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Euro-Krise:"Isoliert" - Spekulant Soros wettert gegen Deutschland

Starker Tobak von Milliardär Soros: Deutschland treibe seine Nachbarn in die Armut, ein Crash des Euro sei möglich. Sein Rat: Die Deutschen sollten raus aus dem Währungsverbund.

Im September 1992 sagte er: "Thank you, no British pound, please."

George  Soros, Chairman of Soros Fund Management, listens during a Future of Finance Initiative conference in Horsham, southern England

Der US-Investor George Soros sieht in der deutschen Politik eine Gefahr für Europa. Man könne einen Kollaps des Euro nicht ausschließen, sagte er in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

(Foto: Reuters)

Im Juni 1993 hieß es von ihm: "Down with the D-Mark."

Und nun verkündet George Soros: "Der Kollaps des Euro ist möglich."

Das Wort des amerikanischen Investors hat Gewicht, schließlich gilt er als erfolgreicher Spekulant, der schon mehrfach gegen Währungen gewettet hat. Der 79-Jährige war 2008 der am besten bezahlte Hedgefonds-Manager der Welt, und seine Firma Soros Fund Management verwaltet Vermögen von 24 Milliarden Dollar.

Nun hat sich Soros, dieser Teufelskerl des Kapitalismus, der sich auch als Philantrop betätigt und die politische Rechte hasst, die bundesdeutsche Regierung als Objekt seiner Kritik ausgesucht. "Deutschland ist weltweit isoliert", erklärt der Investor in der Zeit: "Aufgrund seiner Geschichte fürchtet es sich mehr vor der Inflation als vor einer Rezession. Im Rest der Welt ist das genau umgekehrt."

Und weiter geht es mit dem Verriss: Die deutsche Politik sei "eine Gefahr für Europa, sie könnte das europäische Projekt zerstören". Im Moment, so Ankläger Soros, treibe die deutsche Politik die Nachbarn in eine Deflation: Löhne und Preise gingen herunter, es drohe eine "lange Phase der Stagnation" und anschließend Nationalismus, soziale Unruhen und Fremdenfeindlichkeit.

George Soros reiht sich ein in die Phalanx der Mahner aus Übersee. Erst jüngst hatte der bekannteste US-Ökonom, der Nobelpreisträger Paul Krugman, gegen die Konsolidierungspolitik der Regierungschefin Angela Merkel gewettert. In diplomatischeren Worten trug auch US-Präsident Barack Obama eine solche Warnung vor.

Aus Sicht der linksliberalen amerikanischen Ökonomen verschärft Merkel die Krise, weil Wachstum abgewürgt werde. Und sie kritisieren die starke Stellung der deutschen Exportwirtschaft, die aus ihrer Perspektive andere Volkswirtschaften bedrohe.

Der Mann, der in Budapest als Dzjchdzhe Shorash beziehungsweise György Schwartz geboren wurde und später in London bei Karl Popper studierte, empfiehlt sogar einen Austritt der Deutschen aus dem Europäischen Währungsverbund - einen Gedanken, den der Unctad-Volkswirt Heiner Flassbeck vor Wochen auf sueddeutsche.de geäußert hat. Das wäre, so Soros, "hilfreich für den Rest Europas", da der Euro-Kurs fallen und die D-Mark aufgewertet werden würde. Dann erst könnten die anderen richtig zulegen.

Ansonsten ist der Top-Spekulant für eine Steuer auf Finanztransaktionen ("sollte man ernsthaft prüfen"), eine Bankenabgabe ("haben eine Menge Schaden angerichtet, warum sollten andere dafür zahlen") und für eine strengere Politik der Notenbanken gegenüber den Geldinstituten. Sie müssten "Blasen an den Finanzmärkten bekämpfen", hätten das aber unterlassen, "weil sie fälschlicherweise an die Effizienz der Märkte glaubten", erklärt der Autor mehrer Bücher.

Soros, der freie Radikale, hat es da einfacher. Er wollte nach eigener Aussage immer nur gut Geld verdienen. Mit dieser Richtschnur kam er gut durchs Leben. Sein Vermögen schätzt Forbes auf gut neun Milliarden Dollar.

Der Euro-Kritiker weiß aber auch: "Ich komme von einem Hedgefonds, und meine Zunft ist ja fast so schlimm wie der Teufel."

Europa und die Finanznot

Spar! Dich! Reich!