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Familienunternehmen:Kritik am Standort

Familienunternehmer bemängeln im internationalen Vergleich der Standortbedingungen die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Dabei gibt es nicht nur in den Bereichen Steuern und Infrastruktur Defizite.

Im internationalen Vergleich hat die Bundesrepublik laut einer neuen Analyse bei den Standortbedingungen für Familienunternehmen nachgelassen. Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 21 Industrienationen untersucht. Deutschland landet im unteren Mittelfeld auf Rang 16, vier Plätze schlechter als bei der vorigen Erhebung vor zwei Jahren. "Deutschland hat im internationalen Vergleich insgesamt erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, auch wenn das durch die gute Konjunkturlage verdeckt wird", kommentierte Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. Die Plätze eins, zwei und drei gehen an die Schweiz, Großbritannien und die USA, ganz unten steht Italien.

Der Bundesrepublik konstatieren die Autoren vor allem in den Bereichen Steuern sowie Infrastruktur Defizite aus Sicht der Familienunternehmen. Der Studie zufolge ist die Steuerbelastung für Unternehmen, die im Inland ihre Geschäfte machen, im Vergleich besonders hoch. 89,5 Millionen Euro beträgt hierzulande die jährliche Durchschnittssteuerbelastung pro Familienbetrieb. Mängel sieht die Studie auch bei den Arbeitskosten. Knapp 40 Euro kostet die Unternehmen hier im Durchschnitt eine Arbeitsstunde, in vier der untersuchten Länder sind die Kosten höher. Der Index berücksichtigt allerdings auch, dass "hohe Arbeitskosten üblicherweise mit einer hohen Produktivität einhergehen". Dies ist auch in Deutschland der Fall. Die Produktivität einer geleisteten Arbeitsstunde liegt hierzulande im Schnitt bei rund 53 Euro - also deutlich höher als die Kosten.

Bemerkenswert ist, dass Deutschland auch bei Rechtssicherheit und Korruptionskontrolle nur im mittleren bis oberen Mittelfeld landet. "Die Platzierung beim ethischen Verhalten von Unternehmen fällt dabei deutlich schlechter aus als die Resultate bei den anderen Kennziffern", so die Autoren. "Vorfälle wie der Diesel-Skandal in der Automobilindustrie dürften dabei eine Rolle spielen." Die Korruptionskontrolle im öffentlichen Sektor habe sich hingegen deutlich verbessert.