Finanzen Diese deutsche Bank ist wertvoller als die Deutsche Bank

Die Zentrale von Wirecard in Aschheim bei München.

(Foto: Claus Schunk)
  • Der Finanzdienstleister Wirecard hat die Deutsche Bank als wertvollstes Geldhaus in Deutschland abgelöst.
  • Das Unternehmen aus Aschheim bei München verdient sein Geld vor allem mit der Abwicklung von Zahlungen beim Online-Shopping.
Von Nils Wischmeyer

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat die Deutsche Bank als wertvollstes deutsches Geldinstitut abgelöst. Die Aktien des im Tec-Dax gelisteten Unternehmens waren am Dienstag mehr als 21 Milliarden Euro wert, und damit zwischenzeitlich höher bewertet als die Papiere der Deutschen Bank, die über Jahrzehnte das wertvollste Geldhaus der Bundesrepublik war, derzeit jedoch in einer schweren Krise steckt.

Wirecard hat es geschafft, von einem unscheinbaren Zahlungsanbieter zu einem mächtigen Finanzinstitut aufzusteigen, auch wenn das in der Führungsetage niemand so benennen würde. Er sei Chef eines Tech-Unternehmens, sagt Wirecard-Chef Markus Braun für gewöhnlich. Jedoch steht dieses Unternehmen mit Teilen seines Geschäfts in direkter Konkurrenz zu traditionellen Banken. Mehr wert als die Commerzbank ist die Aschheimer Firma, die sowohl Bank als auch Zahlungsabwickler ist, schon länger. Am 5. September könnte Wirecard die Commerzbank sogar aus dem Dax schmeißen.

Wirecard hält sich trotz seiner Größe eher im Hintergrund

Es wäre eine Zeitenwende, die bezeichnend ist für den Aufstieg vergleichsweise junger Tech-Firmen, die in den vergangenen Jahren zunehmend an Marktmacht und Einfluss gewonnen haben. Manche von ihren agieren offensiv, wie etwa die Digitalbank N26, die mittlerweile mehr als eine Million Kunden hat. Andere halten sich trotz ihrer Größe eher im Hintergrund, darunter eben Wirecard oder auch das niederländische Start-up Adyen, das gerade einen milliardenschweren Börsengang hingelegt hat. Beide Unternehmen haben in der Online-Welt ein Geschäft übernommen, das früher von herkömmlichen Banken erledigt wurde. Sie verdienen ihr Geld damit, Händlern möglichst viele Zahlungsarten für ihre Kunden bereitzustellen und beim Kauf die Zahlung im Hintergrund abzuwickeln.

Ein Beispiel: Ein Kunde kauft im Internet einen Pullover für 150 Euro und bezahlt ihn mit seiner Kreditkarte. Hier kommt nun Wirecard ins Spiel: Sobald der Kunde den Pin eingegeben hat, versichert Wirecard dem Händler, dass das Geld ankommt. Der Händler kann also schon mit dem Geld arbeiten. Später wird Visa den Betrag für den Pullover überweisen. Wirecard zieht seine Gebühr ab und überweist den Restbetrag an den Händler. Der Zahlungsdienstleister trägt das Risiko, dafür wird er bezahlt. Die Margen für solche Deals sind gering, die Masse macht daraus allerdings ein gutes Geschäft. Seit das Online-Shopping boomt, verdienen Firmen wie Wirecard und Adyen Milliarden.

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Darüber hinaus steht Wirecard, wenn auch in kleinem Maße, in direkter Konkurrenz zu Instituten wie der Deutschen Bank. Seit 2006 besitzt das Aschheimer Unternehmen eine Banklizenz, bietet Kreditkarten und Konten an und hat sich insbesondere auf das Bezahlen mit dem Smartphone spezialisiert. Dafür hat das Unternehmen die App boon auf den Markt gebracht. Zudem kooperiert es mit großen asiatischen Anbietern wie Alipay. Wenn ein Chinese in Deutschland mit Alipay zahlt, wickelt Wirecard das Geschäft ab.

Dass Wirecard nun mehr wert ist als die Deutsche Bank, zeigt aber nicht nur, wie wichtig Online-Shopping geworden ist. Es verdeutlicht gleichzeitig, wie sich die Strukturen in der Bankenwelt ändern. Größe wird inzwischen anders definiert: Rund 95 000 Mitarbeiter beschäftigt die Deutsche Bank an ihren weltweit 2400 Standorten. Auf fast allen Kontinenten, in fast jeder Zeitzone, ist das Geldhaus vertreten. Dennoch kämpft die Bank seit Jahren gegen den schwindenden Bedeutungsverlust an. Es ist eine Abwärtsspirale aus Sparprogrammen, sinkenden Erträgen und wieder neuen Sparprogrammen. Im vergangenen Jahr har die Deutsche Bank jedoch erneut einen Verlust von 500 Millionen Euro eingefahren. Wirecard hat gerade einmal 4600 Mitarbeiter. Dennoch hat das Unternehmen zuletzt einen Gewinn von 259 Millionen Euro eingefahren.