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Finanzkrise:Hilfspolitik kann nur einer Logik folgen

Die ehrliche Antwort darauf lautet: ja. Der Euro hat wirtschaftlich starken Staaten wie Deutschland die Märkte ihrer Nachbarn für einen dauerhaften Boom geöffnet. Nach einem Euro-Kollaps all die Finanzstränge der 17 Mitgliedsstaaten zu entwirren, würde dagegen unermesslichen Schaden anrichten, der Deutschlands Arbeitsplatzwunder bedroht.

Deshalb ist es das Beste, den Euro übergangsweise durch Transferzahlungen zu retten. Überhaupt funktioniert die ganze EU als begrenzte Transferunion: Ökonomische Profiteure wie Deutschland finanzieren über den EU-Etat Regionalsubventionen für schwächere Länder, die so modernisiert werden.

Wie das Beispiel der EU zeigt, muss aber jede Hilfspolitik der Logik folgen, dass sie die Ursache der Krise beseitigt - sonst zementiert sie den Mangel. So wenig die Regionalsubventionen die Rückständigkeit Rumäniens konservieren dürfen, so wenig darf die Euro-Hilfe Griechenlands überhöhte Löhne bewahren.

Hilfe gibt es nur gegen Reform, und das bedeutet neben wirtschaftlicher Modernisierung, dass Regierungen ihre Defizite nicht mehr allein verwalten dürfen. Das bisherige Modell, wonach die Einzelstaaten vernünftig sind und deshalb ohne Zwang sparen, ist gescheitert. Nur noch der Zwang rettet den Euro. Brüssel muss über die Staatsausgaben in Italien, Portugal oder sonstwo entscheiden.

Das ist das Dilemma vor dem EU-Gipfel am Donnerstag: Die angeschlagenen Euro-Staaten brauchen eindeutig mehr Hilfe, aber ebenso eindeutig darf diese Hilfe nicht die alte Misswirtschaft zementieren. Sonst wird die Rettung für die Steuerzahler unbezahlbar, und die Wackelstaaten holen auch nicht auf.

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