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Finanzierungbedarf der Euro-Länder:Lösungen ohne Erfolg

"Die Märkte werden erst wieder positiv reagieren, wenn die europäischen Politiker eine Lösung für die Schuldenkrise präsentieren, die funktioniert", erklärt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. An genau solchen Lösungen strickt die Politik nun aber schon seit Monaten - bislang ohne dauerhaften Erfolg. Die Folge: es fehlt an Vertrauen.

"Von Ankündigungen auf Gipfeln ließen sich die Märkte jeweils nur wenige Wochen oder Tage beeindrucken. Damit gewinnt die Politik nur Zeit", führt Vorndran aus. Am 8. Dezember treffen sich die Regierungschefs zum nächsten Euro-Gipfel. Kurz davor will Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Regierungserklärung abgeben. Bis dahin werden vermutlich noch eine Menge weiterer Ideen zur Rettung des Euros auftauchen und dementiert werden. Die Politik testet die Märkte, sagen Börsianer dazu.

Zwei dieser Ideen wirkten sich am Montag ganz unterschiedlich auf die Kurse aus. So blieben angeblich in Berliner Regierungskreisen diskutierte Pläne über "Elite-Bonds" zunächst ohne große Reaktionen am Markt. Demnach sollten die sechs Staaten mit der besten Bonität in Euro-Land Anleihen zu günstigen Konditionen aufnehmen und damit den Finanzbedarf klammer Länder bedienen. Die Bundesregierung dementierte postwendend. Zwischenzeitlich zeigte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Sympathie mit der Elite-Idee, ehe er dann doch davon wieder abrückte.

Ganz anders dagegen die Reaktion auf gleichfalls dementierte Pläne für ein Superrettungspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Italien. Nach einem Bericht von La Stampa könne der IWF Italien mit bis zu 600 Milliarden Euro stützen. Der Aktienmärkte in Europa und Amerika legten daraufhin zu. Kommentar eines Händlers in Frankfurt: "Hauptsache viel Geld fließt und die Party geht weiter, woher es kommt, ist egal."

© SZ vom 29.11.2011/bürk