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Finanzkrise:Rekordarbeitslosigkeit dämpft Griechenlands Zuversicht

Gerade erst hat sich die griechische Regierung optimistisch gezeigt, dass die Wirtschaftskrise demnächst überwunden sei. Nun trüben die jüngsten Arbeitslosenzahlen die Zuversicht. Im Oktober lag die Arbeitslosenquote bei 27,8 Prozent.

Griechenlands Hoffnungen auf ein baldiges Ende der jahrelangen Wirtschaftskrise haben einen herben Dämpfer erhalten. Die Arbeitslosenquote in dem EU-Krisenland stieg nach Angaben der amtlichen Statistikbehörde Elstat im Oktober auf ein neues Rekordhoch von 27,8 Prozent. Damit lag sie um weit mehr als das Doppelte über dem Durchschnittswert der Euro-Zone von 12,1 Prozent in dem Monat.

Darüber hinaus sackte die griechische Industrieproduktion im November zum fünften Mal in Folge ab, und zwar um 6,1 Prozent. Dabei hatte die Regierung in Athen gerade erst anlässlich der Übernahme der EU-Präsidentschaft versichert, Griechenland habe inzwischen das Schlimmste hinter sich.

Die neuesten Zahlen vom Arbeitsmarkt deuten darauf, dass der griechischen Wirtschaft der Sparkurs weiter zu schaffen macht, den der hoch verschuldete Staat im Gegenzug für die internationalen Hilfen eingeschlagen hat. Griechenland greift seit 2010 auf die Unterstützung seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurück. Es wird mit Hilfszusagen über insgesamt fast 240 Milliarden Euro gestützt und muss als Gegenleistung Reformen umsetzen. Eine Folge davon sind die inzwischen 1,39 Millionen Arbeitslosen in Griechenland - etwa eine Million mehr als zu Beginn der schweren Krise vor sechs Jahren.

2014 rechnet Griechenland erstmals wieder mit Wachstum

"Kein anderes Land hat in Friedenszeiten so viel erreicht wie Griechenland seit 2009 erreicht hat", hatte Finanzminister Yannis Stournaras am Mittwoch in Athen noch eine positive Zwischenbilanz der Krisenbekämpfung gezogen. Für 2014 rechnet die Regierung erstmals seit sechs Rezessionsjahren wieder mit einem kleinen Wachstum. Zudem will das Land im zweiten Halbjahr 2014 mit einer fünfjährigen Anleihe an den Kapitalmarkt zurückkehren.

Kritisch äußerten sich Regierungsmitglieder aus Athen kürzlich zum Hilfskonzept der internationalen Partner, dem sich die Griechen fügen mussten. Zunächst kritisierte Außenminister Evangelos Venizelos die mangelnde demokratische Kontrolle der sogenannten Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission, deren Experten nach Prüfungen vor Ort über die Auszahlung der Hilfen entscheiden. Inzwischen soll Venizelos einem Zeitungsbericht zufolge auch gefordert haben, dass sich der IWF aus der Troika und dem Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise zurückzieht.

Außenminister reist nach Athen

Die Bundesregierung sieht solche Vorstöße offenbar ungern. Sie will auf ein Mitwirkung des IWF nicht verzichten. "Der IWF hat eine jahrzehntelange Expertise, Länder bei Strukturreformen und der Konsolidierung ihrer Haushalte zu unterstützen", erklärte das Bundesfinanzministerium. Die Zusammenarbeit in der Troika habe sich bewährt. Deutschland hat die Arbeit und Konstruktion der Troika schon wiederholt verteidigt.

Unteressen bahnen sich bei der Auszahlung weiterer Kredithilfen neue Hindernisse an. Wegen des Einspruchs eines Gerichts gegen Privatisierungsvorhaben wird Griechenland die Zielwerte zum Verkauf von Staatsbesitz 2013 verfehlen. Das Bundesfinanzministerium verwies darauf, dass es auch hierzu verbindliche Vereinbarungen gebe, deren Einhaltung Bedingung für die Freigabe von Hilfsgeldern sei. Die laufende Troika-Prüfung, bei der es um die Auszahlung der nächsten Tranche geht, werde im Januar wieder aufgenommen. "Wir rechnen nicht vor Februar mit einem Abschluss der Mission", erklärte das Ministerium.

© Süddeutsche.de/Reuters/sks/webe
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