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Fernsehen:Mediaset umwirbt Pro Sieben Sat 1

Pier Silvio Berlusconi (Mitte) ist der Chef des italienischen Fernsehunternehmens Mediaset und Sohn des ehemaligen italienischen Premierministers.

(Foto: Miguel Medina/AFP)

Die Italiener wollen eine engere Zusammenarbeit, aber den Deutschen passt das nicht. Doch Mediaset ist hartnäckig.

Es ist eine ziemlich schwierige Beziehung, die sich da gerade zwischen Mailand und Unterföhring entwickelt. Das italienische Fernsehunternehmen Mediaset, das vom höchst umstrittenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seiner Familie kontrolliert wird, umwirbt Pro Sieben Sat 1, doch die Deutschen reagieren mit Ablehnung. So baut Mediaset derzeit eine neue Dachgesellschaft in den Niederlanden auf, die den Namen Media For Europe (MFE) trägt. Darunter soll nach den Vorstellungen des Mailänder Konzerns auch Pro Sieben Sat 1 schlüpfen - neben dem französischen Sender TF 1. Mediaset besitzt zudem wichtige Sender in Italien und Spanien.

Ende vergangener Woche hatte Mediaset-Chef Pier Silvio Berlusconi, der Sohn von Silvio Berlusconi, den Druck auf Pro Sieben Sat 1 nochmals erhöht. "Mal abwarten, es ist ein langer Prozess. Wir reden, aber es gibt keine Verhandlungen", sagte er vielsagend der italienischen Zeitung La Stampa. Das Echo aus Unterföhring war sehr zurückhaltend. Eine Sprecherin verwies auf frühere Aussagen von Vorstandschef Max Conze, seit gut einem Jahr im Amt, wonach sich Pro Sieben Sat 1 auf die bestehende, punktuelle Zusammenarbeit mit Mediaset und anderen europäischen TV-Ketten sowie auf sein neues Online-Videoportal Joyn konzentrieren wolle. Zuvor schon hatte Conze immer wieder betont, dass sein Unternehmen unabhängig bleiben wolle. Insider berichten, es habe bisher erst zwei unverbindliche Gespräche mit Mediaset auf oberster Ebene gegeben.

Es wird spekuliert, dass Berlusconi weiter zukauft, vielleicht mit Hilfe eines Investors

Ende Mai hatte Mediaset plötzlich bekannt gegeben, dass man ein Aktienpaket von 9,6 Prozent an Pro Sieben Sat 1 erworben habe. Die Deutschen wurden durch den Anteilserwerb überrascht. Nach Angaben von Insidern hatte die Schweizer Großbank Credit Suisse verdeckt, aber im Auftrag der Italiener Anteile erworben. Mediaset wolle vor allem an das Know-how der Deutschen, sagen Beteiligte. Nun wird nicht ausgeschlossen, dass Mediaset seine Beteiligung mittelfristig weiter ausbauen könnte, um möglicherweise auf eine Sperrminorität von gut 25 Prozent zu kommen. Es sei zum Beispiel denkbar, dass die Italiener dazu einen potenten Finanzinvestor mit ins Boot holen, um die Aufstockung zu finanzieren. Zudem fürchten Beteiligte, dass Mediaset später auf eine Zerschlagung des deutschen Fernsehunternehmens drängen könnte, insbesondere auf eine Abtrennung der Internetaktivitäten, die jetzt schon in der Tochtergesellschaft Nu-Com gebündelt sind, dazu gehört etwa die Partnervermittlung Parship oder das Vergleichsportal Verivox. Mediaset macht weniger Umsatz und ist auch ertragsschwächer. Pro Sieben Sat 1 mit 6500 Mitarbeitern ist neben der RTL-Gruppe, die zu Bertelsmann gehört, der führende Anbieter von Privatfernsehen in Deutschland.

Das Problem: Der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 ist seit Langem auf Talfahrt, liegt jetzt bei unter zwölf Euro und schlittert Richtung zehn Euro. Ende 2015 waren es mehr als 50 Euro. Das Unternehmen ist insgesamt nur noch etwa 2,7 Milliarden Euro wert. Der neue Vorstandschef Conze konnte den Verfall seit seinem Amtsantritt im vergangenen Juni nicht stoppen - im Gegenteil. Am Mittwoch dieser Woche will das Unternehmen die Zahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlichen. Trotz der insgesamt abflauenden Konjunktur, was auch negative Rückwirkungen auf die Werbeausgaben der Wirtschaft haben kann, rechnen Insider nicht mit einer Revision der Jahresziele. Eine Sprecherin wollte dazu keine Stellung nehmen.

Gleichzeitig steigt die Unzufriedenheit mit Vorstandschef Conze, der vom britischen Staubsaugerhersteller Dyson gekommen war. Er entscheide wenig, sondern kündige nur an, sagen Kritiker. So hatte Conze zehn Millionen Kunden für das neue Online-Videoportal Joyn in Aussicht gestellt. Bislang ist aber beispielsweise RTL nicht wie angekündigt mit an Bord. Zudem hat der Joyn-Partner Eurosport seine Bundesliga-Live-Rechte gerade an den Online-Sportanbieter Dazn abgegeben, damit fehlt Joyn attraktiver Inhalt. Zudem sei der Aufsichtsrat unter der Leitung des ehemaligen SAP-Finanzchefs Werner Brandt schwach, heißt es. Conze, der von Brandt geholt worden war, hat sich im vergangenen Jahr von insgesamt vier Vorstandsmitgliedern, darunter auch sehr erfahrenen, getrennt und sich eine neue Führungsmannschaft zusammengestellt. Kritik daran lässt er nicht gelten. Wenn vier Mitarbeiter gehen würden, sei das doch kein Braindrain, sagte er.