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Finanzkrise und die Folgen:US-Banken hängen Europas Geldhäuser ab

Goldman Sachs Said To Get Subpoena From New York Prosecutor

New York, New York: An der Wall Street sind viele Banken wieder viel Geld wert. Ganz anders in Europa, wo Kredithäuser noch große Probleme haben.

(Foto: Scott Eells/Bloomberg)

Nach fünf Jahren Finanzkrise stehen die Gewinner fest: US-Institute verdienen wieder kräftig und haben die besseren Zukunftsaussichten. Die europäischen Banken dagegen kommen kaum aus den roten Zahlen heraus. Dies hat einen einfachen Grund: In den USA wurde einfach schneller aufgeräumt.

Nach fünf Jahren Finanzkrise zeigt sich, wer die Verlierer unter den Banken sind: die europäischen Institute. Während die US-Banken wieder prächtig verdienen und ihre Börsenkapitalisierung steigt, sind die europäischen Geldhäuser weit abgehängt: Sie kommen kaum aus den roten Zahlen heraus, und die Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig.

Der Grundstein für die unterschiedliche Entwicklung wurde schon früh gelegt: Die USA haben in der Finanzkrise schneller und beherzter aufgeräumt. Banken, die kein tragfähiges Geschäftsmodell hatten, wurden abgewickelt - in Europa schleppte man sie mit Staatshilfen durch. Und jene Banken, die überlebten, haben ihre Bilanzen früh gereinigt.

Ganz deutlich wird das, wenn man die Wertberichtigungen in den ersten drei Jahren vergleicht: Von 2007 bis 2010 haben die US-Banken mehr als eine Billion US-Dollar abgeschrieben, die Europäer weniger als die Hälfte davon. "Die amerikanischen Banken haben früh und aggressiv Kreditvorsorge gebildet, teils aus eigenem Antrieb, teils sicher auch, weil sie die Aufsicht dazu gedrängt hat", sagt Jan Schildbach, Bankenexperte bei DB research.

"In Europa waren die Banken zunächst zögerlicher bei den Wertberichtigungen, später kam die Schuldenkrise hinzu. Zu dem Zeitpunkt waren manche Banken dann schon so schwach, dass sie sich gar nicht in der Lage sahen, ihre Kredite besonders konservativ zu bewerten und vorsorglich Rückstellungen zu bilden. Teilweise hat man dann auf eine Besserung der Lage gehofft."

"Im Ausland extrem schlecht angelegt"

Marcel Fratzscher, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW, glaubt, dass die europäischen Banken im Vorfeld der Krise Fehler gemacht haben: "Viele deutsche Banken haben ihr Geld in den letzten zehn bis 15 Jahren im Ausland extrem schlecht angelegt, das hat sich in der Krise durch hohe Verluste gezeigt. Die amerikanischen Banken waren da erfolgreicher." Die Banken sollten sich deswegen künftig auf Geschäfte beschränken, in denen sie kompetent seien - auch wenn das vielleicht nicht immer so aufregend sei.

Für Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim, ist die unterschiedliche Entwicklung kein Alarmzeichen. "Hohe Bankengewinne sind kein Zeichen für Effizienz, sondern für wenig Wettbewerb." In den USA sei das Bankgeschäft hoch konzentriert, für den Kunden sei das kein Vorteil.

In der Tat ist auch die unterschiedliche Regulierung eine Erklärung für die unterschiedliche Entwicklung der Banken. Denn anders als es die Politik unmittelbar nach der Lehman-Pleite 2007 versprochen hat, gibt es bis heute keine global gültigen Spielregeln für Banken. "Die USA machen mit Bankenregulierung Wettbewerbspolitik", sagt der Vorstand einer deutschen Bank und spricht damit aus, was große Teile der Branche denken. Die europäische Regulierung dagegen nehme keine Rücksicht auf Geschäftsmodelle von Banken.