Finanzmarkt Das Brexit-Beben nimmt kein Ende

  • Sowohl das Pfund als auch die europäischen Aktienmärkte stehen nach dem Brexit weiter unter Druck.
  • Standard & Poor's und Fitch stufen die Kreditwürdigkeit Großbritanniens herunter.
  • Die Unternehmen warten auf politische Entscheidungen. Ein Viertel der britischen Unternehmen denkt an einen Einstellungsstopp.
Von Jan Schmidbauer

Als am Freitagmorgen klar war, dass die Mehrheit der Briten die Europäische Union verlassen will, ahnten viele Händler bereits, dass es auch an den Finanzmärkten ein hässlicher Tag werden würde. So kam es dann auch. Der Dax etwa verlor zeitweise zehn Prozent.

Und die Entwicklung setzte sich am Montag, dem zweiten Handelstag nach dem Brexit-Votum, fort. Das britische Pfund, das bereits am Freitag im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Kurs seit 31 Jahren abgerutscht war, gab nochmals nach. Die britische Währung notierte zeitweise mit 1,322 Dollar. Auch im Verhältnis zum Euro verlor die britische Währung weiter an Wert: Ein Pfund kostet mittlerweile weniger als 1,20 Euro - das wiederum ist der tiefste Stand seit der Finanzkrise.

Der britische Finanzminister George Osborne versuchte am Montagmorgen, die Märkte zu beruhigen. Er kündigte zwar an, dass nach dem Brexit-Votum weiterhin mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten zu rechnen sei. Sein Land könne die schwierige Herausforderung aber meistern. "Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt", erklärte er. Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertigzuwerden.

Am Abend dann die Meldung, dass die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch die Kreditwürdigkeit Großbritanniens auf AA herabstufen. Damit ist das Land aus Sicht der Experten nicht mehr in der allerhöchsten Kategorie besonders verlässlicher Schuldner.

Viele Unternehmen wollen erst mal kein Personal mehr einstellen

Die Verunsicherung ist groß nach dem Brexit-Votum. Und zwar nicht nur in Großbritannien. Auch an der deutschen Börse gab es am Montag weitere Verluste: Der Dax gab bis zum Mittag fast zwei Prozent nach. Zu den größten Verlieren gehörten Unternehmen der Automobilbranche, Luftfahrt sowie Banken und Versicherungen. Besonders heftig erwischte es die Deutsche Bank. Das Geldhaus steckt ohnehin in der Krise. Und das Brexit-Votum verschlimmert sie noch. Die Aktie rutschte auf einen Wert von zeitweise 12,07 Euro ab - es ist der niedrigste Kurs seit es den Dax gibt, also seit Ende der achtziger Jahre. Die Papiere von Deutschlands größter Airline Lufthansa verloren fast sechs Prozent an Wert. Deutlich schlimmer sah es bei der britischen Airline Easyjet aus, deren Aktien zeitweise 20 Prozent im Minus lagen. Schon am Freitag waren sie um rund 20 Prozent abgestürzt.

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Manche Anleger reagierten, indem sie ihr Geld in Gold investierten. Die "Krisen-Währung" verteuerte sich um mehr als ein Prozent auf 1335 Dollar je Feinunze. "Das Hin und Her zwischen London und Brüssel nach dem Votum schürt zusätzlich die schon hohe Unsicherheit", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. "Den Finanzmärkten steht damit eine Zeit der Unsicherheit und Anpassung bevor."

Noch ist unklar, wann Großbritannien die Europäische Union um einen Austritt bittet und wie in diesem Falle der Zeitplan aussähe. Das erschwert Unternehmen die Planung: Ein Viertel der Firmen, so eine Umfrage, denkt bereits an einen Einstellungsstopp. Manche wollen wegen des Brexit sogar Stellen streichen, wie aus einer Befragung von 1000 Unternehmen hervorgeht.

Gerade im Bankensektor drohen zudem etliche Jobs in Großbritannien wegzufallen. Die HSBC will nach Angaben der BBC 1000 Stellen von London nach Paris verlagern. Auch die US-Bank Morgan Stanley will Jobs abziehen. Bis zu 2000 Mitarbeiter der Bank könnten künftig in Frankfurt oder Dublin statt in London arbeiten.

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