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Familienunternehmen:Gute Laune

Die Familienunternehmen wollen mehr investieren - vor allem in die Digitalisierung, ergab eine Umfrage. Bereits heute entwickelt jedes vierte Unternehmen alle drei Jahre mindestens ein Produkt oder eine Dienstleistung komplett neu.

Die Gruppe der Familienunternehmen gilt in der Öffentlichkeit immer noch als die verstaubte Ecke der deutschen Wirtschaft. Dem ist nicht so. Mehr als ein Viertel der großen deutschen Familienunternehmen hat in den vergangenen drei Jahren "ein völlig neues Produkt oder eine völlig neue Dienstleistung" auf den Markt gebracht. Das ergab die Frühjahrsumfrage des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Bank. Mehr als jedes zweite große Familienunternehmen hat Produkte und Dienstleistungen zumindest verbessert.

Neuartige und verbesserte Produkte und Dienstleistungen bringen jeden achten Euro

In der Summe heißt das: Jeden achten Euro setzten die Unternehmen mit neuartigen und verbesserten Produkten und Dienstleistungen um. Als groß gelten Familienunternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz jährlich. Davon gibt es rund 4500 in Deutschland, befragt wurden online 378.

2015 investierten die Familienfirmen im Durchschnitt 3,1 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Zum Vergleich: in der gesamten Wirtschaft lag der Anteil bei 2,8 Prozent. Die Forschungsintensität wird laut Studie vor allem durch die Branche und die Exportorientierung bestimmt. In Handel und Dienstleistung weisen nahezu zwei von drei Unternehmen überhaupt keine Aufwendungen für Innovationen aus. Das muss aber nicht heißen, dass keine stattfinden. Sie werden nur nicht explizit ausgewiesen, sondern fänden als "integrierter Prozess" im normalen Geschäft statt, heißt es. Sichtbarer sind sie in der Industrie mit einer Quote von 4,4 Prozent. Auch da gibt es erhebliche Unterschiede. Der Maschinenhersteller Trumpf, etwa, gab im Geschäftsjahr 2014/15 nach eigenen Angaben rund 9,8 Prozent seiner Erlöse für Forschung und Entwicklung aus.

Als eines der größten Hemmnisse für die Entwicklung neuer Produkte und Dienste nannten die befragten Unternehmen den Mangel an Fachpersonal. Fehlende öffentliche Fördermittel beklagten nur gut zehn Prozent der Firmen, unzureichende Finanzierungsmöglichkeiten nur gut fünf Prozent. Geld ist also kein Problem.

Gut jedes zweite Familienunternehmen will investieren. Die stabile Konjunktur im Inland, die niedrigen Zinsen und der verhältnismäßig niedrige Ölpreis dürften das Investitionsverhalten positiv beeinflussen und weltwirtschaftliche Unwägbarkeiten überlagern, heißt es in der Studie. 2015 investierten die Familienunternehmen im Durchschnitt 5,4 Prozent ihrer Erlöse - je größer, umso mehr. Die Investitionsquote der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern lag bei 7,1 Prozent. Eine große Rolle spielt dabei die Digitalisierung, vor allem Händler wollen dafür Geld ausgeben. Viele Geschäftsmodelle des Handels seien ohne internetbasierte Informations- und Kommunikationstechnologien "kaum noch denkbar", heißt es in der Studie.

Die Stimmung in den großen Familienunternehmen ist gut. Zwei von drei Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut bis sehr gut. Auch für die nächsten zwölf Monate bleiben die meisten der Befragten optimistisch. 44,4 Prozent rechnen in diesem Jahr mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl, ebenso viele mit keiner Veränderung. Die großen Familienunternehmen stellen fast acht von zehn Arbeitsplätzen.

Allerdings fand die Umfrage vom 21. März bis 2. Mai dieses Jahres statt, also vor dem Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union. In der gesamten Wirtschaft hat sich die Stimmung durch den Brexit leicht verschlechtert. Wie das Ifo-Institut am Montag meldete, sank der Geschäftsklimaindex im Juli im Vergleich zum Vormonat um 0,4 auf 108,3 Punkte.