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Folgen der Sparprogramme:Spaniens Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau

Schon jetzt hat das Land hat die höchste Arbeitslosigkeit in der EU. Doch die Zahl steigt immer weiter: Fast 25 Prozent der Spanier haben keinen Job. Und bei den Jugendlichen ist die Lage noch viel schlimmer.

Mehr als 5,7 Millionen Menschen sind in Spanien ohne Job. Von den Jugendlichen unter 25 Jahre haben deutlich mehr als die Hälfte keine Arbeit, bezogen auf den gesamten Arbeitsmarkt sind es fast 25 Prozent. Nirgendwo in Europa ist die Arbeitslosigkeit so hoch, auch nicht in Griechenland.

Die Rezession treibt sie auf den höchsten Stand seit der Rückkehr zur Demokratie Mitte der 1970er Jahre. Das geht aus den neuesten Zahlen des nationalen Statistikamtes hervor (PDF-Datei). Demnach stieg die Arbeitslosenquote von 24,4 Prozent im ersten Quartal auf 24,6 Prozent in den Monaten April bis Juni. Ein höheres Niveau hat es seit Einführung der Statistik 1976 - und damit ein Jahr nach dem Tod des langjährigen Diktators Franco - nicht gegeben.

Bei Jugendlichen unter 25 Jahren erhöhte sich die ohnehin schon hohe Zahl weiter und stieg um 1,3 Prozentpunkte auf 53,3 Prozent. Die Anzahl der Haushalte, in denen keiner einen Job hat, stieg auf fast 1,74 Millionen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im zweiten Quartal ist ungewöhnlich, denn normalerweise bietet der Tourismus- und der Bausektor in diesem Zeitraum mehr Arbeitsplätze an. "Die Daten sind ein weiterer Beleg dafür, in welch miserabler Lage die Wirtschaft ist. Die Dinge werden nur noch schlechter werden", sagte Analyst Ben May von Capital Economics.

Die spanische Wirtschaft steckt bereits seit fast vier Jahren in der Krise. Erst sorgte das abrupte Ende des Immobilienbooms für einen Konjunktureinbruch, inzwischen leidet das Land unter einer Finanzkrise und dem mangelnden Vertrauen der internationaler Kapitalgeber. Spanien hofft darauf, dass die Europäische Zentralbank eingreift. EZB-Chef Mario Draghi hatte einen solchen Schritt angedeutet.

Für seinen maroden Bankensektor bekam Spanien von seinen Euro-Partnern schon Finanzhilfen von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die hohen Kosten für die Staatsfinanzierung schüren aber Sorgen, dass das Land als Ganzes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Die Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy stemmt sich mit einem 65 Milliarden Euro schweren Sparkurs dagegen. Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sollen mittelfristig die Haushalte entlasten, dürften kurzfristig aber die Wirtschaftskrise verschärfen. Ende 2011 und Anfang 2012 schrumpfte die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone bereits, für das abgelaufene zweite Quartal befürchtet die spanische Notenbank ein Minus von 0,4 Prozent.

EIn Indiz für die schlechten Staatsfinanzen ist auch die Situation der autonomen Regionen. Zwei von ihnen - die Regionen Murcia und Valencia - haben bereits Hilfe bei der Zentralregierung beantragt, weil sie ihre Ausgaben nicht mehr alleine tragen können. Weitere Regionen, darunter auch das eigentlich sehr wirtschaftsstarke Katalonien, erwägen ebenfalls, einen Hilfsantrag zu stellen. Zur Unterstützung der Regionen hat Madrid einen Fonds eingerichtet. Die Liquiditätshilfe soll dabei mit Bankkrediten über acht Milliarden Euro finanziert werden. Spaniens Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jimenez Latorre sagte, die endgültige Belastung für den Staatshaushalt sei auf vier Milliarden Euro begrenzt.

© Reuters/olkl/bbr
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