiederbeleben. Dazu kaufte eine der familieneigenen Anlagegesellschaften Evonik die Nutzungsrechte der alten Marke in Verbindung mit dem Edelmetallgeschäft ab. Unter dem Namen Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH firmiert das neue Unternehmen nun im Handelsregister.

Es gehört zum Beteiligungskonglomerat des in der Schweiz lebenden 81-jährigen August von Finck junior, der selbst als großer Goldfan gilt und dem Vernehmen nach einen nennenswerten Teil seines Vermögens auch heute noch in Edelmetallen hält. Zu Fincks Firmenbeteiligungen gehören unter anderem die Marke Mövenpick und die Schweizer Maschinenbaufirma von Roll sowie die gleichnamige Privatbank.

"Wir möchten Degussa neben Heraeus und Umicore als dritte Barrenmarke am Markt etablieren", erklärt der neue Degussa-Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach im Gespräch mit der SZ. Der 47-jährige Edelmetall-Experte weiß, dass diese Aufgabe nicht trivial ist, war er doch bis vor kurzem selbst im Goldhandel des Hanauer Heraeus-Konzerns tätig. Davor war er lange Jahre Chef des Edelmetallhandels bei der Dresdner Bank gewesen.

Vor allem die Anleger dürften profitieren

Doch die Voraussetzungen sind nicht die schlechtesten: Zum einen dürfte die Gold-Hausse nach der jüngsten Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise um Italien wieder an Fahrt gewinnen. Zuletzt kostete die Feinunze (31,1 Gramm) Gold 1770 Dollar. Zum anderen ist Degussa so reich mit Kapital ausgestattet wie wohl kein anderes bankenunabhängiges Goldhandelshaus im Land. Zehn Millionen Eigenkapital stehen Geschäftsführer Wrzesniok-Roßbach nach eigenen Angaben zur Verfügung, um aus einer bekannten Marke mit allerdings bislang einer Filiale Größeres zu schaffen.

Den für die meist auf Diskretion bedachte private Kundschaft wichtigen Online-Handel will der Degussa-Goldhandel-Chef unbedingt noch in diesem Jahr starten. Verkaufsstellen in Frankfurt und anderen großen deutschen Städten sollen 2012 folgen.

"Der Markt hat Kapazität für mehrere Spieler"

Gerüchten, wonach die neue Degussa sich zum Einstand auch mit einem Teil der Edelmetallbestände der goldaffinen Fincks eindecken durfte, erteilt Wrzesniok-Roßbach eine Absage: "Unsere Barren werden bei der Firma Valcambi in der Schweiz hergestellt." Aus Fincks Beständen habe das neue Handelshaus "definitiv nichts übernommen", genauso wenig wie aus den beträchtlichen Vermögenswerten der Finck'schen Familienholding Custodia. Laut Geschäftsbericht 2010 hatte der Vermögensverwalter 2010 einen Feingoldbestand im Wert von knapp 170 Millionen Euro gewinnbringend verkauft. Und die Sonne/Mond Goldhandel GmbH gehört der Custodia-Schwestergesellschaft Substantia.

Die Fincks hatten bislang offensichtlich ein gutes Händchen mit ihren Edelmetallinvestments: Der Buchwert der Goldbestände hatte vor der Veräußerung in der Custodia-Bilanz gerade einmal 86 Millionen Euro ausgemacht, also die Hälfte des Verkaufserlöses.

Goldanleger dürften auf jeden Fall profitieren vom neuen Spieler am Edelmetallmarkt. Allein in München ist neben im Edelmetallhandel aktiven Großbanken wie der Hypo-Vereinsbank oder auch der Sparkasse zusätzlich der bislang führende bankenunabhängige Händler Pro Aurum ansässig. Aus einer anfangs kleinen Handelsstube in einer ehemaligen Bankfiliale mit einem halben Dutzend Mitarbeitern ist Pro Aurum binnen weniger Jahre zu einem beachteten mittelständischen Unternehmen gereift - inzwischen situiert in einem riesigen stilisierten Goldbarren aus Beton und Metall.

Einen Margenkampf will sich Degussa-Mann Wrzesniok mit den Rivalen aber nicht liefern. "Der Markt hat Kapazität für mehrere Spieler", sagt er überzeugt. Auch bei Pro Aurum gibt man sich noch gelassen: "Konkurrenz belebt das Geschäft, und in dem hat es noch Platz", meinte Geschäftsführer Mirko Schmidt kürzlich auf der Münchner Edelmetallmesse.

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Quelle:
SZ vom 12.11.2011/aper
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