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Online-Handel:So erkennt man Fake-Shops

Plattform für kleinere Unternehmen

Der Button zur Bestätigung eines Einkaufs in einem Online-Shop im Internet auf einem Computermonitor.

(Foto: dpa)

Den Boom des Online-Handels während der Corona-Pandemie machen sich Betrüger zunutze. Vor dem Kauf sollten sich Verbraucher den Händler genau ansehen.

Im ersten Moment sieht es nach einem wahren Glücksgriff aus. Ein Shop im Internet verkauft noch Schutzmasken und Desinfektionsmittel, die Bewertungen sehen gut aus, es gibt Links zur vermeintlichen Twitter- oder Facebookseite. Sogar die Gütesiegel von Firmen wie dem TÜV finden sich auf der Seite. Doch so schön das alles aussieht, die böse Überraschung für die Kunden folgt spätestens dann, wenn sie bestellt und bezahlt haben. Denn das ersehnte Produkt wird nie geliefert, die Hotline für Rückfragen funktioniert plötzlich nicht mehr und auch die Webseite ist im Internet nicht mehr zu finden. Klar ist nur: Das Geld ist weg. Die Hintermänner, die oft im Ausland sitzen, schicken es rasant auf Konten, die für die deutsche Justiz kaum mehr greifbar sind, und tauchen selbst unter.

In den vergangenen Jahren gab es solche Shops für Schuhe, Kleidung, Kaffee, Spielzeug und für allerlei teure elektronische Geräte. Mehrere Millionen deutsche Verbraucher sind einer Umfrage der Verbrauchzentrale zufolge bereits auf solche Fake-Shops reingefallen, die Dunkelziffer dürfte groß sein. In Zeiten der Angst und Verunsicherung haben die Betreiber auf Corona-Produkte wie Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel umgerüstet, versuchen den Menschen, die sich schützen wollen, noch ein paar Euro aus der Tasche zu ziehen. Wer aufpasst, kann sich und seinen Geldbeutel schützen.

Worauf sollten Kunden zuerst achten?

Der erste Hinweis auf einen Fake-Shop findet sich bereits in der Domain, also der Adresse, die im Browser oben eingegeben ist. Meist enden die Adressen nicht auf der Abkürzung .de für Deutschland, sondern auf Varianten wie .com.de oder haben einen Schreibfehler oder einen Bindestrich in der Adresse, der da nicht sein dürfte. Das bedeutet nicht, dass jeder Shop, bei dem es Auffälligkeiten in der Adresszeile gibt, auch dubios, windig oder gar betrügerisch ist. Es ist aber, zusammen mit anderen Indizien, ein wichtiger Hinweis für Verbraucher. Auch wenn der Shop eine Domain besitzt, die nicht zum Produkt passt - beispielsweise in der Adresszeile etwas mit Schuhen steht, aber teure Elektronikprodukte oder Atemschutzmasken angeboten werden - sollten Kunden zumindest vorsichtig sein.

Was sind weitere Indizien für einen Fake-Shop?

Ist die Seite nur schnell hochgezogen worden, um Kunden an der Nase herum zu führen, lassen sich schnell kleine und große Fehler finden. Mal ist der Name der Firma falsch geschrieben, mal ist die Seite einfach schlecht aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt worden, die Bilder passen nicht zu den Produkten oder es fehlen ganze Teile der Webseite. All das kann auch bei seriösen Seiten auftreten, ist aber ebenfalls ein Indiz, bei dem Verbraucher vorsichtig sein sollten. Tritt all das nicht auf, muss das kein zwingender Grund sein, dass die Webseite seriös ist. Professionelle Fake-Shops sind verblüffend gut gemacht.

Die Bewertungen des Shops sind sehr gut. Soll ich bestellen?

Generell ist es sinnvoll, sich an Bewertungen im Internet zu orientieren. Im ersten Schritt können Verbraucher schauen, wie die Produkte auf der jeweiligen Webseite abschneiden. Doch Achtung, nicht alle Bewertungen sind echt, nur weil ein Name darunter steht. Typisch bei Fake-Shops ist der durchweg positive Tenor: Das Lob ist überschwänglich, das Produkt quasi perfekt, der Shop sowieso. Potenzielle Kunden sollten sich deshalb auch auf externen Plattformen wie Trustpilot umschauen. Dort sind Tausende Unternehmen gelistet und bewertet. Schreiben dort bereits viele Nutzer oder Ex-Kunden von Betrug, davon, dass ihr Produkt nie ankam, oder von extrem langen Wartezeiten, sollten Verbraucher davon die Finger lassen.

Auf der Seite stehen Gütesiegel. Zählen die denn gar nichts?

Theoretisch sind Siegel für Shops im Internet eine gute Idee. Einige von ihnen, beispielsweise Trusted Shop, haben sich in den vergangenen Jahren auch etabliert und bieten eine gute Orientierung, wenn man sich nicht sicher ist, ob der Online-Händler vertrauenswürdig ist. Ein hundertprozentiger Schutz vor Betrügern sind sie aber nicht. Denn auch auf vielen Webseiten von Fake-Shops finden sich solche Siegel, etwa vom TÜV oder von Trusted Shop. Sie sollen den Besuchern der Shops suggerieren, dass sie in besten Händen sind und alles mit rechten Dingen zugeht. In Wahrheit sind die Siegel aber zumeist gefälscht, meist nur als Foto auf die Webseite kopiert, was dem Laien im ersten Moment nicht auffällt. Ob die Siegel echt sind, lässt sich aber auf der Seite des Siegelanbieters relativ einfach prüfen. Dort kann man die Domain oder den Namen des Shops im Suchfeld eingeben. Taucht der Händler in dem Verzeichnis nicht auf, ist das Gütesiegel auf der Webseite auch nicht echt. Finden Kunden einen Shop, der mit falschen Siegeln wirbt, sollten sie das unbedingt auch dem Siegelanbieter melden.

Gibt es auch Warnsignale, die nicht so offensichtlich sind?

Bevor Verbraucher ein Produkt tatsächlich bestellen, sollten sie noch einen Blick ins Impressum werfen. Bei vielen Fake-Shops fehlt es komplett, bei anderen zumindest wichtige Informationen. Eine Adresse, eine E-Mail-Adresse und ein Vertretungsberechtigter sollten zu finden sein, auch eine Handelsregisternummer. Auch die Telefonnummer, die im Impressum hinterlegt ist, kann aufschlussreich sein. Oft handelt es sich dabei um eine 0800-Nummer, bei der am anderen Ende ein Callcenter oder niemand rangeht - oder es lässt sich keine Nummer finden.

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Der Shop will Vorkasse. Und nun?

Grundsätzlich gibt es heutzutage Dutzende Möglichkeiten, im Internet zu bezahlen. Dazu gehören Kreditkarten, EC-Karten, der Bezahldienst Paypal, Zahlung über Lastschrift oder auch auf Rechnung. Die meisten Webseiten bieten mehrere Bezahlarten an. Wird in einem Shop explizit nur Vorkasse gewünscht, ist Vorsicht geboten. Denn kommt das Produkt nicht, gibt es kaum eine Möglichkeit, das Geld zurückzuholen. Besser fahren die Verbraucher, wenn erst die Ware kommt und sie im Anschluss bezahlen.

Was kann ich tun, wenn ich schon bestellt habe?

Wer bereits eine neue Atemschutzmaske bestellt hat und nun glaubt, er sei Betrügern oder windigen Anbietern aufgesessen, sollte zuerst bei der Bank anrufen. Manchmal kann sie die Zahlung noch stoppen oder das Geld zurückholen. Unabhängig davon sollten Betroffene die Polizei einschalten. Das geht bei der Dienststelle vor Ort oder online.

© SZ vom 07.04.2020/mxh

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