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Festival:Wie Rock am Ring versichert ist

Rock am Ring musste nach schweren Unwettern abgebrochen werden.

(Foto: Thomas Frey/AFP)
  • Der letzte Festivaltag von Rock am Ring wurde 2016 abgesagt. Versichert war die Veranstaltung beim Düsseldorfer Versicherer Ergo.
  • Versichert sind die Eigenrisiken - dazu zählen die Kosten, die dem Veranstalter entstehen, wenn ein Konzert abgesagt, abgebrochen oder verschoben werden muss - und zwar aus Gründen, für die der Veranstalter nichts kann.

Die Veranstalter des Rock-am-Ring-Festivals Marek Lieberberg und der rheinland-pfälzischen Gemeinde Mendig sind gerade nicht so gut aufeinander zu sprechen. Lieberberg kritisiert die Entscheidung der Gemeinde, das Open Air-Festival wegen einer Unwetterwarnung zu unterbrechen, als "die schlechteste mögliche Entscheidung". Die Gemeinde in der Eifel hingegen ist sich absolut sicher, dass es "keine verantwortbare Alternative" zum Abbruch gegeben habe.

Immerhin ist der Abbruch versichert, und zwar beim Düsseldorfer Versicherer Ergo. Das Unternehmen ist der führende Versicherer der Veranstaltung. "Events in der Größe des Rock-am-Ring-Festivals haben immer eine Ausfallversicherung abgeschlossen, um die Eigenrisiken abzufangen", sagt Mark Höhne vom Berliner Versicherungsmakler Schwandt, der sich auf Veranstaltungsversicherungen spezialisiert hat.

"Erst einmal alle Gefahren versichert"

Zu den Eigenrisiken zählen die Kosten, die dem Veranstalter entstehen, wenn ein Konzert abgesagt, abgebrochen oder verschoben werden muss, und zwar aus Gründen, für die der Veranstalter nichts kann. Darunter fallen Wetterrisiken genauso wie der Ausfall eines Künstlers durch Krankheit, Unfall oder Tod. Die Versicherungssumme wird individuell und nach der Höhe des eingesetzten Budgets versichert, sagt Höhne. Im Fall von Rock am Ring mit mehr als 100 000 Besuchern könnte das schon im zweistelligen Millionenbereich liegen. Außerdem haben Veranstalter in der Regel eine Haftpflichtversicherung, die einspringt, wenn Personen zu Schaden kommen.

Grundsätzlich handelt es sich bei Veranstaltungsausfallversicherungen um Allgefahren-Deckungen, sagt Arne Linke von der Veranstaltungsversicherungssparte des Unternehmens Ergo. Das bedeutet, dass erst einmal alle Gefahren versichert sind, die nicht explizit ausgeschlossen wurden. "Im Nachgang kann man aber viele Ausschlüsse wie Terror wieder über Sondervereinbarungen einschließen", sagt er. Nicht versicherbar sei allerdings der Einsatz von atomaren, biologischen oder chemischen Kampfstoffen.

Aufgrund des verstärkt wahrgenommenen Risikos eines Anschlags wollen viele Veranstalter diese Gefahr in ihrem Vertrag mitversichern. "Seit der Bombendrohung einer Anruferin beim Finale der Castingshow 'Germany's Next Topmodel' sind viele für das Thema Terror sensibilisiert worden", sagt Makler Höhne. "Dazu kamen die Anschläge in Paris und schließlich noch die Absage eines Länderspiels in Hannover wegen einer Terrorwarnung."

Große Anbieter sind neben Ergo die Deutsche Sport und Entertainment Versicherungsgemeinschaft. Auch die Allianz, die R+V-Tochter Kravag und Gothaer spielen eine Rolle. "Seit einigen Jahren wollen auch britische Lloyd's-Syndikate mitmischen", sagt Höhne.

Generell können Veranstalter drei unterschiedliche Ereigniskategorien absichern, sagt Ergo-Experte Linke. "Das ist erstens alles, was mit dem Wetter zu tun hat, zum zweiten alles, was mit dem Künstler zusammenhängt, also Unfall oder Krankheit, und zum dritten, was mit äußeren Umständen zu tun hat - etwa einen Stromausfall."

© SZ vom 09.06.2016/hgn
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