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Finanzinvestoren:Die guten Heuschrecken

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Langfristige Werte schaffen: Das wollen sowohl Family Offices als auch Private-Equity-Investoren.

(Foto: imago/Westend61)

Unternehmerfamilien sind als Finanzinvestoren meist geduldiger und halten ihre Beteiligungen auch länger als Private-Equity-Investoren.

Von Norbert Hofmann

Hier der Finanzinvestor, der dem Unternehmen Schulden aufbürdet und sich dann schnell wieder verabschiedet. Dort eine Unternehmerfamilie, die auf langfristigen Werterhalt achtet. Würde man so den Unterschied zwischen Private-Equity-Gesellschaften und einem Family Office darstellen, käme ein grob überzeichnetes Bild heraus. Das Institute of Family Business an der WHU - Otto Beisheim School of Management hat in einem ausführlichen Praxisreport einige Vorurteile auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und so manches Bild zurechtgerückt.

Private Equity (PE) steht für in einem Fonds gesammelte vorbörsliche Unternehmensbeteiligungen, wobei das Geld meist von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen stammt. Die Fonds sind nach einigen Jahren zur Rückzahlung an die Investoren verpflichtet und stellen diesen überdurchschnittliche Renditen in Aussicht. "Private-Equity-Fonds müssen ihre Zielunternehmen deshalb innerhalb einer Spanne von vier bis sieben Jahren weiterentwickeln und wieder verkaufen", erläutert Max Leitterstorf, Professor für die Finanzierung von Familienunternehmen an der WHU. Etwas mehr Zeit nehmen sich sogenannte Evergreen-Fonds. Diese Investoren bleiben durchschnittlich zehn Jahre an einem Unternehmen beteiligt.

Anders ist die Herangehensweise von Single Family Offices, die das Vermögen von Unternehmerfamilien verwalten. Sie zeigen ebenfalls zunehmend Interesse an unternehmerischen Beteiligungen. Family Offices aber müssen aufgrund ihrer Strukturen anders als Private Equity nicht notwendigerweise nach einer bestimmten Zeitspanne wieder verkaufen. Was beide Investorengruppen eint: Sie haben oft ein hohes Interesse an Beteiligungen am deutschen Mittelstand.

Single Family Offices sind bei einer durchschnittlich angestrebten Haltedauer ihrer Beteiligungen von 19 Jahren sehr langfristig orientiert. Oft bleiben sie sogar über Generationen hinweg und mehr als 30 Jahre engagiert. "Diese Ausrichtung führt dazu, dass Family Offices oder Familienmitglieder ein Beteiligungsunternehmen entsprechend steuern und die Renditemaximierung nicht unbedingt im Vordergrund steht", sagt Leitterstorf. Dabei seien auch nichtfinanzielle Ziele wie die Reputation der Unternehmerfamilie und der Erhalt von Arbeitsplätzen, die für Private Equity keine Rolle spielen, von Bedeutung. Private-Equity-Unternehmen hingegen streben eine durchschnittliche Haltedauer von fünf Jahren an, innerhalb der sie durch operative oder strategische Verbesserungen den Unternehmenswert steigern wollen. Ein Vorurteil dagegen ist es, dass nur Family Offices langfristigen Wert schaffen und Private-Equity-Gesellschaften die Investitionen lediglich mit Blick auf ihre kurzfristige Wirkung beurteilen. Der überwältigenden Mehrheit der befragten Private-Equity-Investoren ist es wichtig, einen langfristigen Wert zu schaffen. "Das ist auch glaubwürdig, denn ein guter Käufer findet sich nur, wenn das Beteiligungsunternehmen nach der Zeit beim Private-Equity-Fonds interessante Perspektiven bietet", sagt Leitterstorf.

Wenn sie mit anderen Investoren konkurrieren, sind sie auch zu mehr Risiko bereit

Die große Mehrheit der Private-Equity-Fonds nutzt die Schuldenaufnahme als Instrument, um größere Transaktionen zu ermöglichen und gleichzeitig die Rendite auf das eingesetzte Kapital zu maximieren. "Im Durchschnitt der von uns befragten Private-Equity-Unternehmen liegt der Fremdkapitalanteil pro Transaktion bei 42 Prozent, wobei dieser Anteil unter dem Niveau der noch vor einigen Jahren in vielen Fällen genutzten Fremdkapitalquoten liegt", sagt Leitterstorf. Dahinter stehe der Wille, nicht übertrieben hohe Risiken einzugehen.

Andererseits mischen, so die Studie, auch 47 Prozent der Single Family Offices bei ihren Investitionen entweder Fremdkapital oder sogenannte Mezzanine-Finanzierungen, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, bei. Family Offices, bei denen das ursprüngliche Familienunternehmen bereits verkauft wurde, sind zur Schuldenaufnahme sogar noch eher bereit. Sie nehmen also auch ein höheres Risiko in Kauf. Mitunter resultiert die Bereitschaft zur Einbeziehung von Fremdkapital aber auch aus der Tatsache, dass das Single Family Office nur so mit Private-Equity-Investoren im Konkurrenzkampf um ein Zielunternehmen mithalten und einen entsprechenden Preis zahlen kann.

Das Klischee der höheren Risikobereitschaft von Private Equity relativiert sich bei näherem Hinsehen. Denn auch wenn die Finanzinvestoren in der Regel zur Schuldenaufnahme bereit sind, so bevorzugen sie anderseits doch Zielunternehmen mit stabilen laufenden Geschäftserträgen, um die Zinszahlungen sicher leisten zu können. Einen großen Unterschied bestätigt aber auch die WHU-Studie. "Bei den Private-Equity-Unternehmen steht die Renditemaximierung im Vordergrund, während Single-Family-Offices dem Kapitalerhalt eine größere Bedeutung zumessen", sagt Professorin Nadine Kammerlander, Leiterin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU. Private-Equity-Investoren investierten zudem mit etwas größeren Summen und tendenziell auch häufiger in größere Unternehmen.

Wenn es um finanzielle Stabilität geht, so Kammerlander, haben beide Investorengruppen den langfristigen Erfolg im Visier. Anders dagegen sieht es bei der Beurteilung der Chancen von größeren Investitionen etwa in neue Technologien aus. "Das Single Family Office steht dann für das geduldigere Kapital und wartet länger ab, ob eine Medizintechnik in einigen Jahren ein neues Medikament ermöglicht oder eine Energietechnik die Gewinnung umweltfreundlicher Energie", sagt Kammerlander. Für Private Equity dagegen muss der Fortschritt der Entwicklung innerhalb eines Zeitraums von fünf bis sieben Jahren messbar sein, um dem nächsten Käufer des Unternehmens eine attraktive Perspektive bieten zu können.

© SZ vom 06.12.2018
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