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Fernbus:Flixbus kauft den nächsten Konkurrenten

Flixbus und Postbus

Die Nummer eins schluckt die Nummer zwei: Das Unternehmen Flixbus kauft die Fernbus-Sparte der Deutschen Post.

(Foto: dpa)
  • Flixbus, der Marktführer auf dem Fernbus-Markt, übernimmt nach eigenen Angaben das Geschäft des Konkurrenten Postbus.
  • Der Branchenführer möchte über den Zusammenschluss Senioren und Familien besser erreichen und plant, künftig verstärkt die Küsten des Landes anzufahren.
  • Aufgrund schwindender Konkurrenz zu den Flixbussen müssen Kunden mittelfristig wohl mit steigenden Preisen rechnen.

Der deutsche Fernbus-Marktführer Flixbus übernimmt das Geschäft des Konkurrenten Postbus. Ab November sollen die ersten Linien der Fernbus-Sparte der Deutschen Post in das Flixbus-Netz integriert werden. Das sagte Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur.

Mit der Übernahme treibt Flixbus seine Expansion voran. Anfang des Jahres besaß das Fernbus-Unternehmen nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Iges in Deutschland einen Marktanteil von 71 Prozent - vor Postbus mit etwa zehn Prozent. "Mit dem Erwerb des Postbus-Angebots stärken wir bewusst unser Kerngeschäft in Deutschland", sagt Schwämmlein. Ende Juni hatte der Fernbus-Anbieter den britischen Konkurrenten Megabus übernommen und damit auch sein europaweites Netz ausgebaut.

Trotz der immer stärker werdenden Marktdominanz von Flixbus ist die Fusion der Busunternehmen bislang kein Fall für das Bundeskartellamt. Verglichen mit Flugzeug, Auto und Bahn decken Fernbusse noch immer nur einen kleinen Teil des Fernverkehrsmarktes ab.

Busse sollen künftig häufiger die Küste anfahren

Zum Kaufpreis wollte der Flixbus-Gründer keine Angaben machen. Der Deal werde aber zusätzliche jährliche Einnahmen von 15 bis 20 Millionen Euro bringen. Postbus war im November 2013 als Kooperation mit dem ADAC an den Start gegangen. Der Autoclub stieg im November 2014 aus dem Projekt aber wieder aus, die Post hatte das Geschäft seitdem alleine weiterbetrieben. "Allerdings haben sich unsere Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit dieser Dienstleistung nicht ausreichend erfüllt", begründet der Geschäftsführer der Mobilitätssparte Deutsche Post Mobility, Joachim Wessels, den Verkauf.

Derzeit bietet Postbus Verbindungen zu 112 Zielen an, von denen etwa 85 in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen. Flixbus hingegen fährt 900 Ziele an, rund 450 davon im deutschsprachigen Raum.

In einem ersten Schritt komme es nun darauf an, die Fahrpläne beider Anbieter anzupassen und das Streckennetz zu verbessern, sagte Schwämmlein. Bislang parallel fahrende Linien auf Verbindungen wie etwa München-Berlin sollen zugunsten neuer Ziele reduziert werden. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken." Profitieren würden Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Fernbus-Netz angeschlossen sind.

Flixbus erhofft sich neuen Zugang zu Familien und Senioren

Flixbus will mit der Übernahme auch neue Kundengruppen gewinnen. "Während wir durch unsere Positionierung vor allem ein junges, online-affines Publikum ansprechen, hat die Post durch Offline-Vertriebskanäle auch Senioren oder Familien erreicht", erklärte der Flixbus-Gründer.

Darüber hinaus wollen Flixbus und Post in der Logistik zusammenarbeiten. Derzeit testet das Bonner Unternehmen einen Express-Kurierservice zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mit dem Fernbus versendet werden. "Wir prüfen, wie wir diesen Service gemeinsam mit FlixBus ausweiten", sagte Wessels.

© SZ.de/dpa/vit

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