Finanzbranche:Commerzbank plant Milliardengewinn

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Finanzbranche: Tower der Commerzbank in Frankfurt, der Bund ist weiterhin größter Einzelaktionär der Bank.

Tower der Commerzbank in Frankfurt, der Bund ist weiterhin größter Einzelaktionär der Bank.

(Foto: Jan Huebner/Blatterspiel /imago images)

Nach einem guten ersten Halbjahr ist der Vorstand zuversichtlich. Bundesfinanzminister Lindner ist zufrieden mit dem Sanierungskurs des Instituts.

Die Commerzbank glaubt trotz eines drohenden Wirtschaftsabschwungs an einen Milliardengewinn 2022 und kann weiterhin auf den Staat als starken Ankeraktionär bauen. "Die Bundesregierung ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Commerzbank", sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bei einer Bankentagung. "Wir haben keinerlei gesetzliche oder sonstige Verpflichtung, schnelle Entscheidungen zur Commerzbank zu treffen, sondern wir wollen eine gute Entwicklung dieser Bank am Finanzplatz Deutschland, weil wir ihre wichtige Rolle kennen."

Der Staat hatte die Frankfurter Großbank, die mitten in der Finanzkrise die kriselnde Dresdner Bank geschluckt hatte, 2008/2009 mit mehr als 18 Milliarden Euro Steuergeld vor dem Kollaps bewahrt. Die staatlichen Hilfen hat die Commerzbank bereits vor Jahren zurückgezahlt, der Bund ist aber bis heute größter Einzelaktionär des Instituts mit einem Anteil von 15,6 Prozent. Über den Verkauf dieses Anteils wird immer wieder spekuliert. Nach Angaben der vorherigen Bundesregierung müsste der Bund je Aktie etwa 26 Euro erzielen, um das Commerzbank-Engagement ohne Verlust zu beenden. Zuletzt lag der Kurs der Aktie bei etwa 7 Euro.

Der Anfang 2021 als Sanierer angetretene Vorstandschef Manfred Knof hat den Sparkurs verschärft und die Commerzbank zurück in die Gewinnzone geführt. Im ersten Halbjahr 2022 verdiente der MDax-Konzern trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge des Ukraine-Krieges 768 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro an. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Konjunktur nicht noch mehr verschlechtere, hieß es Anfang August. "Wir haben ja schon einen Großteil der Wegstrecke erzielt, deswegen bin ich immer noch vorsichtig optimistisch", sagte Knof bei der Handelsblatt-Bankentagung in Frankfurt. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass, wenn das hier nicht zu einer Vollkatastrophe und Vollbremsung führt, dass wir natürlich unsere Ziele erreichen können", sagte der Commerzbank-Chef.

Eine Pleitewelle befürchtet Knof, dessen Institut stark in der Mittelstandsfinanzierung engagiert ist, derzeit nicht: "Ich habe hohes Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, auch der Unternehmen." Aus Gesprächen mit Kunden nehme er wahr, "dass sie natürlich besorgt sind und dass schwierige Zeiten auf uns zukommen. Aber es ist überhaupt kein Grund für Panikmache". Zudem unterstütze die Ampelkoalition mit Hilfspaketen. Der per Video zugeschaltete Bundesfinanzminister warb dafür, die Krise zu gestalten: "Unser Land verfügt über Reserven, über Anpassungsfähigkeit, über Einfallsreichtum und auch die Bereitschaft, in Krisen gemeinsam sich Herausforderungen zu stellen", sagte Lindner. Viele Volkswirte rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abrutschen wird.

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