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Fast Casual Dining:Erfolg der Edel-Burger-Lokale

Der Unterschied zum klassischen Fast-Food-Lokal ist bei den Schnellrestaurants des neuen Typs eigentlich gar nicht so groß. Man bestellt hier wie dort an einer Theke, die Bedienung am Tisch hält sich in engen Grenzen. Der größte Unterschied besteht in den Speisen selbst: Tiefkühlware ist in der Regel verpönt, die Zutaten sind meist frisch, die Liste der Zusatzstoffe ist deutlich kürzer als in der Fast-Food-Branche, vieles wird auch direkt vor dem Kunden frisch zubereitet, und der Gast kann zumindest einige Zutaten selbst auswählen.

Erfunden wurde "Fast Casual Dining" 1993 in den USA, in Denver, Colorado, von dem jungen College-Absolventen Steve Ells. Chipotle Mexican Grill nennt sich sein Unternehmen, das vor allem Burritos und Tacos verkauft und weltweit knapp 1600 Filialen besitzt - seit einem Jahr auch eine deutsche im Frankfurter Skyline Plaza. Zwischenzeitlich war McDonald's Mehrheitseigner, 2006 aber stieß der Fast-Food-Konzern seine Anteile wieder ab. Das werden die Manager heute bedauern, denn Chipotle verzeichnet Jahr für Jahr sagenhafte Zuwachsraten von bis zu 20 Prozent beim Umsatz. Der Kundschaft scheint offenbar zu gefallen, dass die Gerichte vor ihren Augen zubereitet werden und dass sie mitbestimmen darf, was ins Essen kommt. Chipotle wirbt in den Vereinigten Staaten auch damit, dass es nur Fleisch von Tieren verwendet, die auf natürliche Weise und möglichst ohne antibiotische und hormonelle Behandlung aufgezogen wurden, was in den USA eine Ausnahme darstellt. Das gemäßigte Öko-Image war bei der weiteren Entwicklung jedenfalls sehr hilfreich.

Die Kunden haben nichts gegen Burger und Pommes - diese sollten nur besser schmecken

Überhaupt scheint das neue Konzept des "Fast Casual Dining" als Mittelding zwischen Schnellrestaurant und Speiselokal eine wachsende Schicht von ernährungsbewussten Essern diesseits und jenseits des Atlantiks anzusprechen. Man will offenbar den Vorteil des Fast-Food-Gedankens haben, seine Mahlzeit ohne lange Wartezeit und nicht allzu teuer zu bekommen. Andererseits soll sie aber auch so frisch wie möglich, so gesund wie möglich und obendrein noch ökologisch einwandfrei sein - ein Spagat, der nicht ganz leicht zu leisten ist.

Immerhin ist der ernährungsbewusste Fast-Food-Esser offenbar bereit, für die Erfüllung seiner Ansprüche auch mehr zu bezahlen. In den USA sogar das Doppelte im Vergleich zum Essen im herkömmlichen Schnellrestaurant. Auch in Deutschland dürfen die Preise um einiges höher sein, wenn auch nicht ganz im selben Ausmaß.

Auffallend ist auch, dass die neuen Lokale kulinarisch entweder ein radikales Kontrastprogramm zum klassischen Fast Food bieten oder dieses nur mit einer deutlich höheren Qualität ergänzen. Bernd Ungewitter, Gründer der Kaimug-Kette mit thailändischen Schnellgerichten, kam im Urlaub auf die Idee zur Unternehmensgründung. Auch David Baumgartner war als Rucksacktourist unterwegs, als ihm einfiel, dass die leckeren Gemüsecurrys aus asiatischen Garküchen auch zu Hause ankommen müssten.

Die besten Fastfood-Lokale der Stadt

Münchner Burgersinn

Auf der anderen Seite hält sich die Experimentierlust des eiligen Essers natürlich in Grenzen. Deshalb hat er prinzipiell nichts gegen Burger, Pommes und Döner - es wäre ihm nur lieber, wenn die einfach besser schmeckten. Deshalb schießen die Edel-Burger-Lokale in den Großstädten derzeit förmlich aus dem Boden: ohne hocherhitzte Tiefkühl-Fleischlappen in matten Wattesemmeln, dafür mit frischen Rinderhack-, wahlweise Grünkern-Steaks, knackigem Gemüse, aber zu saftigen Preisen. Damit feiert seit einiger Zeit Thomas Hirschberger mit seiner Kette "Hans im Glück" bundesweit Erfolge mit 23 Filialen zwischen Flensburg und München. Er hatte sich vor gut 20 Jahren von seinem Geschäftspartner Weiffenbach getrennt, weil er den Weg hin zur Systemgastronomie nicht mitgehen wollte. Kurz darauf gründete er allerdings die Texmex-Kette "Sausalitos", zu der auch "Hans im Glück" gehört. Klassisches "Fast Casual Dining" also. Der Umsatz beträgt inzwischen auch schon mehr als 40 Millionen Euro.