bedeckt München 17°
vgwortpixel

Geldpolitik:Fed will wohl Leitzins senken

Fed-Chef Jerome Powell wird immer wieder von Trump unter Druck gesetzt: Trump will, dass Powell die Zinsen senkt, um das Wirtschaftswachstum anzufachen.

(Foto: AFP)
  • Powell sagt, man müsse angemessen auf die angespannte Wirtschaftslage reagieren.
  • Anleger interpretieren das als Ankündigung, die Zinsen zu senken. Die Börsen in den USA und in Deutschland reagieren prompt.

Es wäre die erste Senkung der Leitzinsen seit der Finanzkrise: US-Notenbankchef Jerome Powell hat die Hoffnung auf niedrigere Zinsen an den Börsen wieder bestärkt. Anleger deuteten seine Aussagen im Rahmen seiner halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress am Mittwoch als Signal für rasche Zinssenkungen. Viele meinen, das könnte schon Anfang des Monats geschehen.

Powell erklärte laut vorab veröffentlichtem Redetext, die Fed stehe bereit, "angemessen zu handeln", um nachhaltiges Wachstum zu sichern. Der internationale Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft lasteten weiter auf dem Konjunkturausblick. Hinzu komme die Gefahr, dass sich die gedämpfte Inflation noch hartnäckiger halten könne als erwartet und sich somit nicht als vorübergehendes Phänomen erweise. Außerdem hätten sich Investitionen "spürbar verlangsamt" und das Wirtschaftswachstum habe ein mäßigeres Tempo angeschlagen.

Für viele Marktteilnehmer ist eine US-Zinssenkung im Juli so gut wie sicher. Der Dollar wertete am Mittwoch an den Devisenmärkten deutlich ab, dafür stieg der Wert des Euros. Die Börsen in den USA und in Deutschland reagierten auch: Der Dow Jones steht jetzt so hoch wie seit dem vergangenen Mittwoch nicht mehr. Der Dax konnte seine Verluste von heute ausgleichen.

Trump fordert schon länger eine Zinssenkung von Powell. Die letzte liegt mehr als zehn Jahre zurück - im Dezember 2008. Trump hat der Fed immer wieder vorgeworfen, mit zu hohen Zinsen den Aufschwung zu gefährden. Er hält die unabhängigen Währungshüter für ahnungslos.

Die demokratische Parlamentarierin Maxine Waters, Chefin des Finanzdienstleistungsausschusses des Repräsentantenhauses, sagte: "Dieser Präsident hat klar gemacht, dass er kein Verständnis oder Respekt für die Unabhängigkeit der Federal Reserve hat". Sie verwies auf Berichte, denen zufolge Trump sogar über eine mögliche Entlassung Powells gesprochen hat. Es sei wichtig, dass Powell und andere Fed-Vertreter diesen Taktiken nicht nachgäben. Auf Waters' Frage, was er tun würde, wenn Trump sagte, er wolle ihn feuern, antwortete Powell, er beabsichtige, seine vierjährige Amtszeit vollständig auszuüben.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Nein auf Zeit

Zinsentscheid

Nein auf Zeit

Die US-Notenbank hält den Leitzins konstant. Mit der Entscheidung demonstrieren die Währungshüter ihre Unabhängigkeit von US-Präsident Trump. Und halten sich eine Hintertür offen.   Von Claus Hulverscheidt