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Fan-Anleihen:Alles für den Klub

Drittligist Kaiserslautern

Drittligist 1.FC Kaiserslautern ist pleite. Die Fans müssen nun auch um ihr Geld bangen.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Der 1. FC Kaiserslautern lieh sich eine Million Euro von seinen Fans, dann kam die Insolvenz. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, aus Sympathie zu investieren.

Von Felicitas Wilke

Es waren Erinnerungen an glorreiche Zeiten, mit denen der 1.FC Kaiserslautern vor gut einem Jahr um einen Kredit bei seinen Sympathisanten warb. Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt Fritz Walter, wie er 1951 die erste Meisterschale für die Fußballer aus der Pfalz entgegennimmt, ein anderes den jungen Ciriaco Sforza, wie er 1998 die Schale in die Höhe reckt. Ein Mix aus schönen Bildern, schmeichelhaften Worten an die Fans und vermeintlich attraktiven Kreditkonditionen - fünf Prozent Zins bei einer Laufzeit von drei Jahren - sollte sie überzeugen, in ihren schon damals kriselnden Klub zu investieren.

Die Website auf der Plattform Kapilendo, wo die 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA für ihr Kreditprojekt warb und mehr als eine Million Euro einnahm, existiert bis heute. Doch das Motto, mit dem es überschrieben ist, "gemeinsam sind wir unzerstörbar", kommt ein Jahr später etwas schief daher: Der Traditionsverein hat Mitte Juni einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt.

Was aus dem Geld der Anleger wird, ist unklar. Sie sollten "die anstehenden Gespräche mit Investoren und mit Gläubigern abwarten", teilte das Unternehmen damals mit. Die "Betze-Anleihe", über die sich der Verein ebenfalls Geld bei den Fans geliehen hatte, soll "wo immer darstellbar" im Sanierungskonzept "angemessen berücksichtigt werden". Eine Anfrage zum neuesten Stand blieb zunächst unbeantwortet.

Der Fall zeigt stellvertretend, wie riskant es sein kann, Geld nicht als nüchterner Anleger, sondern als Fan zu investieren. "Wenn die Anhänger geradezu aufgefordert werden, den Klub zu retten, ist es schwierig, die Chancen und Risiken noch sinnvoll abzuwägen", sagt Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Saarland. Über Kapilendo und vergleichbare Plattformen können Privatanleger als einer von mehreren Anlegern in kleine und mittelständische Unternehmen investieren - vom Fußballklub bis "Superfood". Das Portal stellt die Unternehmen und deren Vorhaben mit Texten, Bildern und Videos vor, so wird die Geldanlage greifbar - und emotional aufgeladen.

Mal klappt das, mal nicht: Das Geld, das sich Hertha BSC vor drei Jahren von Anlegern über Kapilendo lieh, um in den Nachwuchs zu investieren, ist inzwischen zu einem Zinssatz von vier Prozent zurückgezahlt. Die Anleger, die in die aus der TV-Show "Höhle der Löwen" bekannte, inzwischen insolvente Modefirma Von Floerke investiert hatten, bangen um ihr Geld.

Dies kommt auch auf die Gläubiger des 1. FC Kaiserslautern zu. Kapilendo-Chef Christopher Grätz sagt, bei diesem Kreditprojekt nur die "technische Plattform" zur Verfügung gestellt zu haben. Es sei für Fans und Vereinsmitglieder zugangsbeschränkt gewesen und mit "einem besonderen Risikohinweis" versehen worden. "Anders als bei unseren klassischen Mittelstandsfinanzierungen haben wir dabei keine dezidierte Kreditprüfung durchgeführt und das Projekt auch nicht beworben."

Dafür motivierte Hauptsponsor Harald Layenberger kräftig all jene, die "unseren Verein lieben" und "es sich auch wirklich leisten können, die Zweifel und Ängste" zu verdrängen und zu investieren. "Ich werde noch einmal nachlegen", kommentierte ein Fan den Facebook-Beitrag daraufhin.

Verbraucherschützer Beutler sieht Kreditprojekte auf Online-Plattformen generell misstrauisch. "Die Zinssätze sind im Verhältnis zum Risiko in aller Regel zu gering", findet er. Beutler empfiehlt Anlegern, vorher das Vermögensanlagen-Informationsblatt zu lesen, und zu prüfen, ob sie in ein Nachrangdarlehen investieren, bei dem sie im Insolvenzfall das Nachsehen gegenüber anderen Gläubigern haben. Und: "Wenn man als Fan einem kriselnden Klub einen Kredit gewährt, sollte man das Geld weniger als Anlage, sondern mehr als Spende sehen."

© SZ vom 26.06.2020
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