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Fernbusse:Flixbus fährt wieder

An der Haltestelle und beim Einstieg gilt der Mindestabstand von 1,50 Meter. Aber in den Bussen wird's eng. Das Fernbus-Unternehmen Flixbus will jeden Sitzplatz nutzen. Die Reisenden müssen die gesamte Fahrt über einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Von Elisabeth Dostert

Seit dem 17. März waren die grünen Busse mit den orangenen Pfeilen von deutschen Straßen verschwunden. Die Corona-Pandemie legte auch das Geschäft der Fernbusvermittlers Flixbus lahm. Seit Donnerstag rollen die Busse wieder. Gut zwei Dutzend sollen unterwegs sein. Flixbus steuere zunächst 50 Halte an, vor der Krise waren es rund zehn Mal so viel. Angefahren werden Städte wie Berlin, Leipzig, Nürnberg, Hamburg und Weimar. Auch in Polen, Portugal, Österreich und Tschechien fahre Flixbus wieder. In Dänemark und Schweden wurde das Streckennetz zwar ausgedünnt, aber der Verkehr war nie ganz eingestellt. Wann das Zugangebot Flixtrain wieder anläuft, stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Für die Busse habe Flixbus ein "Hygienekonzept" entwickelt. Sie werden nach jeder Fahrt desinfiziert. Fahrkarten werden kontaktlos kontrolliert, gekauft werden können sie nur online oder über die Hotline. An den Haltestellen und beim Ein- und Ausstieg gelte der Sicherheitsabstand von 1,50 Metern. In den Bussen kommen sich die Gäste deutlich näher. Alle Sitzplätze sollen genutzt werden. Die Fahrgäste müssen während der gesamten Fahrt einen Mund- und Nasenschutz tragen, haben sie keinen, werden sie nicht mitgenommen, können aber umbuchen. Die Toiletten bleiben geschlossen. Dafür sollen die Busse regelmäßig Raststätten anfahren.

André Schwämmlein, Mitgründer und Geschäftsführer von Flix Mobility, dem Unternehmen hinter Flixbus und Flixtrain, hat sich in den vergangenen Tagen mehrfach geäußert. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er: "Wir gehen davon aus, dass wir das Preisniveau halten können, das wir vor der Krise hatten." Das Unternehmen sei sehr gut finanziert. "Wir werden diese Krise überstehen." Zum Ausmaß der Umsatzeinbußen mochte sich das Unternehmen am Donnerstag nicht äußern. Laut Manager Magazin schließt Schwämmlein eine Staatsbeteiligung nicht aus. Flix Mobility besitzt keine Busse, sondern vermittelt Buchungen an mittelständische Firmen. "Es ist eine dramatische Situation in der Branche", sagte Schwämmlein der dpa. "Aber unsere Partner sind alle noch da." Flixbus unterstützt Forderungen nach staatlichen Hilfen. "Drei Monate übersteht jeder, aber wir müssen überlegen, wie man in den nächsten zwölf bis 18 Monaten hilft", so Schwämmlein. "Sonst werden es viele nicht überleben." 2019 beförderte Flixbus mehr als 62 Millionen Fahrgäste. Dieses Niveau werde man wohl erst in 18 bis 24 Monaten wieder erreichen, sagte Schwämmlein der Wirtschaftswoche.

Konkurrent Blablabus will in knapp vier Wochen den Betrieb wieder aufnehmen. Vom 24. Juni an sollen die Busse unterwegs sein - zunächst auf innerdeutschen Strecken. Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, solle zunächst höchstens jeder zweite Sitzplatz besetzt werden. Und Fahrgäste müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

© SZ vom 29.05.2020

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