MeinungBörsenIran-Krieg? Interessiert an der Börse niemanden mehr

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Kommentar von Markus Zydra, Frankfurt

Lesezeit: 2 Min.

US President Donald Trump is seen on a TV screen below a display showing the German Stock Market Index DAX at the stock exchange in Frankfurt, Germany, on April 3, 2025. (Photo by Daniel ROLAND / AFP)
US President Donald Trump is seen on a TV screen below a display showing the German Stock Market Index DAX at the stock exchange in Frankfurt, Germany, on April 3, 2025. (Photo by Daniel ROLAND / AFP) DANIEL ROLAND/AFP

Der Konflikt zwischen Iran und den USA flammt wieder auf, doch die Finanzmärkte bleiben cool. Sie halten US-Präsident Donald Trump für einen Maulhelden.

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Übertriebene Angst und überbordende Euphorie gehören zu den markantesten Charakterzügen des internationalen Börsengeschäfts. Doch derzeit strahlen Investoren und Spekulanten eine bemerkenswerte Ruhe und Gelassenheit aus. Dabei ist der Iran-Krieg wieder aufgeflammt, US-Präsident Donald Trump hat die Vereinbarungen für nichtig erklärt, es fallen wieder Bomben auf beiden Seiten. Doch das militärische Scharmützel scheint an den Finanzmärkten keinen großen Geist zu stören.

Finanzmärkte rechnen mit Frieden

Die Aktienmärkte verzeichneten nach den Attacken zwar ein kleines Minus, doch inzwischen geht es wieder aufwärts, die Höchststände in Reichweite. Der Preis von Gold, dem klassischen Krisen-Investment, zeigte kaum einen Ausschlag nach oben. Brent-Rohöl notiert stabil unter 80 Dollar je Barrel und auch die Staatsanleihemärkte wirken weitgehend unbeeindruckt. Das weltweite Kapital setzt darauf, dass es eine Art Frieden im Golf geben wird, und die Straße von Hormus alsbald für den Schiffsverkehr wieder problemlos passierbar ist. Woher rührt dieser Optimismus?

Zum einen weiß man nach anderthalb Jahren Trump-Präsidentschaft, dass aggressive Ansagen aus dem Weißen Haus oft nicht viel mehr sind als das, was Börsianer als „Noise“ bezeichnen: viel Lärm um nichts. Die Finanzmärkte üben sich inzwischen in der hohen Kunst der Wut-Exegese: Sie entscheiden binnen Sekunden, ob Trumps Schimpftirade eine ernste Krise auslöst oder ob es sich nur um Gerede handelt. Diese Wetten können schiefgehen, aber die jüngsten Entwicklungen machen Hoffnung, dass selbst die mächtigen USA nicht mehr machen können, was sie wollen. Im Zoll-Konflikt mit China zog Trump den Kürzeren, ebenso im Krieg gegen Iran, auch wenn es der US-Präsident anders verkauft. Endlich ist auch Europa aufgewacht. Die De-Amerikanisierung ist angelaufen, EU-Staaten werden künftig stärker auf eigene Waffensysteme, Cloud-Lösungen und eine europäische Finanzarchitektur setzen.

Börsen und Wirtschaft verkraften Krisen besser als gedacht

Zum anderen ist die Weltwirtschaft widerstandsfähiger als gedacht. Die Corona-Pandemie 2020, Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022, die Strafzölle von Trump 2025 und zuletzt der Iran-Krieg hatten die Welt in einen Daueralarmzustand versetzt. Überall die verzagte Frage: Welche Katastrophe kommt als Nächstes? Doch inzwischen darf man hoffen, dass die Weltwirtschaft resilient genug ist, um mit dem neuen Primat der internationalen Machtpolitik umzugehen. Seit 2022 gab es keine großen Schwankungen des globalen Wirtschaftswachstums, angesichts der vielen Konflikte ist das bemerkenswert.

Auch der Iran-Konflikt hatte zunächst große Sorge ausgelöst: Experten befürchteten eine massive Inflationswelle und sogar eine globale Rezession, da aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus praktisch über Nacht rund 25 Prozent des weltweiten Ölangebots ausfielen. Die große Krise blieb aus, auch aufgrund der historisch hohen Rohöllagerbestände. Zudem halfen Landrouten, einen Teil der Ölausfälle zu kompensieren, vor allem durch bestehende Pipelines. Auch viele Unternehmen, so scheint es, hatten bereits genug Resilienz aufgebaut. Sie konnten auf Reserven zurückgreifen, zudem haben Firmen, soweit es ging, ihre Zulieferketten diversifiziert.

Maulheld Trump wird durchschaut

Natürlich könnte die Lage zwischen den USA und Iran auch wieder eskalieren, mit entsprechenden Preiseinbrüchen an den Börsen. Die Weltpolitik bestimmt das Schicksal der Finanzmärkte stärker als früher. Vor allem die USA und China nutzen ihre wirtschaftliche Macht als Knebel, um in anderen Weltregionen politische Interessen durchzusetzen, das ist das Gesetz der Geo-Ökonomie. Die Börsen gewöhnen sich an die neuen Spielregeln, und sie wissen, dass weder China noch die USA Interesse an einer Wirtschaftskrise haben. Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman meint, die Europäer würden Trump mittlerweile als „senilen Onkel“ sehen, von dem niemand etwas anderes erwarte als „chaotisches Großmaulgetue“, das zunehmend bedeutungsloser werde. Das stimmt und ist eine gute Nachricht: Auch die Börsen haben einen Riecher für Aufschneider.

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