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Notenbank:Was passiert, wenn in den USA der Leitzins sinkt

S&P 500 Briefly Reaches Past 3,000 For First Time As Fed Chair Hints At Rate Cut

Zinssenkungen sind für Aktienkurse in der Regel attraktiv: Wenn die Zinsen sinken, werden Anleihen für Investoren weniger attraktiv - und sie schieben mehr Geld an die Börsen. Im Bild: Händler an der Wall Street

(Foto: AFP)
  • Die Notenbanker in den Vereinigten Staaten werden an diesem Mittwoch womöglich den US-Leitzins senken.
  • Das mag gut klingen - doch Anleger sollten auf der Hut sein.

Für Anleger klingt es nach einem göttlichen Zustand. Wenn alles am Finanzmarkt steigt, dann muss das finanzielle Paradies angebrochen sein. Wenn Aktien steigen, wenn Anleihekurse steigen und selbst die Goldnotierungen. Es klingt nach einem Fantasieszenario, doch selbst langjährige Finanzexperten glauben derzeit daran. Sie sagen sogar: Das Paradies dürfte nicht erst in ferner Zukunft anbrechen, sondern schon bald. Genauer, bereits am Mittwochabend deutscher Zeit.

Denn dann tritt in den USA eine einflussreiche Runde an die Öffentlichkeit, die sich hinter dem etwas technischen Titel Fed-Offenmarktausschuss verbirgt. Im Klartext: jenes Gremium, das über die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten entscheidet. Wenn die Anleger die Äußerungen der Notenbanker aus den vergangenen Wochen aktuell richtig deuten, dann dürften die Zentralbanker dort erstmals seit Jahren die Zinsen nicht hochschrauben, sondern senken - um genau 0,25 Prozentpunkte. Es ist genau jener Viertelprozentpunkt, jene Wende, die in den Augen vieler Anleger für das Finanzparadies sorgen dürfte. Doch auch wenn alles so schön klingt: Anleger sollten sich nicht täuschen lassen. Denn das Szenario, in dem alles steigt, dürfte nicht von langer Dauer sein. Was Anleger nun wissen müssen.

Aktien: Vorsichtig herantasten

Klar, Zinssenkungen sind für Aktien in der Regel Zucker. Denn wenn die Zinsen sinken, werden Anleihen für Investoren weniger attraktiv - und sie schieben mehr Geld an die Börsen. "Dieser Zucker dürfte in den US-Kursen aber nur drei Monate vorhalten", sagt Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Bayern LB. Was den USA danach wirtschaftlich blühen könnte, ist kein Grund für Optimismus. Das sagen selbst die Insider in den Firmen: 48 Prozent der Finanzchefs US-amerikanischer Unternehmen glauben an eine Rezession bereits bis Mitte des kommenden Jahres. "Die Gefahr für Enttäuschungen ist groß", sagt Bayern LB-Mann Michels. Alles andere ist eine Wette darauf, dass die Zinssenkung nicht nur für einen Zuckerrausch sorgt, sondern der US-Konjunktur nachhaltig Triebkraft gibt.

In Deutschland ist die Gefahr am Aktienmarkt sogar ungleich größer als in den Vereinigten Staaten. Denn deutsche Aktien hängen deutlicher stärker am Faden des Exports und damit des Welthandels. "In den vergangenen Wochen hatten wir deswegen schon einige Hiobsbotschaften", sagt Vermögensverwalter Andreas Görler von Wellinvest. Denn inzwischen hat eine ganze Reihe von Unternehmen vor drastisch sinkenden Gewinnen gewarnt. Zwar dürfte eine Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Aktien auch hierzulande ein paar Tage Schubkraft geben, dann dürften allerdings schnell wieder die Handelssorgen in den Fokus geraten. Wer jetzt eine größere Summe in Aktien schieben will, sollte das nicht auf einmal tun. "Wir empfehlen die Scheibchentaktik", sagt Felix Herrmann vom Vermögensverwalter Blackrock. Heißt: Nicht alles auf einmal investieren, sondern immer mal wieder ein bisschen. Und dann lange dabeibleiben.

Anleihen: Finger weg für Ungeübte

Die niedrigen Zinsen sorgen für eine Zeitenwende am Anleihemarkt: Inzwischen hat sich am Finanzmarkt ein 13-Billionen-Dollar-Berg von negativ rentierenden Anleihen angestaut. Das heißt im Klartext: Wer heute eine solche Anleihe kauft und sie behält, bis der Herausgeber den Betrag in einigen Jahren zurückzahlt, macht damit ein Minusgeschäft. Er muss die Anleihe derzeit so teuer kaufen, dass selbst die regelmäßigen Zinszahlungen nicht reichen werden, um unter dem Strich ins Plus zu kommen. Wer aber gar nicht vorhat, Anleihen auf Jahre bis zur sogenannten Endfälligkeit zu halten, kann profitieren.

Der Clou: Die Anleihen, die jetzt auf dem Markt sind, bringen ja noch mehr Zinsen, als die Anleihen, die bald erst herauskommen und dann weniger Zinsen bringen dürften. Anleger jagen auf dem Anleihemarkt derzeit nach diesen aktuell noch besser verzinsten Papieren. Das macht diese Titel immer teurer, lässt ihre Kurse steigen. "Anleger sollten sich mehr auf diese Kursgewinne als auf Kuponzahlungen konzentrieren", sagt Jürgen Michels von der Bayern LB. Das ist allerdings nur etwas für Finanzprofis, denn viele Privatinvestoren dürfen Anleihen nur kaufen, wenn sie mindestens 10.000 oder 100.000 Euro anlegen. "Das ist vollkommen unrealistisch", sagt Vermögensberater Andreas Görler von Wellinvest. Denn so viel in eine Anleihe zu stecken, dürfte für normale Anleger meist zu riskant sein. Von daher gilt: Finger weg. Auch von Expeditionen in Anleihen von Schwellenländern sollten Privatanleger absehen, rät Görler.

Gold: Kann wohl glänzen

In der normalen Welt hat Gold einen gravierenden Makel: Es bringt keine Zinsen, sondern verstaubt nur im Tresor. Wenn aber die Zinsen sinken sollten, dann wird dieses Argument immer nebensächlicher. "Im aktuellen Umfeld kann Gold glänzen", sagt Anlagestratege Felix Herrmann vom Vermögensverwalter Blackrock. Auch viele Notenbanken kaufen derzeit massig Gold. Anleger sollten jedoch maximal zehn Prozent ihres Vermögens in das edle Metall schieben.

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