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Forschung:Das Fahrrad wird in Deutschland kaum gefördert

Der Radverkehr soll ausgebaut werden.

(Foto: Flo Karr/Unsplash)
  • Zum Sommersemester 2020 plant das Bundesverkehrsministerium drei Professuren zum Radverkehr.
  • Insgesamt soll die Forschung mit bis zu zwölf Millionen Euro gefördert werden. Dazu sollen 1,4 Milliarden in die Infrastruktur fließen.

Die Pläne sollen für ein Umdenken in der Bundesregierung im Verkehr stehen: Erstmals kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Frühjahr die Finanzierung von drei Rad-Professuren an. Man hole das Thema "in die Hörsäle", um den Radverkehr "noch attraktiver zu machen. Der Radverkehr wird Uni-Fach!", erklärte Scheuer beim Nationalen Radverkehrskongress in Dresden.

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen präzisierte das Ministerium nun die eigenen Pläne. Zunächst drei Professuren sollten zum Sommersemester den Zuschlag für die geplante Höchstförderung von bis zu 400 000 Euro jährlich bekommen, heißt es in einer Antwort von Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann auf eine kleine Anfrage der Grünen. Das Schreiben liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Damit geht es insgesamt pro Jahr um ein Budget von 1,2 Millionen Euro für die Radforschung. Über den geplanten Zeitraum von fünf Jahren und mit bis zu sechs Professuren käme die Regierung damit auf bis zu zwölf Millionen Euro.

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Das allerdings wirkt bescheiden im Vergleich zu jenen immensen Geldströmen, die die Bundesregierung bislang in Forschungsprojekte für den motorisierten Straßenverkehr steckt. Denn nach aktuellen Angaben des Bundesforschungsministeriums wurden in den vergangenen zehn Jahren genau 4983 Forschungsprojekte in Zusammenhang mit "Bau, Optimierung von Technik und Material für Kraftfahrzeuge, von Infrastruktur und Verkehrslenkung für den Kraftfahrzeugverkehr" finanziert, schreibt Forschungsstaatssekretär Michael Meister in einem Brief vom 2. Oktober. Die Gesamtsumme der Förderung habe bei 2,2 Milliarden Euro gelegen.

Die Opposition wirft der Regierung vor, zu wenig für den Umbau der Mobilität zu tun. Von Gleichbehandlung des Radverkehrs gebe es noch keine sichtbare Spur, sagt Stefan Gelbhaar, Sprecher der Grünen für städtische Mobilität und Radverkehr. Radverbände sehen ebenfalls enormen Nachholbedarf. Für die Planung von mehr Radverkehr fehlten bislang schlicht die Fachleute, sagte ein Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC. Die Gründung der drei Professuren sei aber wenigstens ein Anfang, erklärt der Verband weiter.

Der Anteil des Radverkehrs bei den zurückgelegten Wegen liegt nach einer Mobilitätsstudie der Bundesregierung bei elf Prozent. Im Auto werden noch immer 57 Prozent der Wege zurückgelegt, zu Fuß 22 Prozent und mit dem öffentlichen Verkehr rund zehn Prozent. Mit ihrem Klimaschutzprogramm hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, den Anteil des Radverkehrs deutlich ausbauen.

Bis 2023 sollen etwa 1,4 Milliarden Euro in den Radverkehr fließen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte angekündigt, dass die Regierung mit dem Klimapaket bis 2023 rund 900 Millionen Euro zusätzlich für den Radverkehr in Deutschland ausgeben werde. Insgesamt sollen nun bis 2023 etwa 1,4 Milliarden Euro in den Radverkehr fließen. Ziel ist es laut Scheuer, den Straßenraum gerechter aufzuteilen und mehr Platz für das Rad zu schaffen. Es geht um bessere Radwege oder etwa Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen.

Die Opposition hält das bislang eher für Symbolpolitik. Die Gelder, selbst die für die geplanten Stiftungsprofessuren, seien noch nicht im vollen Umfang über den Bundeshaushalt verankert, warnt Gelbhaar. "Mehr als 900 Mal so viel Forschungsgeld fürs Auto - damit kann keine Verkehrswende wissenschaftlich begleitet, geschweige denn vorgezeichnet werden", sagt Gelbhaar.

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