Finanzkrise in Zypern Das wirklich große Geld ist schon fort

Für russische Unternehmen aber ist Zypern gerade deshalb interessant, weil es in das europäische Finanzsystem eingebunden ist und Rechtssicherheit bietet. Seit den Neunzigerjahren transferieren sie Ihr Geld dorthin, um es vor dem Zugriff von Kriminellen oder der Willkür der Behörden in Sicherheit bringen. Als Auslandsinvestition kann es dann mit Vergünstigungen wieder in der Heimat fließen, in die Schweiz oder an die Londoner Börse.

Wie stark die beschlossene Abgabe auf Vermögen über 100.000 Euro nun Russlands Reiche und Supperreiche wirklich trifft, ist umstritten. Auf bis zu zehn Milliarden Euro schätzt Zyperns Zentralbank die Einlagen russischer Staatsbürger. Andere Schätzungen gehen vom Doppelten und mehr aus. Wem ein Vermögen wirklich gehört, ist wegen des Bankrechts auf der Insel schwer festzustellen; gerade das sollen die Briefkastenfirmen ja verschleiern. Sie existieren nur als Hülle, als deren Besitzer möglicherweise ein Einheimischer eingetragen ist.

Nach Einschätzung russischer Finanzberater haben zudem die wirklich Vermögenden ihr Geld bereits in einer frühen Phase der seit Monaten dauernden Krise in Sicherheit gebracht. "Ich kenne nicht einen einzigen Millionär, der sein Geld auf Zypern liegen hat", sagte ein Angestellter einer Moskauer Steuerberatungsfirma dem russischen Dienst der BBC. Die hätten vielleicht einige Hunderttausend auf dem Konto, bestimmt keine Millionen.

Dem Bild, auf Zypern seien überwiegend illegal erworbene Vermögen russischer Oligarchen versteckt, trat Vize-Premier Igor Schuwalow ausdrücklich entgegen. Der Anteil illegalen Vermögens sei "äußerst unbeträchtlich", sagte er am Montag und äußerte zugleich die Hoffnung, die Krise könne eine Kapitalflucht in die andere Richtung auslösen - mit Russland als Ziel. Die "Renationalisierung" russischen Kapitals hat Wladimir Putin jüngst als eine Priorität seiner Politik formuliert.