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Falschnachrichten:Die Seuche stoppen

Die Corona-Pandemie facht Gerüchte und Falsch­nachrichten an. Das Facebook-Unternehmen Whatsapp will nun dagegen vorgehen.

Im Schatten der Corona-Pandemie breitet sich im Netz eine Art Seuche aus, die alles noch schlimmer macht: Millionen Menschen teilen in sozialen Netzwerken Gerüchte, Falschnachrichten und Verschwörungstheorien. Um diese Infodemie zu stoppen, verschärft Whatsapp jetzt seine Regeln.

"Um die Verbreitung von Falschinformationen weiter einzudämmen, führt Whatsapp nun eine neue Weiterleitungsbeschränkung für Nachrichten ein", teilt das Unternehmen in einem Blogeintrag mit. Wer eine Nachricht erhält, die bereits fünfmal oder öfter weitergeleitet wurde, kann sie nicht mehr an mehrere Kontakte gleichzeitig weiterschicken.

Solche Nachrichten kennzeichnet Whatsapp seit dem vergangenen Jahr mit einem grauen Doppelpfeil - den man allerdings nicht mit dem doppelten Haken verwechseln darf, der je nach Farbe für erfolgreich übermittelte (grau) oder gelesene (blau) Nachrichten steht. Da alle Inhalte bei Whatsapp Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, sieht das Unternehmen nicht, worüber sich Nutzer unterhalten. Deshalb kann Whatsapp im Gegensatz zu Facebook keine Nachrichten prüfen oder sperren.

Die Beschränkungen hatte Whatsapp ursprünglich nur in Indien eingeführt. Dort sollen gezielt gestreute Falschnachrichten Gewalt ausgelöst haben. Mobs brachten Dutzende Menschen um. Angeblich ausgelöst von massenhaft weitergeleiteten Whatsapp-Nachrichten. Später wurde die Weiterleitung weltweit auf höchstens fünf Kontakte reduziert. Nach Angaben von Whatsapp sank die Zahl der weitergeleiteten Nachrichten dadurch um 25 Prozent.

"Falschnachrichten verbreiten sich schneller als das Virus, und sie sind genauso gefährlich", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bereits im Februar. Die Infodemie kann Panik auslösen oder dazu führen, dass sich Menschen leichtfertig verhalten. Bei einer Pandemie kann das Menschenleben kosten, weil sich das Virus dann womöglich schneller ausbreitet.

Dass der Corona-Quatsch nicht nur im Netz bleibt, zeigt ein Beispiel aus Großbritannien: In den vergangenen Tagen zündeten Menschen mehrere Mobilfunkmasten an. Sie hatten Videos mit Verschwörungstheorien gesehen und waren überzeugt, dass der Mobilfunkstandard 5G die Lungenkrankheit Covid-19 verbreite. Auch Ingenieure und Bauarbeiter wurden angegriffen.

© SZ vom 08.04.2020
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