bedeckt München

Familienunternehmen:Der Weg ist das Ziel

Familienunternehmen gehen mutig ins Ausland, das zeigt eine Studie. Bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder sind sie jedoch vorsichtig.

Bei der Expansion ins Ausland agieren börsennotierte deutsche Familienunternehmen genauso mutig wie Konzerne mit breitem Streubesitz. Deutlich vorsichtiger sind sie aber dann, wenn es darum geht, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Da bewegen sie sich lieber auf bekanntem und naheliegendem Terrain, während die Konkurrenz sich häufiger auf völlig neue Sparten einlässt. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) an der Technischen Universität München.

Familienunternehmen, Illustration

Viele Familienunternehmen gehen mutig ins Ausland. Die Erschließung neuer Geschäftsfelder ist da schon schwieriger.

(Foto: Illustration: Carl-Heinz Daxl/SZ)

Die Untersuchung basiert auf Daten deutscher Aktiengesellschaften, die im Zeitraum von 2002 bis 2006 mindestens ein Jahr im Prime Standard der Deutschen Börse notiert waren, dem Segment mit den höchsten Anforderungen. Insgesamt waren das etwa 400 Firmen. Anders als von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, halten Gründerfamilien durchschnittlich rund ein Fünftel des Grundkapitals an diesen Unternehmen. Sie sind damit bei weitem die bedeutendste Aktionärsgruppe in Deutschland.

Aber nicht alle Firmen im Prime Standard taugten für die Studie. Finanzdienstleister und Firmen mit unklarer Gesellschafterstruktur wurden nicht berücksichtigt. Übrig blieben für den Vergleich 339 Betriebe, darunter ehemalige Staatsunternehmen wie die Lufthansa, Unternehmen genossenschaftlichen Ursprungs wie Südzucker, Konzerabspaltungen wie Infineon und durch Unternehmerfamilien gegründete Firmen.

Mut zum Risiko

Von den untersuchten 339 Firmen erfüllten 220 die Definition eines Familienunternehmens: die Familie des Gründers hält mindestens ein Viertel des Kapitals und/oder mindestens ein Familienmitglied sitzt im Vorstand oder Aufsichtsrat.

Beim Gang ins Ausland scheuen die Familien keine Risiken, sagt Ann-Kristin Achleitner, Inhaberin des KfW-Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurial Finance und wissenschaftliche Direktorin des CEFS. Sie hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Christoph Kaserer sowie Markus Ampenberger und Thomas Schmid die Studie verfasst.

"Der Wettbewerbsdruck bestimmt die geographische Diversifikation, nicht die Eigentümerstruktur", erklärt Ampenberger. "Viele Familienunternehmen haben es in ihrer Nische zu einer weltweit führenden Marktposition gebracht", sagt Achleitner. Das Paradebeispiel dafür ist das europaweit größte Softwarehaus SAP, aber auch der Konzern Wacker Chemie oder das Solarunternehmen Solarworld.

Gefahr bei regionaler Ausweitung

Bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder agieren die Familien getreu dem alten Spruch "Schuster bleib bei deinen Leisten". Pfleiderer hat sich stets auf Holzwerkstoffe konzentriert, IDS Scheer auf Software im Bereich Geschäftsprozessmanagement. Konzerne im Streubesitz entfernen sich auch gerne mal weiter vom ursprünglichen Kerngeschäft. Auch dafür finden sich im Prime Standard viele Beispiele, eines davon ist Linde. "Die inhaltliche Diversifizierung birgt immer Risiken", sagt Kaserer. "Es gibt ja auch genügend Beispiele von Konzernen, die über eine allzu gestreckte Diversifizierung gestolpert sind."

Daimler hat das par excellence demonstriert. Während das Unternehmen in den 80er Jahren unter der Führung von Edzard Reuter der Vision eines integrierten Technologiekonzerns nachjagte mit Ausflügen in die Elektronik (AEG) oder die Luft- und Raumfahrt (Dasa), besann es sich in den 90er Jahren auf seine Kernkompetenz: den Automobilbau. Und lieferte dann mit der Übernahme des US-Konkurrenten Chrysler 1998 wieder ein Paradebeispiel dafür, dass nicht nur eine Diversifikationsstrategie in völlig andere Geschäftsbereiche, sondern auch eine regionale Ausweitung Gefahren birgt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Wege Unternehmen gehen können - und welche Unterschiede im Risikoverhalten bestehen.