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Finanzplatz Frankfurt:Brexit-Vorbereitung: Goldman Sachs eröffnet die Jagd auf Frankfurter Büros

MesseTurm, Germany's Second-Tallest Tower And Location Of Goldman Sachs Group Inc.'s Germany Headquarters

Mit Goldman Sachs verliert der 1991 erbaute Frankfurter Messeturm (Spitzname: „Bleistift“) einen der wichtigsten Mieter.

(Foto: Ralph Orlowski/Bloomberg)
  • Goldman Sachs will 2019 in Frankfurt in den neuen Marienturm einziehen und hat dort Platz für etwa 700 Mitarbeiter angemietet. Bislang arbeiteten 200 Banker für Goldman Sachs in Frankfurt.
  • Schon vor Wochen kündigte die Investmentbank an, die Mitarbeiterzahl am Main nach dem Brexit verdrei- oder gar vervierfachen zu wollen.
  • Auch andere Banken suchen nach neuen Büroflächen - und lassen schon jetzt die Frankfurter Mieten steigen.

Es ist eine der großen Wetten in der Stadt Frankfurt: Wie viele Banker werden nach der Brexit-Entscheidungen der Briten wirklich von der Themse an den Main umziehen? Die Standortinitiative Frankfurt Main Finance rechnet mit 10 000 zusätzlichen Bankern über die nächsten fünf Jahre; die Frankfurt School of Finance kalkuliert gar mit 20 000 Jobs; Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hingegen meint, der Zuzug werde bestenfalls den Stellenabbau der Geldhäuser ausgleichen. "Was die Banker angeht, wird es eher tröpfeln", sagte er unlängst. Die Zahlen aus den Studien? "Frei erfunden".

Ganz so absurd scheinen die Schätzungen indes nicht. Eine Entscheidung der US-Investmentbank Goldman Sachs jedenfalls lässt nun erahnen, dass die Prognosen womöglich doch in die richtige Richtung gehen. Als eine der ersten großen Auslandsbanken hat sich Goldman nun festgelegt und einen neuen Mietvertrag für deutlich größere Büroflächen abgeschlossen.

Goldman könnte die Mitarbeiterzahl in Frankfurt verdreifachen

Die Bank zieht vom Messeturm, wo sie bisher etwa 200 Banker beschäftigt, in den neuen Marienturm, der 2019 bezugsfertig sein soll und direkt gegenüber der Deutsche-Bank-Zentrale liegt. In den oberen acht Stockwerken des 155 Meter hohen Turms mietet Goldman rund 10 000 Quadratmeter, wo etwa 700 Banker Platz finden. "Auf Wachstumskurs in Deutschland: Wir freuen uns auf unsere neuen Büros im Marienturm ab Mitte 2019", vermeldete Goldman am Donnerstag per Twitter.

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Wie viele der 6000 Goldman-Sachs-Mitarbeiter tatsächlich von London nach Frankfurt umziehen, mag noch völlig offen sein. Deutschland-Chef Wolfgang Fink hatte im September aber in Aussicht gestellt, das Geldhaus könne die Mitarbeiterzahl in Deutschland verdrei- oder sogar vervierfachen. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU dürfen Banken viele Geschäfte nicht mehr aus London heraus anbieten. Deshalb wird seit Monaten debattiert, in welche EU-Städte die Jobs abwandern. Auch Dublin, Amsterdam oder Paris werben eifrig um die Brexit-Banker.

Blieb der Frankfurter Büro-Immobilienmarkt bislang nach Aussage von Maklern jedoch noch unberührt von konkreten Brexit-Auswirkungen, scheint sich das nun schlagartig zu ändern. Anfang Mai preschte die britische Großbank Standard Chartered vor, die ihre Europa-Zentrale in der hessischen Bankenstadt ansiedeln will. Die Deutsche Bank wiederum ließ durchblicken, dass sie wohl mehrere Tausend Stellen von der Themse an den Main verlegen werde. Dann folgten die japanische Investmentbank Nomura und der japanische Wertpapierhändler Daiwa Securities sowie Sumitomo Mitsui Financial Group, Japans zweitgrößte Bank, die sich für Frankfurt als ihren Standort in der EU entschieden hatten. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Sumitomo Mitsui inzwischen ebenfalls einen Mietvertrag für Büroräume abgeschlossen, und zwar für rund hundert Mitarbeiter im Main Tower, dem Sitz der Hessischen Landesbank (Helaba).

Gut möglich, dass nun eine Art Rennen um die besten Flächen entsteht. Zwar stehen in Frankfurt nach wie vor rund zehn Prozent der verfügbaren Büroflächen leer. Die Quote sinkt jedoch beständig; entsprechend steigen Mieten und Kaufpreise. "Vor allem in der Mainmetropole haben die Preise noch einmal spürbar zugelegt", heißt es im jüngsten Marktbericht von BNP Paribas Real Estate. Die Tatsache, dass Frankfurt bei der Flächennachfrage wohl vom Brexit profitieren werde, mache Investitionen in den Büromarkt noch interessanter.

Nicht alles klappt: Die Chancen Frankfurts auf die Bankenaufsicht EBA sind zuletzt gesunken

Das gilt freilich auch für den Wohnungsmarkt. Schließlich ziehen - auch ohne die Brexit-Banker - pro Jahr im Schnitt etwa 15 000 Menschen nach Frankfurt. Laut dem Immobiliendienstleisters Jones Lang La Salle stiegen allein im ersten Halbjahr 2017 die Angebotsmieten in Frankfurt auf Jahressicht um 3,2 Prozent auf 13,70 Euro je Quadratmeter. Weil aber viele Brexit-Banker wohl zunächst pendeln werden, wird sich die Nachfrage aus der Finanzbranche sicherlich nicht überall gleich auswirken. Gefragt sein dürften kleine Wohnungen und möblierte Apartments.

Zumindest viele Frankfurter Mieter werden daher ohnehin nicht ganz so traurig sein, sollte es der Stadt misslingen, nun auch noch die Europäischen Bankenaufsicht EBA mit ihren etwa 190 Mitarbeitern an den Main zu ziehen. Wie am Wochenende aus einer Auswertung der EU-Kommission hervorging, weist die Bewerbung Frankfurts Schwächen auf im Vergleich zu den sieben weiteren Städten, die sich um die Behörde bemühen. So hatten mehrere Länder angeboten, die Standortmiete ganz oder zum Teil selbst zu tragen - die hessische Bankenmetropole aber nicht.

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