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Fahrradhersteller Derby Cycle:Mit Hilfsmotor an die Börse

Der deutsche Marktführer Derby Cycle treibt das Geschäft mit E-Bikes kräftig voran. Jetzt wagt sich das Unternehmen an die Börse - als erster Neuzugang in diesem Jahr.

Noch vor ein paar Jahren wurden sie als Sonderlinge belächelt, als "Fahrrad mit Hilfsmotor" abgetan. Heute sind sie das wichtigste Thema in der gesamten Zweiradbranche: Fahrräder mit Elektro-Zusatzantrieb. Etwa 200.000 dieser sogenannten E-Bikes wurden 2010 in Deutschland gekauft. In diesem Jahr könnten es nach einer Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) bereits 300.000 sein. Und langfristig rechnet die Branche mit Verkaufszahlen von bis zu 600.000 Stück - was bedeuten würde, dass jedes siebte neu verkaufte Rad über einen elektrischen Zusatzantrieb verfügen würde.

Fahrradhersteller Derby Cycle wagt sich aufs Parkett

Der Fahrradhersteller Derby Cycle wagt sich aufs Parkett.

(Foto: dapd)

Von diesem Trend will vor allem der Marktführer profitieren. Der niedersächsische Fahrradhersteller Derby Cycle, gemessen am Umsatz mit 173 Millionen Euro die Nummer eins in Deutschland, hat sich vorgenommen, das Geschäft mit E-Bikes kräftig voranzutreiben. Das ist einer der Gründe, weshalb das Unternehmen, dessen Marken Focus, Univega, Raleigh, Rixe und Kalkhoff für mittel- und hochwertige Räder stehen, jetzt den Schritt an die Börse unternimmt. Angeboten werden 6,84 Millionen Aktien, von denen 1,5 Millionen Papiere aus einer Kapitalerhöhung stammen. Die Preisspanne beträgt 11,50 Euro bis 15,50 Euro. Letzter Zeichnungstag ist der 2. Februar; zwei Tage später soll die Derby-Cycle-Aktie erstmals notiert werden.

Der Fahrradhersteller ist der erste Neuzugang an der deutschen Börse in diesem Jahr. Die Zweiradbranche ist jedoch schon seit 2004 am Kapitalmarkt vertreten. Damals gingen die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) aufs Parkett und bescherten den Anlegern wenig Freude. Mit gut drei Euro ist das Papier heute nur noch ein Drittel so viel wert wie beim Börsengang. Allerdings spielen Derby Cycle und Mifa in unterschiedlichen Ligen. Mifa fertigt vor allem Billigfahrräder für Handelsketten. Jedes vierte in Deutschland verkaufte Rad stammt aus deren Produktion. Gemessen an der Stückzahl ist das Unternehmen aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt die Nummer eins in Deutschland.

Derby Cycle, dessen Bikes auch bei der Tour de France gefahren werden - das russische Team Katusha ist auf Rädern der Marke Focus unterwegs -, verkauft seine Räder dagegen über den Fachhandel. Von den 430.000 Exemplaren, die die Firma im Geschäftsjahr 2009/10, das am 30. September endete, in mehr als 40 Ländern absetzte, waren 44.000 mit einem elektrischen Zusatzantrieb ausgestattet. Vorstandschef Mathias Seidler schätzt, dass sich der Umsatz mit Elektrorädern bis 2018 verdreifachen wird. Ähnlich optimistisch ist der Branchenverband ZIV. Dort beobachtet man, dass sich zunehmend jüngere Leute für diese Fahrzeuge interessieren. Auch würden viele der bundesweit etwa 22.00 Händler E-Bikes mehr Verkaufsfläche einräumen, sagte ein Sprecher. Das sind Hinweise darauf, dass der Fahrradmarkt möglicherweise in eine neue Dimension wächst, denn E-Bikes sind deutlich teurer als herkömmliche Räder. Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatte die starke Nachfrage nach Elektrorädern dafür gesorgt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis der etwa vier Millionen in Deutschland gefertigten Räder um mehr als 70 Euro auf über 450 Euro stieg.

Der Großteil des Emissionserlöses von Derby Cycle fließt allerdings nicht in die Expansion der Firma, sondern in die Taschen der Altaktionäre. Eigentümer der in Cloppenburg beheimateten Firma sind bisher zu 85 Prozent das Beteiligungsunternehmen Finatem sowie das Management mit 15 Prozent. Nach dem Börsengang soll Derby Cycle zu 91,2 Prozent in Streubesitz sein. Auf eine Dividende können die Aktionäre so rasch nicht hoffen. "Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung benötigen wir, um zu wachsen, da ist es aus unserer Sicht widersinnig, im ersten Jahr über eine Dividende nachzudenken", sagte Finanzvorstand Uwe Bögershausen. Bei einem Umsatz von 173 Millionen Euro hat das Unternehmen, das 550 Mitarbeiter beschäftigt, 2009/10 einen Gewinn von 7,5 Millionen Euro erwirtschaftet.